Wikileaks "Julian war nicht auf der Flucht"
Der Wikileaks-Gründer war in den vergangenen Wochen oft im Londoner Frontline-Club. Dessen Inhaber erzählt, warum er Assange hilft und warum Wikileaks so wichtig ist.
© Oli Scarff/Getty Images

Wikileaks-Gründer Julian Assange im Gefängniswagen
ZEIT ONLINE: Herr Smith, Sie sind Gründer und Inhaber des Frontline-Clubs , wo Julian Assange sich in letzter Zeit mehrmals versteckte , und sie wollen ihm auch weiter helfen. Wie?
Vaughan Smith: Ich habe ihm angeboten, dass er bei mir wohnen kann und würde ihm damit eine feste Adresse geben, damit das Gericht ihn auf Kaution herauslassen kann. Außerdem würde ich auch einen Teil der Kaution stellen – die ich natürlich verlöre, wenn er untertauchte.
ZEIT ONLINE: Wie viel Geld ist das?
Smith: 20.000 Pfund. Aber ich bin mir sicher genug, dass Julian Assange vor Gericht erscheinen wird. Sonst würde ich ihm das Geld nicht geben.
ZEIT ONLINE: Glauben Sie, dass er unschuldig ist?
Smith: Ich habe keine Ahnung. Aber er selbst glaubt daran. Er war stets überzeugt, dass die schwedischen Vorwürfe unhaltbar sind . Und er war sich klar darüber, dass es nach einem Schuldeingeständnis aussähe, wenn er nicht auftaucht. Daher war er auch nie ein Flüchtiger, er hat kooperiert, weil er nicht wollte, dass diese Vorwürfe sein Projekt beschädigen. Denn für Julian ist seine Aufgabe sehr viel wichtiger als seine eigene Sicherheit.
Die Presse ist viel mehr Schuld daran, dass hier das Bild eines Mannes gezeichnet wurde, der aussieht wie ein machiavellistischer Internet-bin-Laden, der aus dem Versteck heraus seine Fäden zieht. Das Bild wurde gemalt und ausgeschmückt, weil es so schön ins Klischee passt. Doch mit der Realität hat es nichts zu tun. Als er sich mit den Ermittlern treffen sollte, kam er .
Die Medien missbrauchen Wikileaks als Schild: Sie publizieren die Geschichten und machen damit Quote, zeigen gleichzeitig aber mit dem Finger auf ihn, schreiben über Sexgeschichten und machen ihn zum Bösewicht.
ZEIT ONLINE: Warum engagieren Sie sich so stark in diesem Fall?
Smith: Weil ich ihn kenne und überzeugt bin, dass jeder Gerechtigkeit verdient. Wikileaks ist kontrovers, es spaltet und es gibt auf beiden Seiten der Debatte sehr gute Argumente. Letztlich muss jeder für sich selbst entscheiden, wo er steht... Ich habe mich entschieden.
Natürlich unterstütze ich das Projekt, weil ich möchte, dass meine vier Kinder in einer liberalen Demokratie aufwachsen. Aber auch aus einem anderen Grund. Nicht jeder Leak ist gut, aber Assange und Wikileaks haben dem Journalismus den größtmöglichen Spiegel vorgehalten. Viele von uns mögen nicht, was sie darin sehen. Aber Wikileaks ist doch nur möglich, weil Journalismus heutzutage so furchtbar ausgewogen und ausbalanciert ist, weil niemand mehr aufsteht und sagt, ich stehe zu diesem Argument oder jenem. Insofern bin ich auch nicht der typische Unterstützer des Projektes.
- Datum 14.12.2010 - 16:28 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Es ist natürlich sehr sachte ausgedruckt, stellt aber dennoch eine zu recht verdiente Ohrfeige für die heutige Medien da. Bleibt zu hoffen, das die Menschen mit einem Presseausweis, die Ohrfeige richtig interpretieren, und aufwachen.
vielleicht ist das Aufwachen hier ja endlich mit dem Interview von Khue Pham passiert. Das ist jedenfalls der erste vernünftige Text zu Wikileaks und Cablegate, der bei Zeitonline zu lesen ist. Weiter so, bitte!
vielleicht ist das Aufwachen hier ja endlich mit dem Interview von Khue Pham passiert. Das ist jedenfalls der erste vernünftige Text zu Wikileaks und Cablegate, der bei Zeitonline zu lesen ist. Weiter so, bitte!
vielleicht ist das Aufwachen hier ja endlich mit dem Interview von Khue Pham passiert. Das ist jedenfalls der erste vernünftige Text zu Wikileaks und Cablegate, der bei Zeitonline zu lesen ist. Weiter so, bitte!
...für diesen Bericht.
Nachdem ich jetzt mehrfach gemeckert habe, fühle ich mich verpflichtet auch eine positive Äußerung kund zu tun.
Dieser Smith scheint ein intelligenter Mensch zu sein.
