Der größte US-Kabelnetzbetreiber Comcast fordert von einem der größten Backbone-Provider, Level 3, weltweit Geld dafür, dass der seine Daten durch das Kabelnetz zu den Kunden weiterleiten kann.

Große Provider schalten im Rahmen sogenannter Peeringabkommen ihre Netze zusammen, ohne sich dafür gegenseitig Gebühren in Rechnung zu stellen. Nur so ist es möglich, dass Kunden eines Providers auf Inhalte, die bei einem anderen Anbieter gehostet werden, zugreifen können. Die Kosten tragen letztendlich die Endkunden, die für ihre Gebühren einen Zugang zum gesamten Internet erhalten.

Der Backbone-Provider Level 3 wirft Comcast nun vor, an beiden Enden kassieren und damit das Prinzip der Netzneutralität aushebeln zu wollen. Er errichte eine "Zollschranke" vor dem Comcast-Netz, so Level 3. Das aber sieht Comcast anders und wirft Level 3 im Gegenzug vor, die Situation falsch darzustellen. Es gehe nicht um eine Frage der Netzneutralität, sondern darum, dass Level 3 für sein Content-Delivery-Network (CDN) Sonderkonditionen verlange. Man verfahre dabei nicht anders als Level 3 selbst, so Comcast.

"Wir hoffen, dass Comcasts Topmanagement, vor dem wir großen Respekt haben, die eigene Position in dieser Angelegenheit nochmals gründlich überdenkt und einen Ansatz findet, der für Comcast und seine Kunden besser ist", kommentiert Thomas Stortz, Justiziar von Level 3, den Streit mit Comcast. 
Nach Angaben von Comcast leitet Level 3 deutlich mehr Daten in das Netz von Comcast als umgekehrt. Außerdem verlange Level 3 von Comcast, noch viel mehr Traffic einspeisen zu können als bisher.

Das verwundert nicht. Comcast hat vor allem 16,7 Millionen Endkunden, die über den Betreiber im Internet surfen. Level 3 dagegen betreibt einen Backbone, ein Rechenzentrum und ein CDN und zählt vor allem Internetanbieter zu seinen Kunden. Die wollen Inhalte an Endkunden ausliefern und verursachen sehr viel größere Datenaufkommen als Privathaushalte. Noch dazu da einer dieser Kunden Netflix ist, ein Anbieter von Videodownloads.

Nach Angaben von Comcast will Level 3 fünfmal mehr Traffic in Comcasts Netz leiten als umgekehrt. Diese Menge sei nicht durch ein kostenloses Peering gedeckt. Man habe nichts dagegen, auch weiterhin einen kostenlosen und ausgewogenen Trafficaustausch mit Level 3 zu unterhalten.

Dabei folgt Comcast einer Argumentation, die Level 3 gegenüber kleineren Providern selbst anführt. Denn sogenanntes Paid-Peering ist nichts Ungewöhnliches unter verschieden großen Betreibern.