Online-JournalismusZeitungsverlage hoffen auf iPad-Erlöse

In den USA brechen die Abrufzahlen für Medien-Apps ein, doch die Verlage glauben, dass der Tablet-Markt erst noch wächst. Und sich Angebote wie "The Daily" bald lohnen. von Sonja Pohlmann

Rupert Murdoch bei der Vorstellung von "The Daily" in New York

Rupert Murdoch bei der Vorstellung von "The Daily" in New York  |  © Screenshot ZEIT ONLINE

Wer eine Revolution beginnen will, sollte nicht kleinlich denken. Medienmogul Rupert Murdoch hat 30 Millionen US-Dollar ausgegeben, 100 Journalisten angeheuert und nichts Kleineres als das Guggenheim-Museum in New York gewählt, um die Zeitung The Daily zu schaffen und ihren Start zu verkünden .

Es ist die erste Zeitung, die ausschließlich auf Apples Tablet-PC iPad erscheint. 99 Cent kostet sie pro Woche und bietet neben Artikeln auch 360-Grad-Ansichten von Fotos, animierte Grafiken, Videos sowie eine direkte Verbindung von einzelnen Texten zu Facebook und Twitter. ″Wir definieren den Journalismus neu″, sagte der 79-jährige Murdoch bei der Vorstellung der Zeitung am Mittwoch – doch davon bekommen zahlreiche Zeitungsleser erst einmal nichts mit.

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Zwar hat Apple 15 Millionen iPads seit dem Start des Mini-Computers im vergangenen April weltweit verkauft, doch The Daily wird vorerst nur in den USA und Großbritannien erhältlich sein. Wer keine amerikanische IP-Adresse oder Kreditkarte besitzt, kann sie sich nicht herunterladen. Allein in Deutschland werden damit rund 350.000 iPad-Nutzer als potenzielle Leser ausgeschlossen. Warum der Verkauf vorerst nur auf den US-Markt beschränkt bleibt und wann die Zeitung in Deutschland zu haben sein wird, war weder von The Daily noch von Apple zu erfahren.

Dabei dürfte die iPad-Zeitung auch hierzulande auf Interesse stoßen. Die Tablet-PCs, die flach wie ein Brett sind, werden am liebsten zum Musikhören, Videos-Anschauen und Zeitunglesen genutzt. Das ergab eine im Januar veröffentlichte Umfrage des Instituts TNS Emnid für den Vermarkter IP Deutschland und die Fachzeitschrift Werben & Verkaufen .

Ergebnisse, die den Verlegern Hoffnung machen. Sie wollen mit mobilen Geräten wie Smartphones und Tablet-PCs endlich durchsetzen, dass Leser für Online-Inhalte zahlen.

50 Zeitungstitel sind inzwischen als App auf dem iPhone erhältlich, 30 Blätter sind mit Apps auf dem iPad zu lesen, heißt es beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) .

Die bisherigen Angebote der Medienhäuser reichen von PDF-Seiten, die die gedruckte Ausgabe eins zu eins als digitale Version abbilden, bis zu multimedialen Spielereien, mit denen Videos abgerufen, Fernsehbeiträge eingespielt und animierte Grafiken angesehen werden können. Es wird viel gebastelt und probiert, was beim Leser ankommt – aber die erste Bilanz der Verlage fällt bereits positiv aus.

Leserkommentare
  1. Da krallen sie sich hoffnunglos am vermeintlich letzten Strohhalm der Digitalisierung fest und merken gar nicht, wie sehr sie sich (freiwillig) in neue und gravierende Abhängigkeiten begeben.

    Schon die Musikindustrie hat so ihren direkten Draht zu den Endverbrauchern aufgegeben, bei der auf gegenseitige Kommunikation noch viel stärker angewiesene Zeitungs- und Zeitschriftenbranche dürfte der Effekt um einiges dramatischer sein.

    Egal ob Apple die Preise diktiert oder gewisse Inhalte ausschließt oder Google die Werbung allein bestimmt, die Redaktionen werden mehr und mehr zu reinen Inhaltegeneratoren verkommen mit einem letzten Minimalrest an Mitbestimmung.

    Anstatt sich untereinander zusammenzuschließen und eine eigene Allianz für freie Standards, aber durchaus auch mit bezahlten Inhalten, zu gründen, liefert man sich mit geringen Aufwand amerikanischen Großkonzernen aus. Später dann ist jede Umkehr ausgeschlossen.

    Man kann den Verlagen nur wünschen, dass die Printmedien noch lange die Oberhand behalten werden.

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    Die Musikindustrie hat nicht "so ihren direkten Draht zu den Endverbrauchern" verloren. Es gab diesen direkten Draht nie. Kunden der Plattenfirmen waren niemals die Hörer, sondern Geschäfte wie Walmart. Genauso wie Kunden der Verlage nicht die Leser sind, sondern eine Kombination aus Verkäufern und Werbenden.

