Irak-Krieg : Wikileaks veröffentlicht geheime US-Dokumente

Die Internetplattform Wikileaks hat die Veröffentlichung von fast 400.000 Geheimdokumenten zum Irak-Krieg verteidigt. Sie wirft den USA Kriegsverbrechen vor.

Wikileaks-Gründer Julian Assange hat auf einer Pressekonferenz die Veröffentlichung Zehntausender geheimer Militärdokumente zum Irak-Krieg verteidigt. Die Dokumente offenbarten klare Beweise für Kriegsverbrechen, sagte Assange in London. Sie seien zudem redaktionell so bearbeitet, dass niemand gefährdet werde.

Die Dokumente belegen unter anderem Folterungen in irakischen Gefängnissen und die hohe Zahl ziviler Opfer. Sie dokumentieren den blutigen Alltag des Kriegs und illustrieren die Hilflosigkeit der US-Truppen angesichts des zunehmenden Chaos im Irak. Julian Assange sagte dem US-Nachrichtensender CNN , die Dokumente belegten ein "Blutbad" in bisher nicht gekanntem Ausmaß.

Die New York Times , der Spiegel , der britische Guardian und die französische Le Monde hatten die aus "einer Datenbank des Pentagon" stammenden Unterlagen aus der Zeit vom Januar 2004 bis Dezember 2009 im Vorhinein ausgewertet. Nach Bewertung von Spiegel Online werfen die Unterlagen "ein neues Licht auf den Konflikt – und belegen auf einzigartige Weise, wie hilflos die hochgerüstete Supermacht USA jahrelang war".

Das US-Verteidigungsministerium reagierte scharf. "Indem solch sensiblen Dokumente zugänglich gemacht werden, setzt Wikileaks weiter das Leben unserer Soldaten, unserer Verbündeten, und von Irakern und Afghanen aufs Spiel, die für uns arbeiten", teilte das Pentagon am Freitag mit. Die "einzige verantwortungsbewusste Maßnahme" von Wikileaks wäre es jetzt, das "gestohlene Material" sofort zurückzugeben und es so schnell wie möglich von ihrer Webseite zu löschen.

Das Pentagon verurteile, dass Personen dazu verleitet wurden, das Gesetz zu brechen, vertrauliche Dokumente weiterzugeben und dann "ungeniert diese geheimen Informationen mit der Welt zu teilen, unter Einschluss unserer Feinde". Man wisse, dass Terrororganisationen die zuvor veröffentlichten Akten zum Afghanistan-Krieg nach Angaben durchforstet hätten, die gegen die USA verwendet werden können. Die Veröffentlichung zum Irak sei nun viermal so groß.

Aus den Dokumenten geht unter anderem hervor, dass die US-Armee von der Folterung von Gefangenen durch irakische Sicherheitskräfte wusste, oftmals aber nicht einschritt. Die Unterlagen dokumentieren auch, dass an Straßensperren mit US-Soldaten hunderte irakische Zivilisten getötet wurden. Einer internen Aufstellung der Armee zufolge wurden zwischen der Invasion 2003 und Ende 2009 insgesamt etwa 109.000 Iraker getötet, 63 Prozent von ihnen Zivilisten.

Wikileaks hatte bereits im Juli 77.000 geheime US-Dokumente zur Lage in Afghanistan veröffentlicht und sich damit den Zorn der US-Regierung zugezogen. Laut Guardian stammen die Irak-Dokumente aus derselben Quelle. US-Außenministerin Hillary Clinton kritisierte solche Enthüllungen scharf. Es sei strengstens zu verurteilen, wenn dadurch das Leben von Soldaten und Zivilisten aus den USA und seinen Partnerländern gefährdet werde, sagte Clinton in Washington.

 Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) forderte die USA auf, die Übergriffe in irakischen Gefängnissen zu untersuchen. Washington müsse aufklären, "was US-Verantwortliche über Folter und Misshandlung von Gefangenen in irakischen Haftanstalten wussten", erklärte die Generalsekretärin von ai in Deutschland, Monika Lüke, in Berlin. Ihre Organisation habe die jetzt veröffentlichten Dokumente noch nicht prüfen können, "auf den ersten Blick" bestätigten sie aber, dass die USA bei der Übergabe tausender Gefangener an die irakischen Behörden gegen internationales Recht verstoßen hätten. Die Dokumente lieferten "weitere Beweise dafür, dass den US-Behörden die über Jahre andauernden systematischen Menschenrechtsverletzungen" bekannt gewesen seien.  

Laut Spiegel Online erklärte die US-Regierung auf Anfrage, die knapp 400.000 Dokumente seien "im Prinzip Momentaufnahmen, die mal tragisch und mal belanglos sein können, aber kein Gesamtbild ergeben". Sie lieferten "kein neues Verständnis der Geschehnisse im Irak".

