Woher kommt dieser deutsche Wahnsinn also? Ich habe die Klage gehört, dass Google mit seinen Bemühungen, das Straßennetz zu kartieren und zu fotografieren, nur Geld verdienen will. Dabei fotografiert auch die deutsche Regierung das Land und verkauft die Daten. Telefonbuch.de von T-Mobile listet nicht nur Namen und Telefonnummern der Bürger auf, sondern es zeigt auch Luftaufnahmen ihrer Häuser und Höfe – aus vier verschiedenen Perspektiven. Sightwalk.de tut dasselbe wie Google Street View. Wer protestiert dagegen? Liegt es daran, dass Google ein amerikanisches Unternehmen ist? Ich hoffe nicht.

Liegt es daran, dass Google ein Technologie-Unternehmen ist? Wenn, dann läge darin eine weitere Gefahr: Wenn ein Land auf diese Weise reagiert, dass neue Technologien Veränderungen mit sich bringen, dann könnten Technologen lieber anderswo arbeiten wollen.

Deutschlands oberster Privatsphäreschützer hat zum Beispiel schon verfügt, dass es tabu ist, Geotechnologie und Gesichtserkennung zu kombinieren – bevor das überhaupt getan wird. Aber womöglich können solche Technologien genutzt werden, um nach Katastrophen wie Katrina oder dem Erdbeben in Haiti Menschen wieder zu finden. Wie kann ein Politiker so voreilig verfügen, wie neue Technologien nicht genutzt werden dürfen?

Handelt es sich dabei vielleicht nur um einen harmlosen Trend, um eine Fiktion? Geschaffen von Medien, die Google verachten, und von Politikern, die eine Gelegenheit wittern, Aufmerksamkeit zu bekommen? Angesichts der Tatsache, dass Googles Marktanteil in Deutschland größer ist als in fast allen andern Ländern der Welt, halte ich das für möglich.

Ich bin offensichtlich nicht der Einzige, der sich über Pixelbomben wundert. Jens Best hat angekündigt, Fotos von den verpixelten Gebäuden zu machen und sie auf Google Street View zu verlinken. Ulrike Langer twitterte: "Seit heute machen wir uns in aller Welt lächerlich." Bei Twitter tauschen sich Leute bereits unter einem eigenen Hashtag über das Thema aus: #blurmany. Aber selbst wenn das Verpixelungsrecht vor allem eine Torheit der Politiker und Medien ist, an der Gefahr und dem Schaden ändert das nichts.

Es geht um die Frage, was öffentlich ist. Es geht um den Wert der Öffentlichkeit und darum, was der Öffentlichkeit gehört. Deshalb schreibe ich ein Buch darüber, wie man die Öffentlichkeit vor solchen Angriffen schützt. Es soll den Titel Public Parts in the U.S. – and das Deutsche Paradoxon tragen. Denn Transparenz ist unser wertvollstes demokratisches Werkzeug.

Ich schreibe das als Freund Deutschlands. Ich bitte Sie dringend, über die Folgen nachzudenken, über den Präzedenzfall und darüber, was Sie ihrer eigenen digitalen Welt und der Gesellschaft, die wir hier aufbauen, angetan haben – ihrem Deutschnet.

Update: Der Blogger und Autor Rainer Meyer alias Don Alphonso hat in der FAZ auf diesen Text mit einer Polemik geantwortet.