Demonstranten verfolgen im Fernsehen die Berichterstattung © Felipe Trueba/EPA/dpa

Seit vier Tagen ist Ägypten inzwischen vom Internet abgeschnitten . Mit diesem rigiden Akt der Zensur versucht die dortige Führung, die Protestbewegung unter Kontrolle zu bringen, die Koordination von und die Berichterstattung über Demonstrationen zu behindern. Doch die Informationsblockade kann als gescheitert gelten.

Nachdem beispielsweise die Ausrüstung von sechs Reportern des Senders Al Jazeera beschlagnahmt wurde, sendet dieser nun Videos, die Augenzeugen mit ihren Handys gedreht haben. Und auch das Netz ist längst nicht so tot, wie es sich Ägyptens Führung erhofft. So verbreitet sich über Twitter problemlos die Kunde vom "Marsch der Millionen" in Kairo.

Damit das auch weiterhin gelingt, organisieren Aktivisten in Europa Unterstützung. "Wir bündeln die Kräfte des Internets", sagt Stephan Urbach aus Hanau. Der 30-Jährige gehört dem Aktivisten-Verbund Telecomix an. Die Gruppe ist eine von mehreren, die sich darum bemühen, die Internetzensur in Ägypten zu unterlaufen. "Wir sehen es als unsere Aufgabe an, den Informationsfluss in beide Richtungen zu erhalten", sagt Urbach.

Die Herausforderung ist groß: "Die Internetprovider des Landes wurden angewiesen, ihre IP-Adressen nicht mehr nach außen zu kommunizieren", sagt Lutz Donnerhacke, Netzwerktechniker beim Zugangsanbieter IKS Jena . Damit macht sich die Führung eine vermeintliche Stärke des Internets zu Nutze: Erkennt das Netz eine Störung, versucht es den Datenverkehr schnellstmöglich umzuleiten. Indem die Regierung das ägyptische Netz von der digitalen Landkarte entfernte, waren auch ausländische Provider nicht mehr in der Lage, die Verbindungen in das nordafrikanische Land aufrechtzuerhalten: "Die Router haben innerhalb von Minuten vergessen, wohin sie Datenpakete schicken sollen", sagt Donnerhacke.

Die Aktivisten versuchen nun, das europäische Internet kurzerhand nach Ägypten zu bringen. Dazu schalten sie Telefonleitungen, über die sich Ägypter an der Zensur vorbei ins Netz wählen können. Der Datenverkehr wird dann komplett über europäische Provider geleitet.

"Mittlerweile haben wir zirka 100 Leitungen in ganz Europa", sagt Urbach von Telecomix – zuerst in Schweden, dann in Frankreich, schließlich auch in Spanien, Norwegen, Italien und Deutschland. Die Datenverbindung ist langsam, aber um kurze Textnachrichten oder E-Mails auszutauschen, genügt es allemal. Zur Sicherheit wird die Internetverbindung verschlüsselt, sodass staatliche Lauscher die Daten selbst dann nicht mitlesen können, wenn sie die Leitungen überwachen.