FacebookWenn Klicks gefährlich werden

Nach Google entwickelt sich nun Facebook zu einem wichtigen Klickbringer für Zeitungsverlage. Doch der Pakt mit dem blauen Netzwerk ist riskant. von 

Facebookchef Marc Zuckerberg bei der Vorstellung von "Groups", einer neuen Art, soziale Kontakte zu organisieren

Facebookchef Marc Zuckerberg bei der Vorstellung von "Groups", einer neuen Art, soziale Kontakte zu organisieren  |  © Justin Sullivan/Getty Images

Facebook ist eine Traffic-Maschine. Das weltumspannende Netzwerk lenkt Nutzerströme – davon profitieren auch Online-Medien. Ob Süddeutsche , Bild , Spiegel oder Welt – viele Zeitungsverlage hierzulande haben den Like -Knopf bereits auf ihre Seiten gestellt, auch wenn Facebook in Deutschland noch vergleichsweise klein und die Bedeutung von Google als Traffic-Lieferant noch sehr viel größer ist .

Dieser kleine, blaue Knopf ist eigentlich ein Programm. Ist er auf einer Seite installiert und wird angeklickt, postet er einen Link zu der betreffenden Seite im Facebook-Profil desjenigen, der ihn klickte. Dort können andere den Inhalt sehen, diskutieren, weiterverbreiten.

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Bei Bild.de kämen bereits "knapp zehn Prozent" der Besucher direkt über das Netzwerk, berichtet das FAZ -Blog Netzökonom unter Berufung auf eine Studie des Marktforschungsunternehmens Comscore . Insgesamt sei die Zahl von Facebook-Clicks auf den untersuchten Medienseiten in den vergangenen zwölf Monaten zwischen 130 und 470 Prozent gestiegen.

Das sind beeindruckende Zuwachsraten, die nicht nur in Deutschland beobachtet werden. In den USA untersuchte Yahoo kürzlich diese Besucherströme in der " Like Log Study " – mit ähnlichen Ergebnissen. Dort profitiert die New York Times am stärksten von der Entwicklung. Im Durchschnitt bekomme einer ihrer Texte 400 Likes , wobei die Faustregel gelten könne, dass es 100 Seitenaufrufe ( pageviews ) brauche, um einen Like zu bekommen. Facebook beschert einem durchschnittlichen NYT -Text also 40.000 Zugriffe. Eine Topstory kann bis zu 100.000 Likes bekommen.

Privatsphäre

Die 2004 gestartete Seite Facebook will nach Aussage ihre Gründers Mark Zuckerberg die Welt offener und vernetzter machen. Das gelingt ihr offensichtlich viel zu gut, gab es doch bereits häufig Proteste, Facebook nötige seine Nutzer zu mehr Offenheit, als diese sich wünschten. So sammelt die Seite E-Mail-Adressen und Telefonnummern auch von Nichtmitgliedern, wenn Mitglieder ihr Adressbuch bei Facebook speichern. Sie nutzt diese Informationen, um Nichtmitglieder zu kontaktieren. Facebook betont, dass dabei keine "Schattenprofile" von Nichtmitgliedern erstellt werden. Der Konzern hat auf den Widerstand seiner Nutzer reagiert und zumindest die möglichen Einstellungen, welche Profilinformationen für wen sichtbar sein sollen, überarbeitet. Auch "Gruppen" wurden eingeführt. Nutzer können ihre Kontakte in solchen organisieren, damit nicht jede Information an alle geht.

Vernetzung

Aufgrund der Struktur der Seite ist es jedoch möglich, Schlüsse über jemanden zu ziehen, die er so nicht beabsichtigt hatte. Allein die als Freunde bezeichneten Mitglieder können durch ihre Interessen beispielsweise nahe legen, dass jemand homosexuell ist, auch wenn er selbst das nicht in seinem Profil angibt. Der hohe Vernetzungsgrad und die vielen verfügbaren Informationen machen es möglich, statistische Wahrscheinlichkeiten zu berechnen und so neue Schlüsse zu ziehen. Kritiker sagen, das Netzwerk könne beispielsweise für Dissidenten lebensgefährlich sein, da es Gruppenstrukturen durchschaubar mache.

Profil

Wer Facebook nutzen, aber so wenig wie möglich über sich verraten will, sollte beispielsweise keinen Gruppen beitreten und keine persönlichen Interessen wie Musik angeben. Was genau das eigene Profil nach außen sichtbar macht, lässt sich unter anderem bei dieser Seite abfragen. Sie nutzt die offizielle API von Facebook, die Schnittstelle also, durch die externe Firmen Informationen über Mitglieder beziehen dürfen. Wer sich darüber hinaus davor schützen will, dass ihm mit einem gestohlenen Passwort sein halbes Leben abhanden kommt, kann inzwischen beim Login in seinen Account temporäre Passwörter nutzen.

