Reprap und MakerbotWenn Konsumenten zu Produzenten werden

"Fabbing" das Ausdrucken von dreidimensionalen Gegenständen, könnte dank Open Source die Produktionsgesellschaft umkrempeln. Noch aber sind die Geräte zu frickelig. von 

Der Makerbot im Betahaus in Berlin-Kreuzberg

Der Makerbot im Betahaus in Berlin-Kreuzberg  |  © Johannes Thumfart

Als die Technologie der dreidimensionalen Drucker vor einigen Jahren entwickelt wurde , erschien es manchem, die Replikatoren aus Fernsehserie Star Trek seien Realität geworden. Von einer "Revolution des Selbermachens" wurde geschwärmt . Inzwischen gibt es gleich zwei Open-Source-Systeme zum 3D-Drucken für zu Hause und der Realitätscheck zeigt, dass der Teufel wie immer im Detail steckt.

In der Industrie sind solche digital gesteuerten Produktionsgeräte seit vielen Jahren im Einsatz. Nur kosten die dort verwendeten Systeme mit Computer Aided Design (kurz: CAD) zu viel, als dass sie sich eine Privatperson leisten könnte.

Anzeige

Der Reprap und der Makerbot dagegen ermöglichen es tatsächlich jedem, am Computer entworfene Objekte herzustellen. Bausätze für die Maschinen sind für unter 1000 Euro zu haben, die als Rohmaterial verwendeten Plastik-Filamente sind spottbillig. Und größer als ein Fernseher ist keines der beiden Geräte.

Im Internet sind bereits Foren gewachsen, in denen Entwürfe für den Reprap und den Makerbot ausgetauscht werden. Auf Seiten wie Thingieverse finden sich unzählige Designobjekte, Plastikspielzeuge und natürlich Zubehör für die Maschinen selbst. Denn wie bei allen Open-Source-Projekten steht die ständige Verbesserung der Systeme an oberster Stelle.

3D-Drucken – oder auch Fabbing , wie es die Fans nennen –, ist ein Versuch, den Gedanken Open Source , der im Internet entstand, auf die dingliche Welt zu übertragen. Die Entwürfe sind gemeinfrei, jeder kann sich die entsprechenden Dinge damit nachbauen.

Trotz der bestechenden Idee, allzu viele Anwender gibt es nicht. In Berlin beispielsweise, einer vergleichsweise großen Stadt, lassen sich nur wenige funktionierende 3D-Drucker identifizieren. Ein Gerät steht in der Open Design City im Kreuzberger Betahaus, eines im Keller des Hackerclubs C-Base in Mitte, dem Gründungsort der Piratenpartei.

Für Philip Steffan von der Open Design City war die Anschaffung des Makerbots Teil einer Geschäftsidee. Er wollte ein 3D-Copycenter gründen. Für den Makerbot entschied er sich, weil er den Umgang mit dem Reprap zu frickelig fand. Erst beim Einsatz des Geräts bemerkte er jedoch, dass es noch kaum für den kommerziellen Gebrauch taugt. Hohle Objekte kann es schlecht replizieren und die Größe der Ausdrucke ist ebenfalls beschränkt, höher als zehn Zentimeter sollten sie nicht werden.

Also gab Steffan den Plan mit dem Copyshop auf. Er beschloss, zuerst eine Community zu gründen, die den Gedanken des Open-Source-Designs weiterentwickelt – eben jene Open Design City. Inzwischen treffen sich im Rahmen des Projekts die unterschiedlichsten Leute: Designer, Architekten, Hipster und Punks. Sie kommen, um Steffans Know-how und die Werkzeuge im Betahaus zu nutzen, der Makerbot ist dabei nur eines unter vielen.

Für ihn persönlich, sagt Steffan, sei das Gerät dennoch die Initialzündung gewesen. Er habe zwar noch nie etwas Nützliches damit gedruckt, doch die dahinter stehende Idee inspiriere ihn noch immer.

Leserkommentare
  1. dann brauchen wir ja bald keine designer und ingenieure mehr, wenn sich jeder ganz einfach irgendwelche tollen plastikteile aus dem rechner schütteln kann.
    ich frage mich nur, was ohne technischen sachverstand, ohne ein gespür für form und funktion und ohne cad-kenntnisse, um die tollen ideen auch in vom 3d-printer zu verstehende daten umzusetzen, dabei herauskommen soll...
    wenn man sich ansieht, wie die allgemeine, inhaltliche qualität von fotos mit der massenweisen verbreitung von digitalkameras rapide abgenommen hat, ist zu vermuten, dass wir bald noch schneller in jeder menge sinnfreien und schlecht oder gar nicht funktionierenden plastik-dingensen ersticken. hurra!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das gleiche hat der Baumeister bei der Einführung der Computer gesagt. Doch in der Folge werden heute so viele Ingenieure benötigt wie noch nie. Kein Haus ohne Fachplaner.

