FacebookWenn Klicks gefährlich werden
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Wer hat die Hoheit über die Daten?

Vor allem aber verlieren die Verlage die Hoheit über die Daten. Der Like -Knopf, ist er einmal auf einer Seite installiert, agiert wie ein Virus und lädt diverse Skripte nach, um auszuwerten, wer sich wann auf der Seite herumtreibt. Durch die Verknüpfung dieser Informationen mit den Klarnamen der Facebook-Profile erhält der amerikanische Konzern sehr viel genauere Informationen über die Leser einer Seite, als die Betreiber selbst. Das ist aus Datenschutzgründen ein Problem , aber auch aus der Sicht der Medien. Denn sie erfahren von Facebook nicht einmal, was genau ausgelesen wird.

Zwar können sie über das sogenannte open graph protocol einen Teil der Daten zurückbekommen, vor allem Daten über den Nutzer, der auf den Knopf drückte. Damit aber machen sie sich abhängig von Facebook. Und haben ein weiteres Datenschutzproblem. Leser sind damit eindeutig identifizierbar, ohne sich dessen im Zweifel bewusst zu sein, oder einer solchen Identifizierung zugestimmt zu haben. Und das open graph protocol hat noch eine Funktion: Hat ein Seitenbetreiber, der es nutzt, auch eine Fanpage bei Facebook, schafft er sich selbst Konkurrenz. Denn das Protokoll soll einen Kontakt zwischen dem Nutzer und dem Inhalt möglich machen, wozu innerhalb Facebooks eine eigenständige Seite erstellt wird. Auf der erscheinen dann die geliketen Inhalte – parallel zu einer etwaigen eigenen Fansite .

Gleichzeitig sind es nicht unbedingt die großen Sozialreportagen und die politischen Berichte, die sich dort gut verbreiten – jene Inhalte also, die aufwändig und teuer in der Produktion sind. In der Yahoo-Studie wurden die 40 Geschichten ausgezählt, die zwischen Oktober 2010 und Januar 2011 in den USA am meisten gelesen und geliked wurden. Nur vier davon enthielten politische Nachrichten. Der große Rest waren Fotostrecken, Kommentare oder es ging um Lifestyle, Humor und die Seltsamkeiten des Lebens.

Außerdem ist es offensichtlich nicht so, dass Facebook einen breiten Strom an Lesern bringt. Die Autoren der Yahoo-Studie zumindest empfehlen, sich auf wenige Geschichten zu konzentrieren, wenn es darum geht, den Facebook-Traffic zu verbessern. " Big effort for big story ", lautet ihr Rat, was sinngemäß meint, viel Aufwand zu betreiben beim interessantesten Thema, und andere eher zu ignorieren.

Wobei interessant eben nicht soziale Probleme oder politische Krisen meint. Die Yahoo-Empfehlungen für die Inhalte der big stories lautet: Event-Berichterstattung zu Ereignissen wie der Oscarverleihung oder dem Superbowl, Listen wie Vanity Fair Best Dressed , Liveblogs von Veranstaltungen wie der Apple-Produktshow oder Kommentare zu kontroversen Themen.

Ignorieren können Online-Medien Facebook trotz dieser Probleme nicht, zu schnell wächst das Netzwerk, zu wichtig wird es in Zukunft sein, gerade, um junge Leser zu erreichen. Dass der Umgang damit nicht einfach ist, ist offensichtlich auch den Verlagen klar. Immerhin stellt ihr Branchenverband VDZ in seinem Papier einige "Forderungen" an Facebook: Demnach wollen die Verlage "an der Monetarisierung ihrer Inhalte beteiligt werden, die Hoheit über ihre User behalten, sicherstellen, dass die Datenschutzbestimmungen eingehalten werden, faire Transaktionskosten und Transparenz herstellen, um zu verstehen, wohin sich Facebook entwickeln will".

Das könnte schwierig werden. Eine ähnliche Debatte haben deutsche Verleger schon einmal gestartet –  zum Umgang mit Google. Sie begann mit der Forderung nach einer Beteiligung an den Gewinnen von Google und gipfelte im vorsichtig ausgedrückt umstrittenen Vorschlag an die Politik, ein "Leistungsschutzrecht" einzuführen. Google hielt dagegen, die Verlage sollten experimentieren , statt an alten Geschäftsmodellen festzuhalten.

