Religion im Netz: Google als modernes Sprachrohr Gottes
Jeder vierte Nutzer besucht das Netz aus spirituellen Gründen, das ist rekordverdächtig. Unklar ist, wie sich das auf die Religion auswirkt.
© Dan Kitwood/Getty Images

Die Online-Redakteurin der Westminster Abbey in London twittert aus der Kirche
Jetzt wird Google wohl auch zum Hüter der judäo-christlichen Tradition: das Unternehmen wird die Qumran-Rollen digitalisieren. Die Reproduktion dieser ältesten erhaltenen Bibelmanuskripte ist nur das augenscheinlichste Beispiel für eine Entwicklung, die das religiöse Leben der Zukunft prägen könnte. Ob ägyptisches Totenbuch, Veden , Pali Kanon oder jüngere Texte wie das Neue Testament und der Koran – immer mehr religiöse Schriften lassen sich im Netz studieren.
Rund ein Viertel aller Internetnutzer besucht das Netz regelmäßig zu spirituellen Zwecken. Das sind mehr als sich zu Partnervermittlung, Banking, Glücksspiel und sogar Online-Auktionen einloggen. Die meisten davon informieren sich dort über religiöse Themen. Unklar ist, wie sich das auf die Religion selbst auswirken wird.
Auch Online-Rituale sind bislang zwar noch ein Randphänomen, nehmen aber ebenfalls an Bedeutung zu. Vor allem neu-heidnische Kulte wie das jüngst in Großbritannien als Religion anerkannte Druidentum sind vertreten, aber auch der Rosenkranz. Eine Website bietet die Möglichkeit, über das Netz einen "Tzetel" in der Jerusalemer Klagemauer zu platzieren. Und im Online-Hindutempel Saranam kann man Rituale per Kreditkarte ordern. Ende September richtete der Vatikan gar ein Amt zur Internet-Mission ein: "Ubicumque et semper" lautet der vielsagende Titel des diesbezüglichen apostolischen Schreibens . "Überall und Immer".
Die Möglichkeiten des Internets wurden oft mit denjenigen der Druckerpresse im 15. Jahrhundert verglichen. Damals veränderte das Medium die Art, wie über Religion nachgedacht wurde. Durch die massenhafte Verbreitung der Bibel als Buch in der Volkssprache gewann der Einzelne Macht über die Interpretation des Textes. Der Klerus verlor an Einfluss und die Reformation wurde eingeleitet. Auch wenn das jetzt eine stark verkürzte Zusammenfassung ist – steht heute eine ähnlich tiefgreifende Entwicklung bevor?
Laut dem protestantischen Theologen Bernd-Michael Haese ist das zumindest teilweise so. Für ihn markiert insbesondere die "gesteigerte Pluralität" im Netz einen Epochenwandel. Im Internet werde man wesentlich leichter mit anderen Kulturen konfrontiert. Daher sei es "der prädestinierte Ort" des interreligiösen Dialoges. Sorgen macht er sich lediglich um das Niveau. Es drohe "ein Substanzverlust". Nötig sei "eine integrative Moderation der im Netz wild wuchernden religiösen Kommunikation" – professionelle Theologen sollten interessierten Laien "klärend und moderierend zur Seite stehen".
Tatsächlich überblickt offiziell keine Institution das religiöse Leben im Netz, nicht einmal Verlage. Es fehlt auch der informelle soziale Druck, der für Religionen immer wichtig war. Das krude esoterische Patchwork, das im Internet so populär ist, würde den Selektionsmechanismen der Offline-Öffentlichkeit nicht standhalten können.
Deshalb droht allerdings nicht zwangsläufig der Substanzverlust. Die neue Situation bringt nicht nur religiöse Freiheit, sondern vor allem auch die ungeheuer effektiven Instrumente elektronischer Lektüre.







Zweifellos wird die religiöse Kommunikation im Internet von den kirchlichen Institutionen bisher noch unterschätzt. Aber diese virtuelle Kommunikation lebt nicht zuletzt von ihrem Laiencharakter, von Individuen, die sich beteiligen und nicht als Vertreter einer Institution auftreten. Wo religiöse Gemeinschaften sich als Institutionen beteiligen, erreichen sie häufig höchstens ihre Kernmitglieder und darüber hinaus wird der Auftritt als institutionelle Eigenwerbung wahrgenommen.
