Es ist ein unausgewogenes System: Werbung im Internet ist die einzige, die nicht besteuert wird. Dem will Frankreich nun als erstes europäisches Land mit der sogenannten Google-Steuer entgegenwirken. Ab 2011 sollen Unternehmen, die ihren Sitz in Frankreich haben, auf ihre Online-Werbeausgaben eine Sonderabgabe zahlen. Der Steuersatz beträgt ein Prozent und werde auf den Nettobetrag fällig, hieß es in einem vom französischen Senat beschlossenen Gesetzestext. 

Die Abgabe wird Google-Steuer genannt, da sie ursprünglich direkt den Suchmaschinen-Riesen und seine Wettbewerber treffen sollte. Google ist die Nummer eins im Geschäft mit Internetwerbung. Da Werbeplattformen wie Google ihren Sitz außerhalb Frankreichs hätten, könnten diese nicht belangt werden, argumentierte der zuständige Senator Philippe Marini. Alternativen zur Besteuerung der Werbetreibenden wurden ausgeschlossen. 

Frankreich - Gero von Randow: Der Unsinn der Google-Steuer Was liegt an? In Frankreich wird über die Einführung einer Google-Steuer diskutiert um Online-Journalismus subventionieren zu können. (April 2010)

Die neue Steuer soll dem französischen Staat im Jahr zwischen 10 und 20 Millionen Euro bringen. Zum Vergleich: Derzeit belaufen sich allein die Abgaben auf Fernsehwerbung auf rund 70 Millionen Euro.

Bereits Anfang des Jahres hatte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy eine Sonderabgabe für Google sowie für dessen Konkurrenten gefordert. "Diese Unternehmen werden dort besteuert, wo sie ihren Sitz haben, dabei schöpfen sie einen Teil unseres Werbemarktes ab", sagte er. Sarkozy plädierte zudem dafür, die Wettbewerbshüter einzuschalten, um die dominante Stellung des US-Konzerns Google auf dem Online-Werbemarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission lehnte dies aber ab.

Da der neue Gesetzesartikel noch nicht in der Nationalversammlung beraten wurde, muss er noch einen Vermittlungsausschuss der beiden Parlamentskammern passieren. Dass er gekippt wird, gilt als unwahrscheinlich.