    • Schaps
    • 04. Februar 2011 13:58 Uhr

    Dass die Abrufzahlen für Apps im Allgemeinen und für Bezahlapps im Speziellen früher oder später rückläufig sein werden ist doch klar. Der Markt für Smartphones und Tablets ist ja noch im wachsen und wer sich einmal die App für eine Zeitung gekauft hat, muss sie ja nie wieder bezahlen. Ich frage mich wo die Verlage bitte ihre zukünftigen Einnahmen aus Apps herbekommen möchten. Vor allem wenn sie es hierzulande nicht einmal schaffen auf eine Linie zu kommen, außer es geht um das sogenannte Leistungsschutzrecht.
    Mit ihrer planlosen Einstellung gegenüber des Internets und der blauäugigen Festlegung auf die Apps beweisen sie wiedereinmal, dass sie die Prioritäten genau wie die Musik- und Filmindustrie komplett falsch gesetzt haben. Nun versuchen sie mithilfe der Politik ihre Stellung auf dem deutschen Markt zu zementieren und diskriminieren einzelne Gruppen, welche gezwungen sind für Inhalte zu bezahlen, während es andere noch nicht müssen. Das ist ein Marketing, bei dem einem schwindelig wird! Wer ist für dieses Desaster bitte verantwortlich?
    Ich bin wirklich gespannt, wie die Verhandlungen mit Apple und dem Zeitungskiosk ausgehen. Da wird sich letztendlich zeigen, ob die Zeitungen an ihrer eigenen Zukunft interessiert sind...oder nicht.

    2 Leserempfehlungen
    • Krakz
    • 04. Februar 2011 14:03 Uhr

    das hört sich alles ganz nett an.

    Aber man sollte sich mal das Pricing für Daily ansehen: das sind 10 Prozent eines Tageszeitungsabos. Wenn man damit Marktanteil gewinnt, verliert man gleichzeitig Umsatz

    Zudem: jeder der Inhalte umsonst anbieten möchte - etwa Kundenmagazine oder rein werbefinanzierte Kinoblätter -drängt in diesen Markt. Es gibt also alles in rauen Mengen und das umsonst. Inhaltlich sind viele Sachen sogar sehr gut - das macht den Markt für Bezahl-Angebote sehr eng zumindest im Magazinbereich

    • w.h.k.
    • 04. Februar 2011 14:06 Uhr

    ... sind wirklich saukomisch. Google führt ihnen kostenlos Millionen Leser zu und was machen die Verleger daraus? Sie heulen rum, fordern "Leistungsschutzrechte" und andere Privilegien und begeben sich als Alternative freiwillig in Geiselhaft durch Apple, wo sie dann 30% abdrücken. Herzlichen Glückwunsch!

    4 Leserempfehlungen
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    Apple und die Zeitungen.

    Hat denn die Medienbranche immernoch nichts gelernt? Was Monopole betrifft und so?

    Beispiel Monopoly: Zwar kann ich mir bei einem Superdeal die Schloßallee ertauschen, wenn die Gegenspieler dafür aber schneller ihre günstigen Hotels haben, dann ist das für mich dennoch ein Nachteil. Da kann es noch so ein Schnäppchen gewesen sein - sobald ich auf deren (viel mehr) Felder komme, bin ich dennoch pleite.

    Realität: Die Zeitungen machen Werbung für Apple. Man hört selten "unsere App" sondern immer "unsere iPhone/iPad App". Die Apps für Android und Blackberry werden überhaupt erst für irgendwann später versprochen. Irgendwann. KOSTENLOSE WERBUNG für Apple. Immer wieder. Dafür zahlen sie Apple noch 90 Euro für den Developeraccount und 30% von allem. Von jeder einzelnen verkauften Ausgabe. Hallo? Das bedeutet bei gleichem Preis 30% weniger Umsatz - eine Milchmädcherechnung, der Markt ist stark umkämpft und zwar sogar mit kostenloser Konkurrenz. Eines Tages stellt Apple neue Anforderungen - und man muss sich beugen oder fliegt raus. Und denen schadet das nicht, die haben 1000 Alternativen. Nicht anders war es bei der Musikindustrie, der Apple irgendwann die Preise diktieren konnte.

    Fazit: Die Zeitungen machen mit Apple den Bock zum Gärtner. Sie begeben sich als dumme Schafe in die Wolfshöhle. Ich werde denen nicht nachtrauern, selbst dran schuld. Auch wenn ich es schade fände, wenn Qualitätsjournalismus so ausstirbt, beziehungsweise Suizid begeht.

  2. Apple und die Zeitungen.

    Hat denn die Medienbranche immernoch nichts gelernt? Was Monopole betrifft und so?