, dass sich in der akuten politischen situation viele medien als so oportune dienstleiter der herrschenden meinung erweisen, dass sie sich von aussenstehenden belehren lassen muessen.
der verweiss zur kommerzialisierung eines scoops wie wikilieaks ihnen ins haus gespült hat, ohne dass sie selber auch nur den finger krumm gemacht haben wie so oft - trifft zumindest für die meisten zu, ist so peinlich und disqualifizierend, dass man sich wundert ihn hier zu lesen.
dass eine zeitung wie die zeit kein einziges der geleakten themen berührt weisst nach wie vor ihre position aus.
ich denke man sollte konsequenzen zu dieser ganzen affaire nicht nur für die offensichtlichen umfaller erwarten, sondern auch für die trittbrettfahrer und anbiederer der medienbranche, die es nicht schaffen oder schaffen wollen einen sachlichen, neutralen standpunkt zu vertreten, sondern die diffamierungskampagnen der oekonomisch- politischen interessengruppen nicht nur unterstuetzen, sonderen als die eigentlich ausführenden erst fahren, um eine allgemein kriminalisierndes bild von wikileaks/assange zu erzeugen, das juristisch nicht gegeben ist und nie war.
dass manche medien, wie auch die zeit, diese kriminalisierungkampagne auch noch betreibt nachdem sich einschlägige und respektable personen und instanzen gegenteilig geäussert haben, und auch nicht mal genau diese zur wenigstens neutraleren berichterstattung heranziehen ist mehr als bedenklich und zeigt wessen veralautbarungen wir hier lesen.
beitrag. mr. smith spricht das aus, was, seit der medialen hetzjagd auf assange, wirklich relevant ist. ein smarter mann der verantwortung zeigt. was die medien nur zu oft vergessen lassen.
lassen sie den bericht bitte nicht den einzigen in dieser art sein.
Danke fuer diesen Artikel - und hoechste Zeit fuer freie Presse und gegen Zensur aufzustehen! Avaaz sammelt im Netz und fand in den ersten 24 Stunden 300.000 Unterzeichner:
http://www.avaaz.org/de/w...
In diesem Stil hätte ich eigentlich die Berichterstattung der Zeit über WikiLeaks erwartet. Es gab jetzt ein paar Artikel, die mich langsam Vertrauen in diese Zeitung fassen lassen. Ich hoffe, es wird nicht erneut enttäuscht.
@iDog: "dass eine zeitung wie die zeit kein einziges der geleakten themen berührt weisst nach wie vor ihre position aus."
Das ist nicht ganz korrekt. Zumindest ein Artikel ist zu finden:
USA setzten im Fall El-Masri Deutschland unter Druck
http://www.zeit.de/politi...
für eine zeitung wie die zeit ist dieser 20 zeiler, den sie hier meinen, und den ich bewusst ausgelassen habe, im angesicht der verfügbaren daten "nichts" - schauen sie sich mal an was andere zeitungen daraus machen.
nein, hier fehlt der wille. die zeit ist extrem konservativ - und das schon so lange ich sie hier lese - seit ungefaehr 5 jahren regelmäßig. die zeit ist ein public relation organ der herrschenden klasse, der ökonomisch -politischen elite - deswegen lese ich sie auch - ich will nämlich wissen was wir nicht wissen und stattdessen glauben sollen - ich hoffe sie geht mit dieser elite zusammen baden in deren selbstinszenierter wirtschaftskrise.
es wäre eine dissertation wert zu belegen, dass in der zeit ausser der artikelüberschrift, zumindest solange diese grob das sujet umreisst, inhaltlich nichts stimmt, nichts evident belegbar ist. ist ihnen auch aufgefallen, dass es immer selterner bis gar keine verweise auf quellen in der zeit gibt? alles nur behauptungen und meinungen, eine ideologische ursuppe wie man sie neokonservativer kaum finden kann - vielleicht noch bei der welt, der morgenpost, oder in springer publikationen.
in der zeit finden wir einen jounalismus der intransparenz und der deutungsanmaßung par excelence. hier wird politische und oekonomisch, sogar historische aufklärung aktiv verhindert und durch infotainment plattesten niveaus ersetzt. die fähigkeit immer noch leseren weissmachen zu koenne, sie würden hier informiert, ist erstaunlich.
für eine zeitung wie die zeit ist dieser 20 zeiler, den sie hier meinen, und den ich bewusst ausgelassen habe, im angesicht der verfügbaren daten "nichts" - schauen sie sich mal an was andere zeitungen daraus machen.
nein, hier fehlt der wille. die zeit ist extrem konservativ - und das schon so lange ich sie hier lese - seit ungefaehr 5 jahren regelmäßig. die zeit ist ein public relation organ der herrschenden klasse, der ökonomisch -politischen elite - deswegen lese ich sie auch - ich will nämlich wissen was wir nicht wissen und stattdessen glauben sollen - ich hoffe sie geht mit dieser elite zusammen baden in deren selbstinszenierter wirtschaftskrise.
es wäre eine dissertation wert zu belegen, dass in der zeit ausser der artikelüberschrift, zumindest solange diese grob das sujet umreisst, inhaltlich nichts stimmt, nichts evident belegbar ist. ist ihnen auch aufgefallen, dass es immer selterner bis gar keine verweise auf quellen in der zeit gibt? alles nur behauptungen und meinungen, eine ideologische ursuppe wie man sie neokonservativer kaum finden kann - vielleicht noch bei der welt, der morgenpost, oder in springer publikationen.
in der zeit finden wir einen jounalismus der intransparenz und der deutungsanmaßung par excelence. hier wird politische und oekonomisch, sogar historische aufklärung aktiv verhindert und durch infotainment plattesten niveaus ersetzt. die fähigkeit immer noch leseren weissmachen zu koenne, sie würden hier informiert, ist erstaunlich.