Und nicht nur einzelne Texte profitieren: Wie viele andere Firmen haben auch Medien längst Profilseiten in dem Netzwerk angelegt – auch ZEIT ONLINE . Wer sich auf diesen Seiten als Fan registriert, wird zum Werbeträger der Marke .

In Deutschland sind zwar erst 17 Prozent der Internetnutzer bei Facebook – und nicht 50 Prozent oder mehr, wie beispielsweise in den USA – doch diese Zahl wächst schnell, deutsche Angebote wie StudiVZ sind längst überholt worden.

Im Sommer vergangenen Jahres erkannte das auch der Verband der Zeitschriftenverleger (VDZ). In einem Papier mit dem Titel Die Bedeutung von Facebook für Verlage (nicht kostenlos online) heißt es, Facebook biete zusätzliche Reichweite und Zugang zu Kunden.

Der Facebook-Traffic aber hat Nachteile. Verlage fürchten zum Beispiel, dass der Leser künftig "Facebook gehört", da er auf den Servern des Netzwerks bleibt, auch wenn er dort Facebook-fremde Inhalte liest.

Leserkommentare
    • Krakz
    • 31. März 2011 11:47 Uhr

    ja wenn man sich mit dem Teufel einlässt, verändert sich nie der Teufel ....

    Den Verlagen ist zum Thema "Internet" noch nie etwas Innovatives eingefallen.
    Man denke nur an den Lacher mit dem WeePad

    Die letzte Superidee war es wohl in Apps für Mobile Devices Riesen-Monster-Stories einzuarbeiten, die die meisten Menschen schon gedruckt kaum lesen. Naja was soll es: Damit wird wenigestens die Meinungsmacht der Verlegerfamilien gebrochen - ist ja auch schon was

    • JKrems
    • 31. März 2011 12:03 Uhr

    Der Artikel ist an einigen wichtigen Stellen nicht ganz richtig:

    1. Der Nutzer kann den Artikel, der geliket wurde, nicht auf Facebook lesen. Damit ist die EINZIGE Wirkung des Like-Buttons die, dass Traffic auf die Originalseite gelenkt wird. Auf Facebook erscheint nur ein Teaser.

    2. Man kann die Likes durchaus auch einer Fanpage anrechnen lassen, niemand ist zur Fragmentierung gezwungen.

    3. Zu einem Virus gehört, dass Sicherheitslücken ausgenutzt werden und eine Weiterverbreitung statt findet. Das ist meines Wissens beim Like-Button nicht der Fall. Mehr noch: Eine HTML-Seite ohne Javascript zu erwarten, ist nicht zeitgemäß.

    4. Die Klarnamen der Likenden zu bekommen ist, anders als der Artikel suggeriert, alles andere als einfach

    5. Die gesammelten demographischen Daten sind zumindest in einem relativ großen Umfang für den Seitenbetreiber einsichtig (Insights)

    6. Sich darüber zu beschweren, dass die meisten Leute Artikel auf Bild-Niveau liken ist ähnlich sinnvoll, wie sich darüber zu beschweren, dass die meisten Leute Bild lesen.

    3 Leserempfehlungen
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    Redaktion

    Sehr geehrter JKrems,

    das stimmt nur für Texte. Bilder und Videos werden innerhalb Facebooks dargestellt. Und die einzige Wirkung ist eben nicht der Traffic. Für Facebook ist der sekundär. Die wichtigste Wirkung sind die entstehenden Daten.

    Und ja, einen Teil der daten gibt Facebook über Insight zurück. Allerdings weiß wohl niemand, wie viele wirklich erhoben werden und wie viele davon bei insight zu sehen sind. Transparenz gibt es bei dem System nicht.

    Von schwer oder leicht war gar nicht die Rede, aber die Idee des open graph protocols ist es, dass Seiten ihre Nutzer ansprechen - daher ihnen Werbung auch direkt schicken können. Facebook übermittelt dazu Daten wie Name, Bild, etc.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

    "3. Zu einem Virus gehört, dass Sicherheitslücken ausgenutzt werden und eine Weiterverbreitung statt findet. Das ist meines Wissens beim Like-Button nicht der Fall. Mehr noch: Eine HTML-Seite ohne Javascript zu erwarten, ist nicht zeitgemäß."

    1) Ja, die meisten Seiten nutzen JavaScript, aber eigentlich sollte die Grundfunktion auch ohne erhalten bleiben (Beiträge Posten ist keine Grundfunktion).
    Der Nichtgebrauch von JavaScript dürfte die Batterielebensdauer von Notebooks erhöhen, und auch lästige Animationen loswerden.

    2) "Wie ein Virus im Text". es gibt den Englischen begriff "viral", und sofern ich den richtig verstehe geht es dabei um Inhalte die sich schnell verbreiten. Dies ist beim facebook Ding der Fall, er wird überall eingebaut und fungiert als Tracker.

