NetzneutralitätUS-Regulierer machen Netzneutralität zum Gesetz

Die Regulierungsbehörde FCC will festlegen, dass im Netz niemand diskriminiert werden darf. Doch ist das nur ein Minimalkonsens, denn wer mehr zahlt, bekommt auch mehr. von 

Julius Genachowski, der Vorsitzende der amerikanischen Federal Communications Commission

Julius Genachowski, der Vorsitzende der amerikanischen Federal Communications Commission  |  © Alex Wong/Getty Images

Vor dem Provider sind alle Inhalte gleich – so lautet das Paradigma der Netzneutralität . Dieses bislang ungeschriebene Gesetz will die amerikanische Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) am Dienstag in Regeln festschreiben. Es wäre das erste Mal, dass aus der Idee von einem neutralen Netzes ein rechtlich durchsetzbarer Standard wird.

Der allerdings wird längst nicht so restriktiv ausfallen, wie es sich Bürgerrechtler, Verbraucherschützer und Aktivisten wünschen . Zwar wird damit das Recht der Verbraucher festgeschrieben, "gesetzmäßige Inhalte zu senden und zu empfangen". Doch ist schon diese Einschränkung auf legale Inhalte eine heikle Beschränkung, gelten doch in jedem Land andere Vorstellungen davon, was illegal ist oder was beispielsweise unter die Meinungsfreiheit fällt.

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Werden die Normen wie geplant verabschiedet, dürfen Netzbetreiber künftig auch niemanden benachteiligen, wenn es um die Durchleitung seiner Angebote geht. Bevorteilen allerdings dürfen sie durchaus.

Ein Anbieter wie Comcast, um einen prominenten Fall aus der Vergangenheit zu nennen , könnte dann bestraft werden, wenn er einen Konkurrenten wie den Videoanbieter Netflix blockiert oder bremst. Allerdings hat die FCC kein Problem damit, wenn Comcast anböte, die Inhalte von Netflix schneller durchzuleiten und dafür mehr Geld von Netflix kassierte.

Die deutsche Telekom plant ein solches Geschäftsmodell und nennt es " Qualitätsklassen ". Das bedeutet, es gibt für alle Anbieter und Nutzer ein Basisangebot, mit dem sich alle Dienste irgendwie nutzen lassen. Wer aber beispielsweise Videos schnell und ruckelfrei an seine Kunden senden will, muss extra zahlen, ebenso der Kunde, der sie zügig zu laden wünscht.

Aktivisten der Netzneutralität sehen darin eine Verletzung der Neutralität. Immerhin, so ihre Argumentation, ist die Bandbreite im Netz begrenzt . Wenn einer mehr kaufen kann, muss das zu Lasten des Basisangebots gehen. Außerdem fürchten sie, dass künftige Dienste nur noch in abgespeckter Version ohne Extrakosten zu haben sind.

Das Magazin Wired berichtete kürzlich über Pläne eines Anbieters, für unterschiedliche Dienste unterschiedliche Gebühren zu erheben. Demnach könnte ein Megabyte Facebook einen anderen Betrag kosten als ein Megabyte Skype. Nicht nur, dass dies ein Kontrollinstrument wäre, sondern um einen solches Angebot überhaupt machen zu können, muss der Datenverkehr der Nutzer auch inhaltlich überwacht werden. Auch davor warnen Bürgerrechtler.

Leserkommentare
  1. Das ist doch alles Spiegelfechterei.
    Sie haben so wenig unrecht wie 'MorgensternP'.
    Aber was da der Obermann erzählt und was auch so in dem Artikel durchkommt, ist ziemlicher Nonsens.
    Es kann ja nicht ein "Teil der Leitung" gedämpft werden.

    Entweder es gibt DSL 16000 oder DSL 2000. Das das einen Kostenunterschied machen kann, solange es um den Netzausbau geht, ist mal ganz selbstverständlich, so wie es 'MorgensternP' schreibt.

    Was soll das aber für ein Wahnsinns-Aufwand werden, wenn der Provider unterschiedliche Adressen mit unterschiedlicher Qualität belegen können soll ???

    Das müßte ja im Rechner jedes Kunden einfacher zu realisieren sein. Also über die Rechnersoftware die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Prozessors je nach IP Adresse variieren zu lassen.
    Nur wie das der Netzbetreiber anstellen will ist wohl noch niemandem durch den Kopf gegangen.