Die Kirchen sind auf einzelne engagierte Mitglieder angewiesen, die sich an dieser religiösen Kommunikation beteiligen und könnten als Institutionen diese ermutigen und unterstützen. Damit könnten sie mehr zur Qualität und zur Wirksamkeit religiöser Kommunikation im Internet beitragen als durch eigene institutionelle Beiträge. Letztlich ist das eine Form, die besonders protestantischen Grundanliegen entgegenkommt.
Also: mehr bloggende Pfarrerinnen und Pfarrer und engagierte und interessierte Kirchenmitglieder und die Institution als Plattform, die diese Beiträge und Angebote bekannt macht und vernetzt und mehr kirchliches Engagement im Bereich aktiver Medienkritik im Internet, die hochwertige Angebote bekannt macht und auf problematische hinweist.
Ich kann Ihnen nur zustimmen. Als einer, der selber oft im Netz unterwegs ist auf der Suche nach religiöser Information, fällt mir auf, dass nur wenige Theologen aus dem deutschsprachigen Raum mit Beiträgen oder gar eigenen Websites vertreten sind.
Im angelsächsischen Raum ist das erfrischend anders. Da trauen sich die Herren und Damen Professoren mit ihren Publikationen und Beiträgen auch in die Öffentlichkeit des Web. Bei uns verstecken sie sich lieber in ihren Seminaren und hinter ihren Kathedern und publizieren in Fachverlagen und Zeitschriften für ein sorgsam selektiertes Publikum.
Ein wenig scheint mir da auch akademischer Dünkel dahinter zu stecken. Man möchte doch Perlen nicht vor die Säue (Entschuldigung!) werfen.
... habe ich in dieser Liste begonnen zusammenzutragen:
http://bit.ly/9QJZ70
Ich kann Ihnen nur zustimmen. Als einer, der selber oft im Netz unterwegs ist auf der Suche nach religiöser Information, fällt mir auf, dass nur wenige Theologen aus dem deutschsprachigen Raum mit Beiträgen oder gar eigenen Websites vertreten sind.
Im angelsächsischen Raum ist das erfrischend anders. Da trauen sich die Herren und Damen Professoren mit ihren Publikationen und Beiträgen auch in die Öffentlichkeit des Web. Bei uns verstecken sie sich lieber in ihren Seminaren und hinter ihren Kathedern und publizieren in Fachverlagen und Zeitschriften für ein sorgsam selektiertes Publikum.
Ein wenig scheint mir da auch akademischer Dünkel dahinter zu stecken. Man möchte doch Perlen nicht vor die Säue (Entschuldigung!) werfen.
... habe ich in dieser Liste begonnen zusammenzutragen:
http://bit.ly/9QJZ70
Die Bedeutung zum Beispiel des Wortes Gnade lässt sich jetzt genau überprüfen. Die Suchfunktion gibt alle Textstellen aus, in denen es um Gnade geht.
Was also die Analyse bestimmter Axiome anbelangt, die in den unterschiedlichen christlichen Glaubensrichtungen eine unterschiedliche Wertigkeit haben, so lässt sich jetzt Klarheit erreichen. Entsprechend können Gläubige entscheiden, welche Variante des christlichen Glaubens (katholische, evangelisch oder die reformierte / calvinistische Variante) ihren Ansprüchen eher entspricht.
Wenn also jeder 4. aus Glaubensgründen ins Netz geht, dann kann sich zeitlich versetzt eine Aus- und Eintrittswelle ergeben. Das dürfte klar sein.
Ich kann Ihnen nur zustimmen. Als einer, der selber oft im Netz unterwegs ist auf der Suche nach religiöser Information, fällt mir auf, dass nur wenige Theologen aus dem deutschsprachigen Raum mit Beiträgen oder gar eigenen Websites vertreten sind.
Im angelsächsischen Raum ist das erfrischend anders. Da trauen sich die Herren und Damen Professoren mit ihren Publikationen und Beiträgen auch in die Öffentlichkeit des Web. Bei uns verstecken sie sich lieber in ihren Seminaren und hinter ihren Kathedern und publizieren in Fachverlagen und Zeitschriften für ein sorgsam selektiertes Publikum.
Ein wenig scheint mir da auch akademischer Dünkel dahinter zu stecken. Man möchte doch Perlen nicht vor die Säue (Entschuldigung!) werfen.
@aram62
Da kann ich nur zustimmen.Die deutschsprachige akademische Theologie ist in diesem Bereich sehr zurückhaltend - ob aus Dünkel oder aus welchen Gründen auch immer, sei dahingestellt. Aber es gibt auch Ausnahmen. Interessant ist z.B. Theologie im Dialog http://www.chronologs.de/.... Mehr auf die Gemeindepraxis ausgerichtet, aber lesenswert ist auch der Blog von Wolfgang Vögele http://wolfgangvoegele.wo....
