Studie Auf der Suche nach den Verbreitungswegen der Kinderpornografie

Der Kampf gegen Vergewaltigungsbilder im Netz basiert auf falschen Annahmen. Forscher raten der Politik, sich nicht auf das WWW zu beschränken.

Plakat und USB-Stick des Bündnisses White IT, das die Verbreitung von Kinderpornos untersucht und bekämpft

Plakat und USB-Stick des Bündnisses White IT, das die Verbreitung von Kinderpornos untersucht und bekämpft

Vor zwei Jahren hat die Bundesregierung den Kampf gegen Kinderpornografie ausgerufen. Nun macht sich mit dem Bündnis White IT jemand auf, die Ursachen zu erforschen und praktikable Lösungen zu überlegen. Erste Ergebnisse zeigen: Fast nichts ist so, wie es die Politik bislang vermutete.

"Bisher gibt es fast keine Grundlagenforschung zu diesem Thema", sagte der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann auf dem White-IT-Kongress in Hannover. "So war ich mir fast sicher, dass Geld eine wesentliche Rolle bei der Verbreitung von Kinderpornografie spielt." Auch die damalige Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen sprach oft vom "Milliardenmarkt Kinderpornografie", wenn sie für Internetsperren warb. Mit diesem sogenannten Zugangserschwerungsgesetz wollte sie den mafiösen Strukturen den Geldhahn abdrehen.

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Doch wirklich überprüft, ob es diese gibt und wie überhaupt die Vergewaltigungsbilder verbreitet werden, hatte bislang niemand. Auch wenn es Indizien gab, dass die Annahmen der Politik falsch sind. Nun sucht das von Schünemann initiierte Bündnis White IT nach Belegen.

Mitarbeiter des Kriminalwissenschaftlichen Instituts der Universität Hannover haben dazu Hunderte Justizakten aus dem Jahr 2008 durchgearbeitet. Sie wollten erstmals systematisch ergründen, wie die Missbrauchsbilder in Deutschland verbreitet werden, welches Material im Umlauf ist und wer Anbieter und Abnehmer sind. Bisher gab es hierzu keine gesicherten Erkenntnisse – die Justiz urteilt die Täter ab und verliert sie dann aus den Augen.

Die Wissenschaftler analysierten sämtliche Fälle der Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft in Hannover, ein Drittel der Akten des Jahres 2008 haben sie inzwischen ausgewertet. Die Zahl der Stichprobe ist klein, aber die Trends sind eindeutig: So war in nur 10 von 81 Fällen Geld im Spiel. Meistens fanden die Ermittler keine Belege dafür, dass die Beschuldigten für die Missbrauchsdokumente bezahlt hatten. "Es gibt zwar Anbieter und Abnehmer, in der großen Masse der Fälle wird das Material jedoch getauscht", sagte Professor Bernd-Dieter Meier, der die Studie verantwortet.

Marco Herb vom Bundeskriminalamt widersprach der Aussage, dass der kommerzielle Aspekt bei Kinderpornografie nur eine geringe Rolle spielt: "Wir gehen nach wie vor davon aus, dass es einen Milliardenmarkt gibt." So habe man in einzelnen Fällen Millionenzahlungen an Anbieter kommerzieller Kinderpornografie festgestellt. Eine Statistik oder eine systematische Untersuchung konnte er aber nicht vorlegen.

Wie wird das Material verbreitet? Meist wurden die Konsumenten in Internet-Tauschbörsen fündig: in 33 Fällen wurde das Material über Peer-to-Peer-Netzwerke übermittelt. Das World Wide Web steht mit 18 Fällen an zweiter Stelle. Danach kommen E-Mails mit 16 Fällen, in sechs Verfahren hatten die Beschuldigten die Dateien per Handy über MMS verschickt.

Der politische Streit über das Löschen oder Sperren von Websites deckt also nur einen Bruchteil der Fälle ab.

Leser-Kommentare
  1. ...doch leider wird der nicht netzaffine Leser das nicht zu sehen bekommen, zumindestens derzeit.

    Denn wieder einmal ist ein sachlichr Artikel zum Thema nur in ZEITONLINE, in der gedruckten Ausgabe werde ich ihn vergeblich suchen.

    In die Druckausgabe schaffen es aber regelmäßig Artikel wie diese:
    http://www.zeit.de/2010/4...

    Seufz....