    • Detivel
    • 21. Februar 2011 21:45 Uhr

    3D-Printer werden von der (Automobil-)Industrie schon seit geraumer Zeit beim Rapid-Prototyping verwendet...haben in ihrem Kontext absolut ihre Daseinsberechtigung und Sinnhaftigkeit...auf die Anwendung kommt es an.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    die daten, die im industriellen rapid prototyping zur erzeugung der bauteile verwendet werden, haben aber auch einen konstruktionsprozess durchlaufen und sollen dann eine bestimmte funktion erfüllen; nur mal so zum spass wird da auch nichts geprintet. die erzeugung des (funktions-)bauteils kommt als sehr später schritt in einem entwicklungsdurchlauf.

  2. ...Rapid Prototyping ist ein alter Hut, aber die bezahlbare OS-Variante kannte ich noch nicht. Wenn ich nur etwas mehr Zeit hätte :-(

    • Detivel
    • 21. Februar 2011 23:08 Uhr
    4. .....

    ja, das ist schon richtig...eine für den Privatmann unerschwingliche Technik wird damit greifbar...ein Traum für jeden Modellbauer

  3. Stellt Euch mal vor, Ihr könnt die fehlende Schraube des Ikea-Regals aus dem Internet runterladen und einfach ausdrucken. Das ist die absolute Effizienzsteigerung und ökologisch zudem (keine Fahrt zum Schraubengroßhandelsmarkt).

    Zudem gibt es einen ungeheuren Wissenschaftsschub. Individuelle Handyschalen, Computergehäuse, orthopädische Löffel usw. Fortschritt entwickelt sich auf der Basis der individuellen Entwicklung.

    Aber das wird es in dieser Schmierendemokratie leider nicht so schnell geben. Die ewig gleichen Lobby-Terroristen werden angst haben, dass deren Copyrights nicht mehr den Zoll einfahren, Politpensionäre werden Furcht um ihre Schwarzgeldrente haben und die Medien dieser Zeit die Befürchtung die Menschen nicht mehr einschüchtern zu können...

    Das wird ein klassischer BRD-mp3FAX.

  4. Das gleiche hat der Baumeister bei der Einführung der Computer gesagt. Doch in der Folge werden heute so viele Ingenieure benötigt wie noch nie. Kein Haus ohne Fachplaner.

    Antwort auf "toll..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ohne die leute, die den computer / printer mit sinnigen daten füttern, kommt nicht viel brauchbares dabei heraus, seien es nun bauteile oder ganze häuser oder maschinen.

    die idee, dass man sich gegen bezahlung die bereits fertigen daten für ersatzteile, zubehörteile, etc. aus dem netz herunterladen kann, um sie dann mit dem eigenen 3d-printer zu erzeugen, finde ich sehr interessant und in vielen fällen auch effektiv. dass wir uns aber in zukunft unsere komplexen gimmicks wie z.b. kameras, mobiltelefone, usw. selber ausdrucken und zusammenschrauben, glaube ich nicht.

  5. Ganze Autos wurden bereits gedruckt. An einer Variante die Häuser druckt wurde gearbeitet. Elektronische Schaltungen ebenfalls. Selbst künstliche Hüftgelenke.
    Der OS Bereich ist Ideal, weil nicht jeder CAD Fachmann sein muss. Ein Download reicht ggf.
    Das Problem ist, dass Deutschland diese Technik wieder verschläft, wie einige andere zukunftsweisende Technologiebereiche.

  6. das gesellschaftliche Zusammenleben neu zu organisieren.

    Oder meint jemand, wir könnten mit dieser und anderer neuen Technik noch mit unseren alten Gesellschaftsmodellen mithalten?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    auch die Gesellschaftsordnungen müssen den zu erwartenden Entwicklungen angepaßt werden. Insbesoders die Robotik wird erhebliche Anpassungen erforderlich machen. Aber die Politik reagiert immer nur und das erheblich zeitverögert. Mir ist ziemlich klar wohin das führen wird, und mir graust davor. Wenn wir nicht langsam ein System entwickeln, dass eine erhbebliche Beschleunigung der gesellschaftlichen Evolution ermöglicht, sehe ich schwarz für die Menschen in Deutschland.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Design | Internet | Piratenpartei | Technologie | Berlin
Service