    Dazu fällt einem wenig ein, vielleicht :
    "Gigantomanie geht auch im Kleinen ganz gut" ?

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    Wir müssen im Zeit-Forum jetzt nicht zu technisch werden, da das die große Masse der Leser kaum interessieren dürfte. Aber so ein Wahnsinns-Aufwand wird das nicht. Es gibt dafür verschiedene Konzepte, wobei MPLS als Mechanismus derzeit favorisiert wird.
    Wen's interessiert:
    http://tools.ietf.org/htm...

  2. Wir müssen im Zeit-Forum jetzt nicht zu technisch werden, da das die große Masse der Leser kaum interessieren dürfte. Aber so ein Wahnsinns-Aufwand wird das nicht. Es gibt dafür verschiedene Konzepte, wobei MPLS als Mechanismus derzeit favorisiert wird.
    Wen's interessiert:
    http://tools.ietf.org/htm...

    Antwort auf "@Azenion"
  3. ....ist dieses, das Internet funktioniert nicht wie DHL und Paketversand.
    Nach bald 20 Jahren www. sollte sich das rumgesprochen haben ?

    Um bei Ihrem Beispiel anzuknüpfen, Dalsey, Hillblom,
    Lynn kleben gar nichts drauf, sondern zerreißen ein Paket und wissen noch nicht mal auf welchem Weg der Transport der Teile stattfindet, die wissen aber, daß sie auf allen Straßen die sie benutzen genügend Transporter haben, um die Zieladresse mit genügend Teilen beliefern zu können um daraus wieder das aufgegebene Paket zu basteln. Das macht der Rechner am Ende der Leitung.
    Der Netzbetreiber ist sozusagen die Straßenmeisterei, die dafür sorgen kann, daß die Paketteile grundsätzlich transportiert werden können und stellen den Providern auch den letzten Abschnitt der Transportstrecke zur Verfügung.
    Da passt jetzt der Vergleich nicht mehr, weil jeder tatsächlich seine eigene Straße hat, die sogenannte "letzte Meile". Die kann tatsächlich von "Wegelagerern" kontrolliert werden. Ebenso wird die aber wie gesagt an die Provider vermietet.
    Die lässt sich nur befahren oder nicht und nur von einer bestimmten Anzahl von DHL Fahrzeugen. Das lässt sich aber nicht mit dem Transportinhalt in Verbindung bringen.

    So funktioniert das Internet.

    Was Sie skizzieren, ist die klassische Telefonleitung. Die ermöglicht, wie sich bei Dalsey, Hillblom, Lynn ganze Pakete verfolgen lassen und eben DHL weiß auf welchem Weg sie transportiert werden, so einen Transport wie sie es beschrieben haben.

    Antwort auf "Wo ist das Problem?"
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    Lieber Parasympatikus,

    genau das scheint Ihr Problem zu sein: Daß Sie nämlich auf dem Stand von vor über 20 Jahren stehen geblieben sind. Inzwischen hat sich die Welt auch im Internet weiterentwickelt.
    Verfahren wie MPLS (gibt es übrigens auch schon seit 10 Jahren) sind genau dafür entwickelt worden, um in Paketnetzen eine virtuelle verbindungsorientiere Kommunikation zu ermöglichen.
    Ich möchte Sie daher höflich bitten, sich da erst mal schlau zu machen, bevor Sie veraltete Halbwahrheiten weiterverbreiten.

  4. Lieber Parasympatikus,

    genau das scheint Ihr Problem zu sein: Daß Sie nämlich auf dem Stand von vor über 20 Jahren stehen geblieben sind. Inzwischen hat sich die Welt auch im Internet weiterentwickelt.
    Verfahren wie MPLS (gibt es übrigens auch schon seit 10 Jahren) sind genau dafür entwickelt worden, um in Paketnetzen eine virtuelle verbindungsorientiere Kommunikation zu ermöglichen.
    Ich möchte Sie daher höflich bitten, sich da erst mal schlau zu machen, bevor Sie veraltete Halbwahrheiten weiterverbreiten.

