Soziale Netzwerke MySpace streicht Deutschland-Niederlassung

MySpace entlässt fast die Hälfte seiner Mitarbeiter. Die deutsche Niederlassung wird komplett aufgegeben. Experten schließen ein Ende des Netzwerks nicht aus.

Das kriselnde Online-Netzwerk MySpace trennt sich von rund 500 Mitarbeitern. Damit verliert fast die Hälfte der Belegschaft des Unternehmens den Arbeitsplatz. Auch die deutsche MySpace-Niederlassung mit 30 Beschäftigten wird geschlossen, wie Firmenchef Mike Jones bekannt gab.

Im Zuge des Umbaus wird die für MySpace Deutschland zuständige Fox Interactive Media Germany GmbH Ende Februar geschlossen. Auch das Geschäft in Großbritannien und Australien ist von der Sparaktion betroffen. Jones sagte, das neue MySpace müsse sich von Strukturen der Vergangenheit trennen, um den Weg zu Wachstum und Gewinn freizumachen.

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"Ich bedauere die Entscheidung von MySpace sehr, den Geschäftsbetrieb in Deutschland einzustellen", sagte der bisher für MySpace Deutschland zuständige Manager Joel Berger. Das Geschäft in Deutschland war nach Unternehmensangaben seit zwei Jahren profitabel. In deutschen Firmenkreisen wurde beklagt, dass man keinen Einfluss auf die Produktentwicklung gehabt habe, um die Angebote populärer zu machen.

Es ist nicht die erste Entlassungswelle bei MySpace. Im Sommer 2009 hatte der damalige Chef Owen Van Natta bereits rund ein Drittel der 1500 US-Jobs gekappt. Die Einschnitte brachten aber nicht die erhoffte Erleichterung, die Verluste häuften sich weiter auf.

Im Jahr bis Juni 2010 hatte MySpace knapp 100 Millionen Dollar Verlust erwirtschaftet. Analyst Alan Gould von der Investmentbank Evercore Partners sagte daher das Ende von MySpace für diesen Sommer vorher, falls sich die Finanzlage nicht entscheidend verbessere.

Im vergangenen Jahr verlor Investor Murdoch die Geduld mit seinem einstigen Lieblingskind. Im November hieß es in einer Telefonkonferenz unmissverständlich, man werde die Verluste des Internet-Geschäfts nicht länger hinnehmen. Das neue Management unter Jones bekam Zeit bis Juni 2011, das Geschäft zumindest operativ auf einen grünen Zweig zu bringen.

Medienberichten zufolge sollen die Entlassungen einen Verkauf vorbereiten. 2005 hatte die von Murdoch gelenkte News Corporation 580 Millionen Dollar für MySpace gezahlt – damals eine aufsehenerregende Summe für ein Internet-Unternehmen.

MySpace war 2003 gestartet und hatte sich zum größten Online-Netzwerk der Welt aufgeschwungen. Mit dem Aufkommen von Facebook verlor die Seite allerdings zahlreiche Nutzer. Der Herausforderer wuchs schnell und beziffert die Zahl der Mitglieder inzwischen auf mehr als 550 Millionen. MySpace zählt derzeit rund 100 Millionen Nutzer. Mit der gesunkenen Bedeutung schwanden auch die Werbeumsätze und die Hoffnung auf Gewinne.

 
Leser-Kommentare
  1. Wieder einmal ein schlagender Beweis, dass die mit Print und TV groß gewordenen Medienkonzerne mit ihrem Managementstil, ihren Geschäftsmodellen und Renditeerwartungen am Wesen des Internets nach wie vor meilenweit vorbeisegeln. Ganz schlimm wird es, wenn sie versuchen, in andere Bereiche als das angestammte Geschäftsfeld - Sammeln, Bearbeiten und Verbreiten von Informationen - einzusteigen. Das ist inzwischen klassisch.

  2. "Online-Netzwerke" sind doch ohnehin nur Luft - ich bin gespannt, wie schnell diese Buden sich auflösen und der phantastische Börsenwert von facebook in sich zusammenbricht.

    Wenn eine neue Generation wieder in die reale Welt zurückkehrt wird es schlagartig zu Ende sein...

  3. Es war, nachdem bei last.fm keine Lieder mehr explizit ausgewählt werden konnten, eine gute Anlaufstelle, um sich ein Bild bzw. einen ersten Eindruck von einen Künstler zu machen. Wenn MySpace dicht macht, werden wieder mehr Leute bei den Russen und inzwischen auch bei den Asiaten landen. Da sind die Künstler bei den Einnahmen dann wieder komplett außen vor. Naja, schätze das wird die jetzigen Besitzer nicht sonderlich interessieren.

    Eine Leser-Empfehlung
    • hajipe
    • 12.01.2011 um 23:24 Uhr

    Diese ganzen sog. "Sozialnetworks" kann man ohnehin vergessen.
    Sie haben doch absolut keinen Sinn. Allenfalls für Firmen um neue Kunden zu fischen.

    • atoato
    • 12.01.2011 um 23:51 Uhr

    nun Myspace pleite ist und wohl nicht wieder auf die Beine kommen wird. @laroussepetit und @hajipe Leute, das Internet geht nicht wieder weg.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    tut. Das ist weder besonders aufregend noch besonders tragisch. Wir haben schon Suchmaschinen und Diskussionsrunden, Communitys und Dokumentensammlungen benutzt und wieder beerdigt.

    Das scheint zum Charakter des Netzes zu gehören und manchmal trauere ich noch den guten alten Zeiten mit monochromen Textkaskaden von Chats hinterher wie dem Musizieren des Modems, die in der Erinnerung immer schöner werden :-)

    tut. Das ist weder besonders aufregend noch besonders tragisch. Wir haben schon Suchmaschinen und Diskussionsrunden, Communitys und Dokumentensammlungen benutzt und wieder beerdigt.

    Das scheint zum Charakter des Netzes zu gehören und manchmal trauere ich noch den guten alten Zeiten mit monochromen Textkaskaden von Chats hinterher wie dem Musizieren des Modems, die in der Erinnerung immer schöner werden :-)

  4. kenne und nutze ich MySpace quasi seit Beginn. Als das spartanische Flair, bei dem es wirklich nur um Musik ging, sich mehr und mehr zu einer Lifestyle-Plattform umzumodeln versuchte verlorenging, ging auch der Spaß der Nutzer. Der beste Kommentar dazu aus dem Update einer "Freundin" meiner Myspace-Seite:

    "Myspace wird immer bekloppter und macht überhaupt keinen spaß mehr!! echt traurig!"

    Das war’s dann wohl. Der nächste, bitte!

  5. tut. Das ist weder besonders aufregend noch besonders tragisch. Wir haben schon Suchmaschinen und Diskussionsrunden, Communitys und Dokumentensammlungen benutzt und wieder beerdigt.

    Das scheint zum Charakter des Netzes zu gehören und manchmal trauere ich noch den guten alten Zeiten mit monochromen Textkaskaden von Chats hinterher wie dem Musizieren des Modems, die in der Erinnerung immer schöner werden :-)

    Antwort auf "Auch wenn"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Kommentare 7
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  • Schlagworte MySpace | Australien | Großbritannien | Soziale Netzwerke | Verlust
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