    Beispiel Monopoly: Zwar kann ich mir bei einem Superdeal die Schloßallee ertauschen, wenn die Gegenspieler dafür aber schneller ihre günstigen Hotels haben, dann ist das für mich dennoch ein Nachteil. Da kann es noch so ein Schnäppchen gewesen sein - sobald ich auf deren (viel mehr) Felder komme, bin ich dennoch pleite.

    Realität: Die Zeitungen machen Werbung für Apple. Man hört selten "unsere App" sondern immer "unsere iPhone/iPad App". Die Apps für Android und Blackberry werden überhaupt erst für irgendwann später versprochen. Irgendwann. KOSTENLOSE WERBUNG für Apple. Immer wieder. Dafür zahlen sie Apple noch 90 Euro für den Developeraccount und 30% von allem. Von jeder einzelnen verkauften Ausgabe. Hallo? Das bedeutet bei gleichem Preis 30% weniger Umsatz - eine Milchmädcherechnung, der Markt ist stark umkämpft und zwar sogar mit kostenloser Konkurrenz. Eines Tages stellt Apple neue Anforderungen - und man muss sich beugen oder fliegt raus. Und denen schadet das nicht, die haben 1000 Alternativen. Nicht anders war es bei der Musikindustrie, der Apple irgendwann die Preise diktieren konnte.

    Fazit: Die Zeitungen machen mit Apple den Bock zum Gärtner. Sie begeben sich als dumme Schafe in die Wolfshöhle. Ich werde denen nicht nachtrauern, selbst dran schuld. Auch wenn ich es schade fände, wenn Qualitätsjournalismus so ausstirbt, beziehungsweise Suizid begeht.

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  3. Die Musikindustrie hat nicht "so ihren direkten Draht zu den Endverbrauchern" verloren. Es gab diesen direkten Draht nie. Kunden der Plattenfirmen waren niemals die Hörer, sondern Geschäfte wie Walmart. Genauso wie Kunden der Verlage nicht die Leser sind, sondern eine Kombination aus Verkäufern und Werbenden.

  4. Es wäre so einfach, sich zugleich unabhängig von Apple zu machen UND mehr potentielle Kunden zu erreichen: HTML5 (und Flash, aber das schließt die von Steve "Messiah" Jobs ausgesperrten iPhoneisten aus).

    Nicht viel komplizierter wäre es, eine ordentliche, schicke, in Optik und Haptik einer App entsprechende HTML5-Seite zu erstellen. Medien möglich? Klar! Abofunktion? Möglich. Kostenlose Probe für Interessenten? Geht, wir sind ja nicht in Apples App-Store!

    So könnten Abonnenten der Zeitung (oder auch bloß der Onlinezeitung) aus jedem (modernen) Browser auf die Zeitung zugreifen. Idealerweise von Telefonen auf eine kleine Version, von Tablett und PC auf eine große.

    Damit das Appfeeling vollendet wird, schreibt man dann noch eine kleine App. Was die macht? Inhalte cachen, also auf das Gerät zwischenspeichern. So hat man wie in jeder besseren anderen App auch eine Offlinelesemöglichkeit. Da der Programmierungsaufwand aber viel geringer ist, kann man die kostenlos anbieten - wie wäre es mit einem kostenlosen 14-Tage-Abo dazu? Und außerdem kann man sie ganz schnell auch für Android und Blackberry schreiben. Für Windows 7 und Googles neuem Honeycomb. Und Windows Phone 7. Und Palm. Und Symbian (Nokia).

    Und hat im Ergebnis:
    - keine 30% Zwangsabgabe
    - keine monopolistische App-Stellung Apples
    - mehr Leser
    - breiter gefächerte Leserschaft (an Apple scheiden sich die Geister...)
    - mehr Profit

    Aussicht: In Zukunft wird für online produziert - die Zeitung bleibt, ist aber Beiwerk.

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  5. das Hauptproblem, das ich sehe und das sich auch viele Leute fragen: Warum bitte soll ich für eine App zahlen, wenn ich dafür Newsmeldungen zu lesen bekomme, die fast 1:1 von dpa, Reuters oder AFP kopiert wurden und die ich fast völlig im selben Wortlaut bei allen anderen Zeitungen und Newsseiten lesen kann - auch den Kostenlosen wohl gemerkt?

    Den dpa-Ticker gibts kostenlos oder für höchstens wenig Geld fürs Handy. Warum also eine teure App, die mir das Selbe mit irgendwelchen belanglosen Bildern dazu dann präsentiert?

    Wenn die Qualität stimmt, dann wird auch dafür gezahlt. Und das diese Gängelung wie bei iIrgendwas nicht mitgemacht werden sollte, dafür brauchts keine Studie von irgendwelchen Unternehmensberatern. Wenn man die Eigner eben dieser Geräte unter Hinweis auf die Vertragsklauseln von Apple kategorisch von der Versorgung ausschließt, wird schon irgendwann eine Reaktion kommen.

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