Nicht einmal ein Jahr ist es her, da bot Facebook anderen Websites seinen "Like"-Knopf an . Seitdem können Leser einen Artikel weiterempfehlen, ohne die Seite verlassen und sich bei Facebook einloggen zu müssen. Nun plant der Socialmedia-Anbieter offenbar, auch seine Kommentarfunktion für Dritte zu öffnen. Das berichtet das amerikanische Computermagazin CNET . Innerhalb der kommenden Wochen sollen Medien Facebook-Kommentare auf ihren Seiten einbinden können. Das Unternehmen suche derzeit aktiv nach großen Medienpartnern für den Start. Offiziell bestätigt hat Facebook das Vorhaben noch nicht.

Will eine Nachrichtenseite wie ZEIT ONLINE mit ihren Lesern reden, baute sie dazu bislang ein eigenes Kommentarsystem auf. Was den Vorteil hat, dass sich die Diskussion unmittelbar unter dem Gegenstand der Debatte abspielt, dem betreffenden Artikel. Allerdings ist das aufwändig, es braucht dafür nicht nur Technik, sondern vor allem ein Team, das die Kommentare beobachtet und die Kommentierenden betreut.

Eine andere Strategie, um mit den Lesern ins Gespräch zu kommen, verfolgen Medien, wenn sie ihre Artikel auf Facebook posten. Dann findet die Diskussion nur im sozialen Netzwerk statt. Für Facebook ist das gut, denn es sammelt fleißig Klicks und Nutzerdaten. Für die Medien macht das bedingt Sinn, denn sie finden im Netzwerk die Aufmerksamkeit neuer Leser, die sie sonst nicht erreichen würden. Allerdings kommen nicht alle von dort auch auf die Nachrichtenseite, was letztlich ja das Ziel werbefinanzierter Medien ist, verdienen sie ihr Geld doch mit Werbebannern und brauchen daher hohe Leserzahlen.

Das geplante Kommentarsystem nun exportiert die Facebookdebatte zurück auf die Website, von der der Text stammt, zumindest optisch. Wer beispielsweise auf den Seiten des Boulevardmagazins People kommentiert, wo das System schon testweise läuft, tut dies letztlich in Facebook, auch wenn die Kommentare – im Facebook-Layout – unter dem Text auf people.com stehen . Das Programm zum einbinden stellt Facebook auf seiner Website bereit

Die Idee: Wer kommentieren will, muss nicht mehr bei der Website ein Profil anlegen, sondern loggt sich mit seinem Facebook-Account ein. Vielen Nutzern ist es lästig, sich für jedes Portal gesondert anzumelden. Eine solche Hürde würde durch "Facebook-Connect" genommen. Wobei Facebook großzügig davon ausgeht, dass die meisten Menschen einen Account bei dem Netzwerk eben schon besitzen. Wie immerhin schon rund 550 Millionen Menschen weltweit. 

Ziel des amerikanischen Konzerns ist es, die gesamte Kommunikation zu übernehmen, vom Login, über die Veröffentlichung von Meinungsbeiträgen, Postings auf bestimmten Facebook-Pinnwänden bis hin zum "Like"-Button. Verlagen oder Bloggern spart das die Mühe, entsprechende Technik aufzubauen und bedenkliche Kommentare herauszufischen.

Das könnte dann Facebook übernehmen, zumindest theoretisch. " Facebook has been refining their troll-slaying comment system ", titelte das Technikblog TechCrunch dazu, "Facebook hat sein Trolle vernichtendes Kommentarsystem verfeinert". Wobei der Konzern nun nicht etwa Hunderttausende Kommentarbetreuer einstellt. Die Annahme lautet: Da sich die meisten Menschen bei dem Netzwerk mit ihrem wahren Namen anmelden, kommentieren sie auch weniger rüde, als wenn sie anonym wären – wie es bei vielen Nachrichtenseiten möglich ist, die wie ZEIT ONLINE pseudonyme Kommentare zulassen.