    3) Sicherheitslücke - das kann man so oder so sehen, heutige Browser speien so viele Informationen aus dass man auch ohne Log In bei Facebook relativ identifizierbar ist, das ist eigentlich eine grundsätzliche Sicherheitslücke per Systemfehler. Das Problem hier ist, dass die facebook oder google theoretisch durch das ganze Netz verfolgen könnten, solange dieses "Ding" auf der Seite vorhanden ist, oder google analytics. Haben sie sich je analytics angeschaut? Da wissen sie von wo Leute auf ihre Seite kommen (Land, Stadt) welches Betriebssystem sie nutzen, die Bildschirmauflösung... -> ja, einiges kann man selbst auswerten, man würde sich nur nie die Mühe machen.
    Dieses Facebook Ding sammelt sicherlich ähnliches.

  1. dürfte jedem klar sein,der Facebook kennt.
    Allerdings werde ich mir überlegen mich bei Facebook abzumelden,weil ich nicht mit der Blödheit der "Bildzeitungsleser"in Verbindung gebracht werden will!

    2 Leserempfehlungen
  2. Redaktion

    Sehr geehrter JKrems,

    das stimmt nur für Texte. Bilder und Videos werden innerhalb Facebooks dargestellt. Und die einzige Wirkung ist eben nicht der Traffic. Für Facebook ist der sekundär. Die wichtigste Wirkung sind die entstehenden Daten.

    Und ja, einen Teil der daten gibt Facebook über Insight zurück. Allerdings weiß wohl niemand, wie viele wirklich erhoben werden und wie viele davon bei insight zu sehen sind. Transparenz gibt es bei dem System nicht.

    Von schwer oder leicht war gar nicht die Rede, aber die Idee des open graph protocols ist es, dass Seiten ihre Nutzer ansprechen - daher ihnen Werbung auch direkt schicken können. Facebook übermittelt dazu Daten wie Name, Bild, etc.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Teil-Richtig"
  3. "3. Zu einem Virus gehört, dass Sicherheitslücken ausgenutzt werden und eine Weiterverbreitung statt findet. Das ist meines Wissens beim Like-Button nicht der Fall. Mehr noch: Eine HTML-Seite ohne Javascript zu erwarten, ist nicht zeitgemäß."

    1) Ja, die meisten Seiten nutzen JavaScript, aber eigentlich sollte die Grundfunktion auch ohne erhalten bleiben (Beiträge Posten ist keine Grundfunktion).
    Der Nichtgebrauch von JavaScript dürfte die Batterielebensdauer von Notebooks erhöhen, und auch lästige Animationen loswerden.

    2) "Wie ein Virus im Text". es gibt den Englischen begriff "viral", und sofern ich den richtig verstehe geht es dabei um Inhalte die sich schnell verbreiten. Dies ist beim facebook Ding der Fall, er wird überall eingebaut und fungiert als Tracker.

    3) Sicherheitslücke - das kann man so oder so sehen, heutige Browser speien so viele Informationen aus dass man auch ohne Log In bei Facebook relativ identifizierbar ist, das ist eigentlich eine grundsätzliche Sicherheitslücke per Systemfehler. Das Problem hier ist, dass die facebook oder google theoretisch durch das ganze Netz verfolgen könnten, solange dieses "Ding" auf der Seite vorhanden ist, oder google analytics. Haben sie sich je analytics angeschaut? Da wissen sie von wo Leute auf ihre Seite kommen (Land, Stadt) welches Betriebssystem sie nutzen, die Bildschirmauflösung... -> ja, einiges kann man selbst auswerten, man würde sich nur nie die Mühe machen.
    Dieses Facebook Ding sammelt sicherlich ähnliches.

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    Antwort auf "Teil-Richtig"
  4. Und zum Thema Browser - probieren sie mal Panopticlick der Eletronic Frontier Foundation, meine 3 Browser die mir zu Verfügung stehen sind in ihrem Datrensatz einzigartig...
    https://panopticlick.eff.org

    Eine Leserempfehlung
    • rowa74
    • 31. März 2011 13:15 Uhr

    "Insgesamt sei die Zahl von Facebook-Clicks auf den untersuchten Medienseiten in den vergangenen zwölf Monaten um 130 auf 470 Prozent gestiegen."

    Den Satz kapiere ich nicht. Wer erklärt es mir?

    Eine Leserempfehlung
  5. ...wenn doch bald unlöschbare politische Profile von jedem online zu finden sind, der sich an öffentlichen Dabatten beteiligen möchte? Ok, dank des Wahlgeheimnisses ist wenigstens kein Stimmenkauf möglich.

    Was wir brauchen, sind knallharte Antidiskriminierungsgesetzte, damit die Angst vor der Arbeitslosigkeit uns nicht davon abhält uns öffentlich zu äußern.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | Yahoo | Facebook | Oscarverleihung | StudiVZ | USA
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