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

142 Kommentare Seite 1 von 16 Kommentieren

Wen wundert's?

"...erklärte die US-Regierung auf Anfrage, die knapp 400.000 Dokumente seien "im Prinzip Momentaufnahmen, die mal tragisch und mal belanglos sein können, aber kein Gesamtbild ergeben".
Da fällt mir ein, was Stalin mal gesagt haben soll: "Ein einzelner Toter ist eine Tragödie, eine Million Tote ist eine statistische Zahl".

Die Wahrheit drängt ans Licht

Ob es nun Wikileaks ist oder eine andere Plattform - diese Dokumente zeigen alarmierende Anzeichen für heimlich agierende Machtgruppen, die die Welt zu gerne unter sich aufgeteilt hätten. Es zeigen sich jetzt auch die Grenzen menschlicher Macht und jede Veröffentlichung macht weitere Selbstherrlichkeiten schwieriger.
Der drohende Untergang gehört zum Geschäft derer denen die Interessen von wirklichen Mehrheiten nur im Wege stehen und denen es inzwischen immer schwerer gelingt, mit ihrer Medienüberlegenheit zu punkten.
Es ist an der Zeit, das wirklche Ausmass der Gefahr für die menschliche Existenz zu erkennen, die von den Usurpatoren in allen Lagern ausgeht.

Was soll es?

Wir unterhielten/unterhalten auf ähnliche "Arm's Length" Methode ähnliche (aber kleinere) Lager in Afrika Italien oder Griechenland, wo wir die Piraten oder Wirtschaftsflüchtlige aufbewahren lassen. Wir haben einen hier Geborenen und viele Weitere nicht-deutscher Herkunft in Guantanamo Jahre lang darben lassen, obwohl wir ihn hätten ausliefern lassen können. In Afghanistan sind die Gefängnisse auch nicht besser als im Irak und dort sind wir beteiligt. Was wollen wir uns da moralisch entrüsten?

109.000 tote Zivilisten sind schlimm. Es ist aber gemessen an der Zahl, die notwendig war in Deutschland damals den Diktator zu entfernen relativ wenige. Man kann sich fragen, ob es sinnvoll war Saddam auf diese Art zu entfernen. Dabei müssen wir uns aber im Klaren sein, dass unsere Regierung ähnlich wie in Jugoslawien auch dafür mit verantwortlich sind, dass diese Lösung gewählt wurde. Diesen Vorwurf werden wir auch im Iran begegnen, wo Siemens Anlagen die Aufbereitung des Urans zur Waffenfähigkeit ermöglichen, wenn man tatsächlich gegen Iran militärisch vorgehen sollte müssen.

Es fehlt an einer allgemeinen Durchsetzung eines internationalen Sicherheitssystems. Daran haben wir Mitschuld. Zumindest könnten wir seit Jahren an einer robusten Sicherheitsordnung mitarbeiten können, statt immer undurchsetzbare und somit utopische Forderungen zu stellen.

Klar wird da was pasieren…

…einfach medial umdrehen. Man muss da aus der Not eine Tugend machen und nur dem Volk begreiflich machen was echte und handfeste Werte sind. Letztlich ist es auch egal ob der Terror hausgemacht ist oder importiert. Bekanntlich heiligt der Zweck die Mittel. Die USA brauchen Krieg, sonst wäre das Selbstwertgefühl sowie die Position als Weltpolizist gefährdet. Aus Sicht der Macht kommt es dabei auch nicht wirklich auf Menschenleben an, sowas ist was für Gefühlsdusel.

Jetzt stellen sie sich vor, aus dieser unvermeidlichen Pleite um WikiLeaks dreht die Armee fix ein ganz anderes Format … zur Unterhaltung der Massen, so eine Art „Realityshow“ …

US Army sucht den Shooting Star
http://qpress.de/2010/10/...„shooting-star“/

•Ende Zynismus• Ok, ich gebs zu, mir ist auch mehr nach Übergeben, losschreien und draufschlagen bei dem Thema, aber wirklich Lust auf Gewalt hab ich auch nicht, wie generell die meisten Menschen. Vermutlich müssen wir zunächst unsere eigene Regierung solange abwählen, bis wir eine haben die diese Kriecherei gegenüber den USA nicht mehr mitmacht und auch andere Staaten müssten sich bei dem sinnlosen Gemetzel widersetzen. Und schon sind wir wieder im Bereich der Politik, wo man auch das eigene Volk opfern kann, wenn es für die Ziele passend ist. Bedauerlicherweise verfahren die Mächtigen seit jeher so mit ihren Völkern, völlig unabhängig davon ob wir es gerade mit Despoten oder vorgeblichen Demokraten zu tun haben … schade.