  2. Ach nein! Die Verbreitung von Kinderpornografie verläuft gar nicht so, wie von der Leyen und andere Chefideologen uns glauen machen wollen? Ist ja hochinteressant! Als
    der ehemalige Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss genau dies nachweisen konnte, wurde ihm dieses Frühjahr eine Art Hexenprozess gemacht. Hoffentlich finden sich die Leute von WhiteIT nicht auch bald hinter Gittern wieder, Seite and Seite mit Kinderschändern, weil Sie es gewagt haben, der konservativen Attrappen-Politik/Politik-Attrappe zu widersprechen.

  3. ... daran musste ich auch sofort denken. Wirkt nun im Nachhinein wie Rufmord. Zwar weiß ich nicht, inwiefern Tauss Intentionen tatsächlich waren, aber das erfährt nun niemand mehr. Das weiß nur er selbst.

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    • Timo K
    • 25.11.2010 um 14:09 Uhr

    kann, liegt der Schluss nahe, das er nicht gelogen hat.

    Zumindest für mich ist eine Sammlung von 200 Bildern als ziemlich lächerlich zu betrachten.
    Und stützt schon allein Anhand der Menge eher die These, da wollte wirklich nur jemand recherchieren.
    Um das mal auf Pornografie zu übertragen, 200 Bilder findet man in einem einzigen Tittenmagazin für 1,50.
    Ich glaube um pädophile Gelüste zu stillen ist das reichlich wenig.

    • Timo K
    • 25.11.2010 um 14:09 Uhr

    kann, liegt der Schluss nahe, das er nicht gelogen hat.

    Zumindest für mich ist eine Sammlung von 200 Bildern als ziemlich lächerlich zu betrachten.
    Und stützt schon allein Anhand der Menge eher die These, da wollte wirklich nur jemand recherchieren.
    Um das mal auf Pornografie zu übertragen, 200 Bilder findet man in einem einzigen Tittenmagazin für 1,50.
    Ich glaube um pädophile Gelüste zu stillen ist das reichlich wenig.

    • Timo K
    • 25.11.2010 um 13:50 Uhr
    5. Schade

    Ich vermisse doch einige Aspekte in dem Artikel.

    Warum stellt man der Behauptung KP sei ein Milliardenmarkt nicht die Umsätze der Pornografie gegenüber? Die packt laut The Economist 20 Milliarden Dollar jährlich.

    Wo bleibt der Hinweis darauf, wessen Argumentation es nützt, wenn man nach den Honeypotaktionen auf Zehntausende von Verdächtigen, aber keinerlei Verurteilte verweist?

    Oder mal eine genauere Betrachtung wie diese Honeypots ausschauen.
    Ich erinnere mich da an einen, der sich max3d nannte.
    Da vielen dann wohl viele User drauf rein, was vor allem daran liegen dürfte, das es eine populäre 3D Grafiksoftware gibt, welche 3DStudioMax heißt.
    Einmal googlen nach max3d hätte da bestimmt abhilfe geschaffen.
    http://www.lawblog.de/ind...

    Ich glaube so werden unnütz Ressourcen gebunden, die anders in der Ermittlung gegen KP wesentlich besser aufgehoben wären.

    Wo bleibt die Information darüber, wie viele Beamte das BKA überhaupt nutzt um Webseiten aus dem Netz entfernen zu lassen? " Laut dem Innenministerium gibt es dort derzeit nur 6,3 "Vollzeitäquivalente" für den "Löschschwerpunkt"
    http://www.heise.de/tp/r4...

    Zum Bild des Konsumenten von KP braucht man ja nur an den Fall des Lehrersohnes Marc Dutroux erinnern.

    Eine Leser-Empfehlung
  4. Na ja - grosser Grund zur Freude ist dieser Artikel nicht. KiPo ist ein Problem. Die Verbreitung findet statt. Und ob Geld oder Lust der Motivator sind... Hätte, könnte, sollte - und alles Weitere muss man untersuchen.

    Die gute Nachricht: man arbeitet an der Untersuchung.

    Unstreitig ist jedoch der Verdacht der Internet Gemeinde, dass mit der KiPo Hexenjagd im Web Zensurtechniken etabliert werden sollten. Ach wie wäre das schön, wenn man Stoppt-Castor.de, wir-gegen-Vorratsspeicherung.de oder Kopfbahnhof21.de in Zukunft sperren dürfte. Und falls es jemand merkt: Ups - ein Versehen. Da aber keine Stelle vorgesehen war, die Sperrungen offenliegt und keine Beschwerdemöglichkeit - bliebe den Betroffenen nur der Rechtsweg. Und bis dahin ist sowohl der Castor am Ziel - ja sogar Stuttgart 21 gebaut....

