Das Portal Quora kommt aufgeräumt daher: ein übersichtliches, fein gegliedertes Layout, keine bunten Werbebanner, keine knalligen Farben. Nicht Wühltisch, sondern Schreibtisch, auf dem alles durchdacht beieinander liegt. Genau das will Quora sein: durchdacht.

Das Startup wurde 2009 gegründet und ging im Juli vergangenen Jahres für die Allgemeinheit online. Davor testete eine kleine ausgewählte Gruppe das Netzwerk ein halbes Jahr lang in einer Beta-Version.

Zwei Mitgründer von Quora kommen vom zurzeit erfolgreichsten sozialen Netzwerk, von Facebook. Der ehemalige technische Leiter Adam D'Angelo und der Manager Charlie Cheever haben Facebook verlassen, um die Frage-und-Antwort-Seite zu entwickeln. Sie wollten einiges besser machen als bestehende Portale und gleichzeitig nutzen, was bei anderen gut funktioniert. So entwickelten sie eine qualitative Wissenscommunity, die Potenzial hat.

Der Aufbau der Startseite ähnelt der von Facebook. Die Basis ist das Follower-Prinzip von Twitter – doch folgt man nicht nur einzelnen Nutzern, sondern vor allem Themen und Fragen, die einen interessieren. Solche Fragen sind im Prinzip Mini-Blogeinträge und werden verschlagwortet, wie etwa beim Social Bookmarking Webdienst Delicous . Über diese Schlagwörter oder über eine ausformulierte Frage lassen sich Antworten suchen. Das Ergebnis ist eine übersichtliche, gut strukturierte Liste.

Quora setzt wie die Wikipedia darauf, dass die Mitglieder die Seite "sauber" halten. Deshalb können sie alle Schlagwörter eines Themas oder sogar die Frage selbst ändern und ergänzen. Alle Fragen sollen verständlich sein, jeder neue Nutzer muss sich zunächst mehrmals durch ein "Wie baue ich eine Frage bei Quora auf"-Tutorial klicken, bevor er eine stellen kann. Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung müssen stimmen – Quora ist kleinlich. Eine Frage lässt sich beispielsweise nur posten, wenn sie korrekt mit einem Fragezeichen endet. Eine Wohltat im Vergleich zu anderen Frageportalen, die ihre Leser mit orthografischen Widrigkeiten bombardieren.

Die Aufräumarbeiten bei Quora laufen so gut, dass Fragen teilweise schneller ein " Needs To Be A Complete Sentence " als Schlagwort erhalten, als eine Antwort. Die Fragen sollten auch auf Englisch gestellt werden, sonst heißt es " Needs To Be Written In English ". Gelöscht werden deutsche Fragen nicht, nur die Antworten lassen auf sich warten.

Wie bei Facebook sollen sich die Nutzer bei Quora mit ihrem echten Namen anmelden, um die Glaubwürdigkeit der Antworten erhöhen. Für Qualität soll auch die Bewertung sorgen, jede Antwort kann als gut oder schlecht eingestuft werden – im Gegensatz zu Facebook, wo es nur Lob gibt.