Ich finde es schon bedenklich, wie z.B. Spiegel und El Pais berichten. Es sind eben auch profit- und daher mainstreamorientierte Medien, die doch nur sehr sehr milde kritisches veröffentlichen, wenn überhaupt. Was z.B. die Haltung der USA zum Putsch in Honduras angeht, habe ich weder bei Zeit, noch Spiegel irgendwas lesen können - bei Le Monde und Guardian hätte ich noch Hoffnung, habe ich bisher nicht überprüft, bei El Pais ist es von vorneherein aussichtlos, schließlich handelt es sich um eine erzkonservative Zeitung. Infos darüber gibt es z.B. bei Amerika21: http://amerika21.de/nachr...
El País, lieber Acto, ist besser als alle deutschen Zeitungen zusammen.
Die Depeschen enthalten nun einmal keine Hinweise auf eine Verstrickung der USA in den Putsch in Honduras. Dass die USA und die ALBA sich auf dem diplomatischen Parkett bekriegen, ist lange bekannt. Das sind einfach keine Neuigkeiten. Wenn sie lieber Verschwörungstheorien lesen, tun sie das im Internet.
El País fährt auch nicht so einen mysteriösen Kurs wie die meisten Deutschen Medien (inklusive Zeit und SZ). Die letzten Schlagzeilen zum Thema Wikileaks von El País sind (ins Deutsche übersetzt):
Die Meinungsfreiheit verteidigen, Einer von uns, Erinnert euch an eure Prinzipien, Wikileaks dient dem Bürger, Wikileaks und die Pressefreiheit in den USA, Anonymous: Die Feinde der Feinde von Wikileaks, Eine Verteidigung von Wikileaks, Lula verteidigt Wikileaks, Assange muss ins Gefängnis, "Nicht eine einzige Person wurde durch unsere Leaks geschädigt"
Eine Zeitung mit einem ähnlich klaren Standpunkt sucht man in Deutschland leider vergeblich. Dafür fällt mir die Wahl am Zeitungskiosk jetzt wesentlich einfacher.
Schöne Grüße aus Spanien
Seit die US cables rauskommen, lese ich El País regelmaessig. Die bringen alles ausfuehrlich, mit einem verstaendlichen Fokus auf Spanien. Ihre Standpunkte sind klar und direkt -- und auf der Seite der Pressefreiheit, die sie selbst ausueben.
Im Moment meine Lieblingszeitung zum Thema Wikileaks und cablegate.
Die restliche Presselandschaft in Spanien ist allerdings ein Desaster.
El País, lieber Acto, ist besser als alle deutschen Zeitungen zusammen.
Die Depeschen enthalten nun einmal keine Hinweise auf eine Verstrickung der USA in den Putsch in Honduras. Dass die USA und die ALBA sich auf dem diplomatischen Parkett bekriegen, ist lange bekannt. Das sind einfach keine Neuigkeiten. Wenn sie lieber Verschwörungstheorien lesen, tun sie das im Internet.
El País fährt auch nicht so einen mysteriösen Kurs wie die meisten Deutschen Medien (inklusive Zeit und SZ). Die letzten Schlagzeilen zum Thema Wikileaks von El País sind (ins Deutsche übersetzt):
Die Meinungsfreiheit verteidigen, Einer von uns, Erinnert euch an eure Prinzipien, Wikileaks dient dem Bürger, Wikileaks und die Pressefreiheit in den USA, Anonymous: Die Feinde der Feinde von Wikileaks, Eine Verteidigung von Wikileaks, Lula verteidigt Wikileaks, Assange muss ins Gefängnis, "Nicht eine einzige Person wurde durch unsere Leaks geschädigt"
Eine Zeitung mit einem ähnlich klaren Standpunkt sucht man in Deutschland leider vergeblich. Dafür fällt mir die Wahl am Zeitungskiosk jetzt wesentlich einfacher.
Schöne Grüße aus Spanien
Seit die US cables rauskommen, lese ich El País regelmaessig. Die bringen alles ausfuehrlich, mit einem verstaendlichen Fokus auf Spanien. Ihre Standpunkte sind klar und direkt -- und auf der Seite der Pressefreiheit, die sie selbst ausueben.
Im Moment meine Lieblingszeitung zum Thema Wikileaks und cablegate.
Die restliche Presselandschaft in Spanien ist allerdings ein Desaster.
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