    Überwachung. Vorratsdatenspeicherung. Swift. Zensur. Bundestrojaner. Soldaten gegen Bürger. Einschränkung der Pressefreiheit. Verdachtsunabhängige erkennungsdienstliche Behandlung von Bürgern. Polizeigewalt auf Demos... Plus haufenweise Gesetze, die vom Bundesverfassungsgericht nach jahrelangem Prozess gekippt werden - so langsam muss jedem halbwegs denkendem Demokraten hier unheimlich werden, wie die Rechte des Bürgers beschränkt werden sollen. Und die Täterschaft der antidemokratischen Versuche geht quer durch alle Parteien....

    Ich wäre ja schon hellauf begeistert, wenn sich nur eine Partei zum Grundgesetz bekennen - und ihr Handeln darauf abstellen würde.

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    • clubby
    • 25.11.2010 um 16:30 Uhr

    Unser Staat lebt und funktioniert nur mit einer funktionierenden 4.Gewalt. LEider lassen sich MEdine immer wieder vie zu schnell instrumentalisieren , wenn es um das Beschneiden unserer Bürgerrechte geht.

    Die Aufruhr und Panik als die Diskussion um KiPo aus der Politik heraus angestossen wurde und politisch ausgeschlachtet wurde, ist allen , auch den IT unkundigsten , noch im Gedächtnis...:"Böses Internet...MUß man kontrollieren...ist nicht gut...ist ja alles möglich...unsere armen Kinder...." wer wollte da widersprechen , um nicht Gefahr zu laufen in die gleiche Ecke gestellt zu werden?

    DAS ist bei allen hängengeblieben, DAS glauben alle, DA ist breite Zustimmung.

    Dieser kleine Artikel, der die Fakten richtig stellt und relativiert...den wird nur ein ausgesuchter Teil lesen.

    Das Internet also in Verruf zu brigen, und taatliche Willkür in Zukunft zu legitimieren, damit Protest gegen den Staat im Internet keine Platform hat, ist voll gelungen....die 4.Gewalt...sah relativ tatenlos zu und förderte es sogar.

    • clubby
    • 25.11.2010 um 16:30 Uhr

    Unser Staat lebt und funktioniert nur mit einer funktionierenden 4.Gewalt. LEider lassen sich MEdine immer wieder vie zu schnell instrumentalisieren , wenn es um das Beschneiden unserer Bürgerrechte geht.

    Die Aufruhr und Panik als die Diskussion um KiPo aus der Politik heraus angestossen wurde und politisch ausgeschlachtet wurde, ist allen , auch den IT unkundigsten , noch im Gedächtnis...:"Böses Internet...MUß man kontrollieren...ist nicht gut...ist ja alles möglich...unsere armen Kinder...." wer wollte da widersprechen , um nicht Gefahr zu laufen in die gleiche Ecke gestellt zu werden?

    DAS ist bei allen hängengeblieben, DAS glauben alle, DA ist breite Zustimmung.

    Dieser kleine Artikel, der die Fakten richtig stellt und relativiert...den wird nur ein ausgesuchter Teil lesen.

    Das Internet also in Verruf zu brigen, und taatliche Willkür in Zukunft zu legitimieren, damit Protest gegen den Staat im Internet keine Platform hat, ist voll gelungen....die 4.Gewalt...sah relativ tatenlos zu und förderte es sogar.

    • Timo K
    • 25.11.2010 um 14:09 Uhr

    kann, liegt der Schluss nahe, das er nicht gelogen hat.

    Zumindest für mich ist eine Sammlung von 200 Bildern als ziemlich lächerlich zu betrachten.
    Und stützt schon allein Anhand der Menge eher die These, da wollte wirklich nur jemand recherchieren.
    Um das mal auf Pornografie zu übertragen, 200 Bilder findet man in einem einzigen Tittenmagazin für 1,50.
    Ich glaube um pädophile Gelüste zu stillen ist das reichlich wenig.

    Antwort auf "Ja richtig..."
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    aber dennoch reine Spekulation.

    Der Fall hätte niemals öffentlich werden dürfen. Dann hätte eine Chance bestanden, die tatsächliche Wahrheit zu Tage zu fördern. Das ist aber jetzt vorbei.

    aber dennoch reine Spekulation.

    Der Fall hätte niemals öffentlich werden dürfen. Dann hätte eine Chance bestanden, die tatsächliche Wahrheit zu Tage zu fördern. Das ist aber jetzt vorbei.

  5. Das weiß man doch alles schon seit langen, allerdings weder von der Politik noch durch die Presse. Es waren Weblogs, die über die Realität berichteten und die die offensichtlichen Lügen einer Ministerin bloßstellten.

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