"Keine Serie, ein Universum", ist der Slogan, mit dem der Südwestrundfunk ein erzählerisch ambitioniertes Projekt bewirbt. Denn nicht nur auf einem Kanal will der Sender seine Zuschauer erreichen, sondern gleich auf dreien.

Alpha 0.7spielt in Stuttgart im Jahr 2017 und ist erst einmal eine Fernsehserie von sechs Folgen à 25 Minuten. Gleichzeitig aber ist es auch eine ebenso lange Hörspielserie und eine ganze Sammlung von weiteren Radio und Internet-Formaten.

"Trimedial", "transmedial" und "360 Grad-Projekt" lauten beim Sender die Schlagworte für das Experiment.

"Alpha 0.7 ist ein Bekenntnis zur medialen Vielfalt von Radio, Fernsehen und Internet", sagt SWR-Fernsehfilmchef Carl Bergengruen, auf dessen Idee das Konzept basiert. Man verstehe die Geschichte auch, wenn man ihr nur in einem Medium folge. "Aber man hat mehr von ihr, wenn man sie in allen drei Medien verfolgt". Erst dann würden die verschiedene Stränge "zu einem Gesamtkosmos verschmelzen".

Die Fernsehserie – die erste Folge erscheint am Sonntag um 22.40 Uhr im SWR-Fernsehen – spielt im Vorfeld eines in Stuttgart anberaumten "Sicherheitsgipfels" der EU. Über die längst eingeführten Nacktscanner regt sich anno 2017 niemand mehr auf. Man ist längst weiter. Auf einer Pressekonferenz präsentiert das "Neurologische Pre-Crime-Center NPC" etwas, das künftig europaweit für noch mehr Sicherheit bürgen soll: Brainscanner. "Verbrechen verhindern, bevor sie geschehen", sei der Sinn der Sache, sagt Forscher Rösler.

Regt auch das niemanden auf? Doch, Mila und Andreas (Anna-Maria Mühe, Tobias Schenke), Aktivisten des Netzwerks "apollon", sorgen bei der Vorführung für einen kleinen Eklat. Ihr Ziel: "Nachrichten und Blogs" sollen berichten und die Bürger aufrütteln.

Solche Details sind besonders gelungen an der Serie von Sebastian Büttner, Oliver Hohengarten (Drehbuch) und Regisseur Marc Rensing: In dieser nahen Zukunft werden Nachrichten und Blogs in einem Atemzug genannt. Gymnasien heißen dann nicht mehr nur nach Goethe und Schiller, sondern auch nach Tim Berners-Lee, dem Begründer des Internets.

Doch gehören zu dieser strahlenden Zukunftsvision düstere Facetten wie die Omnipräsenz von Überwachungskameras und von RFID-Chips – zum Beispiel in der Kleidung, dank derer das Aufspüren Flüchtiger kein Problem mehr ist.