Open DataWie ein Slum in Nairobi aus dem Schatten tritt

Wer helfen will, braucht Daten. Der Slum Kibera in Nairobi jedoch existierte auf Karten nicht. Die Bewohner haben das geändert, dank freier Software von Openstreetmap. von Stefanie_Otto

Straßenszene in Kibera im November 2010

Straßenszene in Kibera im November 2010  |  © ROBERTO SCHMIDT/AFP/Getty Images

Kibera ist ein mystischer Ort. Eine Millionen Menschen leben Gerüchten zufolge in diesem Slum am Rande der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Medien berichten von Unruhen und katastrophalen Lebensbedingungen. Hilfsgelder verschwinden angeblich wie in einem schwarzen Loch. Und glaubt man Tom Tykwers Film Soul Boy , so werden in Kibera unschuldige Menschen von Hexen verflucht.

Viele Gerüchte und wenig Fakten gibt es zu Nairobis größtem Slum, der einer der größten Afrikas ist. Wer den Stadtteil beispielsweise bei Google Maps sucht, findet nur einen grauen Fleck. Die Bewohner selbst wollen das nun mithilfe von freier Software ändern.

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"Man kann keine Planung für ein Gebiet betreiben, um das immer gestritten wird. Niemand weiß, was morgen passiert", sagt Douglas Namale. Er ist Journalist und Herausgeber des Kibera Journal . Der Kenianer berichtet für und aus dem Viertel, das bis vor Kurzem auf keiner Karte verzeichnet war.

Die von den Bewohnern erstellte Karte Kiberas

Die von den Bewohnern erstellte Karte Kiberas  |  ©mapkibera.org

Nur wenige Zugangsstraßen führen nach Kibera. Zwischen Nairobi River und einem Golfplatz drängen sich Tausende Hütten dicht an dicht. Die Pfade dazwischen haben keine Namen. Ein Abwassersystem gibt es nicht, genauso wenig wie Krankenhäuser oder Schulen.

Besiedelt wurde das Gebiet schon vor Jahrzehnten, wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse jedoch lange Zeit nicht offiziell anerkannt. Stadtplanung konnte so gar nicht erst betrieben werden, berichtet Douglas Namale, der seit zehn Jahren in Kibera lebt.

Viele, die es auf der Suche nach Arbeit vom Land in die Stadt zog, landeten in Kibera. Mit der Masse an Zuwanderern verschärften sich nicht nur die hygienischen Zustände. Internationale Hilfsorganisationen kamen, bauten Trinkwasserbrunnen, Krankenstationen und Schulen. Sogar Barack Obama, damals noch Senator , und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon waren schon zu Besuch.

Doch obwohl Unmengen an Entwicklungsgeldern nach Kibera fließen, profitieren die Einwohner selten direkt davon.  

Leserkommentare
    • Stegh
    • 30. Dezember 2010 22:20 Uhr

    Direkter Link zu Openstreetmap Karte von Kibera :

    http://www.openstreetmap....

    2 Leserempfehlungen
  1. ... dass es bei Zeit.de nicht mehr solche ausführlichen Berichte über OpenStreetMap gibt. Ich finde das Projekt sehr interessant und würde gern mehr darüber lesen.

    Eine Leserempfehlung

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  • Schlagworte Google | Barack Obama | Nairobi | Ars Electronica | ORF | Internet
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