    Antwort auf "Das Problem......"
    • remail
    • 22. Dezember 2010 11:23 Uhr

    Netzneutralität ist eine gute Idee und bezahlen sollte das der Provider für die Kunden. Wer kennt sich schon wirklich mit Paketpreisen aus;)

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    ...die kennen sich damit aus.
    Die Bundesnetzagentur hat da, wo früher mal die Post zu finden gewesen sein müsste, wo dann die Telekom hinkam, 186 Seiten mit TK-Anbietern aufgelistet.
    Die dürften das Telekommunikationsgesetz samt letzter Änderung von 2004 kennen und sich zumindest soweit auskennen, daß sie glaubhaft machen können sich mit Paketpreisen auszukennen.
    Das steht auch jedem Kunden eines Telekommunikationsanbieters zur Verfügung.

  5. ...die kennen sich damit aus.
    Die Bundesnetzagentur hat da, wo früher mal die Post zu finden gewesen sein müsste, wo dann die Telekom hinkam, 186 Seiten mit TK-Anbietern aufgelistet.
    Die dürften das Telekommunikationsgesetz samt letzter Änderung von 2004 kennen und sich zumindest soweit auskennen, daß sie glaubhaft machen können sich mit Paketpreisen auszukennen.
    Das steht auch jedem Kunden eines Telekommunikationsanbieters zur Verfügung.

    Antwort auf "Warum so umständlich?"
    • TDU
    • 22. Dezember 2010 13:31 Uhr

    Mag ja sein, aber mir scheint es auch bei den "Guten" um den Profit zu gehen. Und Restriktionen erlauben ja das leichtere Überleben der Nicht-Innovativen und seiner Besitztstandswahrung.

    Ein Beispiel zur Verdeutlichung was ich meine : Wer über mehr Geld verfügt, hat das bessere Auto und kann mehr fahren. Aber warum sollte der Ärmere die schlechteren Strassen benutzen müssen? Nur dann, wenn der Träger der Bau- und Installationslast das Geld nicht hat bzw. ausgeben will.

    Dann liegt die Knappheit beim Anbieter und nicht beim Nachfrager, und der Anbieter muss sich halt was einfallen lassen, in der Privatwirtschaft galt jedenfalls bislang.

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    Wenn jemand dafür sorgt, ein gewissen Verkehrsaufkommen zu ermöglichen, dann kann er schlecht "partiell" oder "spurweise" so tun als ob dieses Verkehrsaufkommen nicht möglich wäre, nachdem er es bereits realisieren mußte um mehr Verkehr zu ermöglichen.

    Eine Frage der "Chronologie der Ereignisse", nicht der von "Knapheit". Wer eine Straße anbietet die mit 300kmh befahrbar ist und unterschiedliche schnelle Autos ebenso auf dieser Straße zulässt, kann doch nicht vom Autohersteller verlangen weniger schnelle Autos herzustellen um mehr Stau auf den Spuren für die langsameren Autos zu produzieren.

    Das ist tatsächlich aber wesentlich komplizierter, weil es sozusagen nur eine Fahrbahn pro Straße gibt und die ist mit zB. DSL 6000, schon gänzlich beschrieben.
    Das sagt nicht irgendwas über die Herstellung von Fahrzeugen, um bei der Veranschaulichung zu bleiben.

  6. Wenn jemand dafür sorgt, ein gewissen Verkehrsaufkommen zu ermöglichen, dann kann er schlecht "partiell" oder "spurweise" so tun als ob dieses Verkehrsaufkommen nicht möglich wäre, nachdem er es bereits realisieren mußte um mehr Verkehr zu ermöglichen.

    Eine Frage der "Chronologie der Ereignisse", nicht der von "Knapheit". Wer eine Straße anbietet die mit 300kmh befahrbar ist und unterschiedliche schnelle Autos ebenso auf dieser Straße zulässt, kann doch nicht vom Autohersteller verlangen weniger schnelle Autos herzustellen um mehr Stau auf den Spuren für die langsameren Autos zu produzieren.

    Das ist tatsächlich aber wesentlich komplizierter, weil es sozusagen nur eine Fahrbahn pro Straße gibt und die ist mit zB. DSL 6000, schon gänzlich beschrieben.
    Das sagt nicht irgendwas über die Herstellung von Fahrzeugen, um bei der Veranschaulichung zu bleiben.

    Antwort auf "Argument Knappheit"

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  • Schlagworte BBC | Deutsche Telekom | Diskriminierung | Facebook | Internet | Norm
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