Als Gemeindepfarrer habe ich selbst auf http://atemhaus.wordpress... und http://theoliteratur.word... Blogversuche unternommen. Was fehlt ist aber neben mehr Präsenz in diesem Bereich auch eine stärkere Vernetzung.
@aram62
Da kann ich nur zustimmen.Die deutschsprachige akademische Theologie ist in diesem Bereich sehr zurückhaltend - ob aus Dünkel oder aus welchen Gründen auch immer, sei dahingestellt. Aber es gibt auch Ausnahmen. Interessant ist z.B. Theologie im Dialog http://www.chronologs.de/.... Mehr auf die Gemeindepraxis ausgerichtet, aber lesenswert ist auch der Blog von Wolfgang Vögele http://wolfgangvoegele.wo....
Als Gemeindepfarrer habe ich selbst auf http://atemhaus.wordpress... und http://theoliteratur.word... Blogversuche unternommen. Was fehlt ist aber neben mehr Präsenz in diesem Bereich auch eine stärkere Vernetzung.
Der Artikel ist nun wirklich etwas oberflächlich. Interessant wäre es gewesen, sich mit einigen religiös orientierten Onlineangeboten auch wirklich zu beschäftigen, statt eine zufällige Aneinandereihung irgendwelcher religiöser Seiten zu bieten.
Ein kurzer Blick auf die orthodox-anarchistische katholische Bloggerszene in Deutschland könnte hier z. B. ein guter Anfang sein:
http://elsalaska.twoday.net/
http://www.catholicism-wo...
http://blog.derherralipiu...
Ich wag mal zu bezweifeln das jeder vierte der ins Inet geht, das aus religiösen Motiven macht. Wie ist man auf die Zahl gekommen?!?
Ich arbeite in der IT und kenne/sehe wie die Leute surfen. Und das ist in den meisten Fällen wahrlich nicht religiös.
Meiner Meiung nach stimmt die Zahl zumindest nicht hier in Deutschland. Wäre schön zu wissen wie diese Zahlen erhoben wurden...
Ist Johannes Thumfarth Ihr Mitarbeiter? Kann man ihn telefonisch bei Ihnen erreichen?
Laut google ist er user der community.
@hermse Zustimmung:Wünsche statt Fakten, total tendentiös und unseriös!!!
Ist Johannes Thumfarth Ihr Mitarbeiter? Kann man ihn telefonisch bei Ihnen erreichen?
Laut google ist er user der community.
@hermse Zustimmung:Wünsche statt Fakten, total tendentiös und unseriös!!!
@aram62
Da kann ich nur zustimmen.Die deutschsprachige akademische Theologie ist in diesem Bereich sehr zurückhaltend - ob aus Dünkel oder aus welchen Gründen auch immer, sei dahingestellt. Aber es gibt auch Ausnahmen. Interessant ist z.B. Theologie im Dialog http://www.chronologs.de/.... Mehr auf die Gemeindepraxis ausgerichtet, aber lesenswert ist auch der Blog von Wolfgang Vögele http://wolfgangvoegele.wo....
Als Gemeindepfarrer habe ich selbst auf http://atemhaus.wordpress... und http://theoliteratur.word... Blogversuche unternommen. Was fehlt ist aber neben mehr Präsenz in diesem Bereich auch eine stärkere Vernetzung.
Wer den Link zum Neuen Testament im Artikel anklickt, wird zu einer Ausgabe des Neuen Testaments in der Elberfelder Übersetzung geführt. Eine wesentlich grössere Auswahl an Übersetzungen bietet http://www.die-bibel.de/o....
"Im Internet werde man wesentlich leichter mit anderen Kulturen konfrontiert."
Wird man das?
Als Mensch, der Gott nicht aus der Position einer Religion betrachtet, sieht man das etwas anders. Man sieht andere Kulturen nicht als Konfrontation, auch das Christentum nicht aus der Sicht einer einzelnen Konfession oder Sekte. Verlockende Angebote auf der einen wie auf der anderen Seite. Es wäre schade, nur noch einer Seite zuzuhören, denn alle Fragen kann ein einzelner kaum beantworten.
Bis 115 war Antiochia (Syria) immer noch Zentrum des jüdischen Lebens. Welche Personen waren es, die Simon Petrus (Keifas) ab 34 dort begeisterte? Mit wem gründete er die christliche Gemeinde?
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