Nun also Facebook. Die Verleger wollen nicht ohne das blaue Netzwerk – und haben doch Bauchschmerzen beim Umgang mit ihm. Kein Wunder, denn im Vergleich zu Facebook sind Verlage,  vor allem die deutschen, einfach sehr klein .

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Leserkommentare
    • Krakz
    • 31. März 2011 11:47 Uhr

    ja wenn man sich mit dem Teufel einlässt, verändert sich nie der Teufel ....

    Den Verlagen ist zum Thema "Internet" noch nie etwas Innovatives eingefallen.
    Man denke nur an den Lacher mit dem WeePad

    Die letzte Superidee war es wohl in Apps für Mobile Devices Riesen-Monster-Stories einzuarbeiten, die die meisten Menschen schon gedruckt kaum lesen. Naja was soll es: Damit wird wenigestens die Meinungsmacht der Verlegerfamilien gebrochen - ist ja auch schon was

    • JKrems
    • 31. März 2011 12:03 Uhr

    Der Artikel ist an einigen wichtigen Stellen nicht ganz richtig:

    1. Der Nutzer kann den Artikel, der geliket wurde, nicht auf Facebook lesen. Damit ist die EINZIGE Wirkung des Like-Buttons die, dass Traffic auf die Originalseite gelenkt wird. Auf Facebook erscheint nur ein Teaser.

    2. Man kann die Likes durchaus auch einer Fanpage anrechnen lassen, niemand ist zur Fragmentierung gezwungen.

    3. Zu einem Virus gehört, dass Sicherheitslücken ausgenutzt werden und eine Weiterverbreitung statt findet. Das ist meines Wissens beim Like-Button nicht der Fall. Mehr noch: Eine HTML-Seite ohne Javascript zu erwarten, ist nicht zeitgemäß.

    4. Die Klarnamen der Likenden zu bekommen ist, anders als der Artikel suggeriert, alles andere als einfach

    5. Die gesammelten demographischen Daten sind zumindest in einem relativ großen Umfang für den Seitenbetreiber einsichtig (Insights)

    6. Sich darüber zu beschweren, dass die meisten Leute Artikel auf Bild-Niveau liken ist ähnlich sinnvoll, wie sich darüber zu beschweren, dass die meisten Leute Bild lesen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Sehr geehrter JKrems,

    das stimmt nur für Texte. Bilder und Videos werden innerhalb Facebooks dargestellt. Und die einzige Wirkung ist eben nicht der Traffic. Für Facebook ist der sekundär. Die wichtigste Wirkung sind die entstehenden Daten.

    Und ja, einen Teil der daten gibt Facebook über Insight zurück. Allerdings weiß wohl niemand, wie viele wirklich erhoben werden und wie viele davon bei insight zu sehen sind. Transparenz gibt es bei dem System nicht.

    Von schwer oder leicht war gar nicht die Rede, aber die Idee des open graph protocols ist es, dass Seiten ihre Nutzer ansprechen - daher ihnen Werbung auch direkt schicken können. Facebook übermittelt dazu Daten wie Name, Bild, etc.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

    "3. Zu einem Virus gehört, dass Sicherheitslücken ausgenutzt werden und eine Weiterverbreitung statt findet. Das ist meines Wissens beim Like-Button nicht der Fall. Mehr noch: Eine HTML-Seite ohne Javascript zu erwarten, ist nicht zeitgemäß."

    1) Ja, die meisten Seiten nutzen JavaScript, aber eigentlich sollte die Grundfunktion auch ohne erhalten bleiben (Beiträge Posten ist keine Grundfunktion).
    Der Nichtgebrauch von JavaScript dürfte die Batterielebensdauer von Notebooks erhöhen, und auch lästige Animationen loswerden.

    2) "Wie ein Virus im Text". es gibt den Englischen begriff "viral", und sofern ich den richtig verstehe geht es dabei um Inhalte die sich schnell verbreiten. Dies ist beim facebook Ding der Fall, er wird überall eingebaut und fungiert als Tracker.

    3) Sicherheitslücke - das kann man so oder so sehen, heutige Browser speien so viele Informationen aus dass man auch ohne Log In bei Facebook relativ identifizierbar ist, das ist eigentlich eine grundsätzliche Sicherheitslücke per Systemfehler. Das Problem hier ist, dass die facebook oder google theoretisch durch das ganze Netz verfolgen könnten, solange dieses "Ding" auf der Seite vorhanden ist, oder google analytics. Haben sie sich je analytics angeschaut? Da wissen sie von wo Leute auf ihre Seite kommen (Land, Stadt) welches Betriebssystem sie nutzen, die Bildschirmauflösung... -> ja, einiges kann man selbst auswerten, man würde sich nur nie die Mühe machen.
    Dieses Facebook Ding sammelt sicherlich ähnliches.

