Der Untersuchungsausschuss im Bayerischen Landtag zum Milliarden-Debakel bei der BayernLB geht gerade seinem Ende entgegen. Im Januar soll er das Ergebnis seiner Arbeit präsentieren. Es wird ein dürrer Bericht – verglichen zu der Menge an Material, das der Ausschuss zusammengetragen hat. 300 Aktenordner mit oft vertraulichen Interna sind es insgesamt.

Dank des globalisierungskritischen Netzwerkes Attac konnte die Öffentlichkeit nun jedoch schon vorher einen ausgiebigen Einblick in die Vorgänge bei der Landesbank nehmen, die den Freistaat Milliarden gekostet hat – und damit auch dem Steuerzahler. Denn schon am 24. November stellte Attac eines der Gutachten ins Netz, das der Bayerische Landtag in Auftrag gegeben hatte: 857 von insgesamt 1300 Seiten warten seitdem auf den Servern Attacs auf Leser.

Das Material ist brisant. Das Gutachten der Kanzlei Flick/Gocke/Schaumburg stellt sowohl beim Vorstand als auch beim Verwaltungsrat Pflichtverletzungen fest. "Es sprechen gute Gründe dafür, dass das Handeln der Verwaltungsratsmitglieder grob fahrlässig war", steht darin. Alleine bei den von den Gutachtern untersuchten Geschäften sei ein Schaden von über 200 Millionen Euro entstanden. "Weitere erhebliche Verluste werden in der Zukunft tatsächlich realisiert werden."

Zwar waren die Schlussfolgerungen bereits in der Presse zu lesen, doch dank der Attac-Veröffentlichung kann sich die kritische Öffentlichkeit näher mit den Einzelheiten der Geschäfte und der politischen Verantwortung auseinandersetzen. Auch die Frage nach einer möglichen Verjährung der Vorkommnisse wird gestellt.

Während die Wikileaks-Veröffentlichungen in Deutschland an jedem Tag für Schlagzeilen sorgen, bekommt der Leck im nahen Bayern nur wenig Aufmerksamkeit: ein Bericht in der Münchner Abendzeitung, ein kurzer Artikel in der Main Post und eine Notiz in der Süddeutschen Zeitung – das war es schon.

Selbst die Androhung des Chefs der Parlamentarischen Kontrollkommission für die BayernLB, Ernst Weidenbusch, per Strafanzeige gegen Attac vorzugehen, sorgt nicht für Aufsehen. Auch auf Twitter, wo täglich Millionen Nachrichten zu Wikileaks ausgetauscht werden, bleibt es ruhig. Kaum jemand nimmt die Meldung wahr. Niemand bietet an, das Material von den Attac-Servern zu spiegeln.