  1. dürfte jedem klar sein,der Facebook kennt.
    Allerdings werde ich mir überlegen mich bei Facebook abzumelden,weil ich nicht mit der Blödheit der "Bildzeitungsleser"in Verbindung gebracht werden will!

  2. Redaktion

    Sehr geehrter JKrems,

    das stimmt nur für Texte. Bilder und Videos werden innerhalb Facebooks dargestellt. Und die einzige Wirkung ist eben nicht der Traffic. Für Facebook ist der sekundär. Die wichtigste Wirkung sind die entstehenden Daten.

    Und ja, einen Teil der daten gibt Facebook über Insight zurück. Allerdings weiß wohl niemand, wie viele wirklich erhoben werden und wie viele davon bei insight zu sehen sind. Transparenz gibt es bei dem System nicht.

    Von schwer oder leicht war gar nicht die Rede, aber die Idee des open graph protocols ist es, dass Seiten ihre Nutzer ansprechen - daher ihnen Werbung auch direkt schicken können. Facebook übermittelt dazu Daten wie Name, Bild, etc.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

    Antwort auf "Teil-Richtig"
  3. "3. Zu einem Virus gehört, dass Sicherheitslücken ausgenutzt werden und eine Weiterverbreitung statt findet. Das ist meines Wissens beim Like-Button nicht der Fall. Mehr noch: Eine HTML-Seite ohne Javascript zu erwarten, ist nicht zeitgemäß."

    1) Ja, die meisten Seiten nutzen JavaScript, aber eigentlich sollte die Grundfunktion auch ohne erhalten bleiben (Beiträge Posten ist keine Grundfunktion).
    Der Nichtgebrauch von JavaScript dürfte die Batterielebensdauer von Notebooks erhöhen, und auch lästige Animationen loswerden.

    2) "Wie ein Virus im Text". es gibt den Englischen begriff "viral", und sofern ich den richtig verstehe geht es dabei um Inhalte die sich schnell verbreiten. Dies ist beim facebook Ding der Fall, er wird überall eingebaut und fungiert als Tracker.

    3) Sicherheitslücke - das kann man so oder so sehen, heutige Browser speien so viele Informationen aus dass man auch ohne Log In bei Facebook relativ identifizierbar ist, das ist eigentlich eine grundsätzliche Sicherheitslücke per Systemfehler. Das Problem hier ist, dass die facebook oder google theoretisch durch das ganze Netz verfolgen könnten, solange dieses "Ding" auf der Seite vorhanden ist, oder google analytics. Haben sie sich je analytics angeschaut? Da wissen sie von wo Leute auf ihre Seite kommen (Land, Stadt) welches Betriebssystem sie nutzen, die Bildschirmauflösung... -> ja, einiges kann man selbst auswerten, man würde sich nur nie die Mühe machen.
    Dieses Facebook Ding sammelt sicherlich ähnliches.

    Antwort auf "Teil-Richtig"
  4. Und zum Thema Browser - probieren sie mal Panopticlick der Eletronic Frontier Foundation, meine 3 Browser die mir zu Verfügung stehen sind in ihrem Datrensatz einzigartig...
    https://panopticlick.eff.org

    • rowa74
    • 31. März 2011 13:15 Uhr

    "Insgesamt sei die Zahl von Facebook-Clicks auf den untersuchten Medienseiten in den vergangenen zwölf Monaten um 130 auf 470 Prozent gestiegen."

    Den Satz kapiere ich nicht. Wer erklärt es mir?

  5. ...wenn doch bald unlöschbare politische Profile von jedem online zu finden sind, der sich an öffentlichen Dabatten beteiligen möchte? Ok, dank des Wahlgeheimnisses ist wenigstens kein Stimmenkauf möglich.

    Was wir brauchen, sind knallharte Antidiskriminierungsgesetzte, damit die Angst vor der Arbeitslosigkeit uns nicht davon abhält uns öffentlich zu äußern.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | Yahoo | Facebook | Oscarverleihung | StudiVZ | USA
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