GoogleScheitern als Geschäftsmodell
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Überall Kolonien gründen

"Wer allein auf die Misserfolge von Google schaut, hat ihr Geschäftsmodell nicht verstanden. Sie betreiben eine neue Art von Wettbewerb", sagt der Technologe Paul Saffo, der die Prognosefirma Discern Analytics in San Francisco leitet. Das Geschäftsmodell der Vergangenheit bestand laut Saffo darin, seinen Gegner in einer Schachpartie matt zu setzen – wie es Microsoft mit kleineren Konkurrenten wie Netscape oder Intuit versuchte. Googles Engagement in allen Bereichen ist demgegenüber der Versuch einer Landnahme wie beim chinesischen Strategiespiel Go.

Dank Internet lässt sich diese Methode fast automatisieren. Neue Produkte werden im Alpha- oder Betastadium präsentiert, und die Entwickler schauen zu, was die Nutzer mit ihnen anstellen, und wie sie sie einsetzen. Twitter wurde auf diese Art groß, Kommentierungen und Verschlagwortung mit Hilfe des #-Symbols beispielsweise verdankt der Dienst seinen Nutzern.

Korrekturen an einem Angebot werden damit zum Beweis der Qualitätskontrolle. Und nicht der Makel bestimmt den Wert einer Marke, sondern wie damit umgegangen wird. Der scheidende Google-Chef Eric Schmidt verkündete vergangenes Jahr: "Wir feiern unsere Fehlschläge." Und in seinen Reden zelebrierte er immer wieder den Mut zum Scheitern.

Wer nur auf Googles Flops blickt, vergisst zudem die Erfolge des Unternehmens. Während Google seit Anfang 2009 neun Dienste beerdigte, ist sein mobiles Betriebssystem Android zur zweitgrößten Plattform hinter Nokia aufgestiegen und wird neben Smartphones auch bald auf Tabletrechnern Apples iOS Konkurrenz machen.

"Google identifiziert eine profitable Region und verwandelt sie in eine digitale Wüste, in der sich niemand anders ansiedeln kann", sagt Analyst Paul Saffo. Das funktioniert für jene, die als erste eine Kolonie gründen, oder für jene, die zwar später kommen, ihre Dienste aber verschenken – wie Google das Betriebssystem Android. Langsamere oder kleinere Widersacher, die keine breite Produktpalette haben, um den Umsatzverlust aufzufangen, bleiben in Googles Servicewüste auf der Strecke.

Gleichzeitig schickt Google regelmäßig Expeditionen in unerforschtes oder feindliches Terrain. Das Risiko, dass die Projekte dabei untergehen oder stark dezimiert zurückkommen, ist kalkuliert.

Letztlich ist es Ansichtssache, wie der Begriff Flop definiert wird. GoogleTV etwa, im Mai 2010 angekündigt, ist bislang wenig mehr als eine Absichtserklärung, die an mangelnder Unterstützung von Fernsehherstellern und der offenen Feindschaft großer TV- und Kabelnetze leidet. Bei der Verbraucherelektronik-Messe CES im Januar musste Google gar seine wenigen Hardware-Partner zurückpfeifen, da die Software hakte und es einfach zu wenig zu zeigen gab. "Dieser Markt ist so jung, dass sich alle darum prügeln, also muss man abwarten, was Google daraus macht", sagt Saffo.

So sieht es auch Google-Beobachter Danny Sullivan, der die Webseite Search Engine Land betreibt. Er machte unlängst Schlagzeilen, weil er Microsofts Suchmaschine bing anprangerte, weil sie angeblich bei Googles Resultaten stibitzt. "GoogleTV ist zu jung, um es einen Flop zu nennen", glaubt Sullivan. "Aber es ist bislang alles andere als ein Hit."

Leserkommentare
  1. Google breitet sich in der Welt aus wie ein globaler Hirntumor.

    Sobald sich Start-Ups mit guten Ideen und Produkten auf den Markt wagen, besteht die Gefahr, dass sie von einem Google-Tsunami überrollt werden. Dann wirft Google mal schnell ein Alternativprodukt hin, das zwar nur mittelmäßig, dafür aber so günstig ist, dass die Konkurrenten keine Chance haben, da sie im Gegensatz zu Google nicht einfach so Milliarden in den Sand setzen können.

    Ich frage mich, wann denn endlich staatlicherseits ein Umdenken einsetzt und Google als das gesehen wird, was es ist: eine Bedrohung des freien Marktes auf dem besten Weg zum globalen Supermonopolisten.

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    • GDH
    • 01. März 2011 17:16 Uhr

    Der Punkt, an dem ein Fernseh- Zeitschriften- oder Radioanbieter mit einem Marktanteil, wie ihn google z.B. bei Suchmaschinen und Videoportalen hat, ins Visier von Kartellbehörden geraten wäre, ist längst überschritten.

    Ich weis nicht, ob google seine enorme Reichweite einsetzt um politischen Einfluss (im Sinne einer Beeinflussung der von google-Diensten bevorzugt angezeigten Inhalte) zu nehmen. Es würde schon völlig reichen, dass einige Politiker das glauben und dann einem Konflikt eher aus dem Weg gehen.

    Auf ein Bewusstsein beim Konsumenten, dass Monopole für die Informationsbeschaffung nicht gut sind, würde ich noch am ehesten setzen (bloß muss der dann erstmal wissen, wo die alles hinterstecken bzw. wer deren Dienste wie z.B. analytics im Hintergrund einsetzt).

    Wie ich dieses Google rumgehacke nicht mehr lesen kann. Die Redmonder Lobbyabteilung leistet wirklich ganze Arbeit.

    • qbrick
    • 02. März 2011 8:52 Uhr

    und sagen uns, welches Betriebssystem Sie auf Ihrem Rechner haben. Die Chance ist 9 zu 1, daß es sich um MS Windows handelt. Haben Sie sich mal gefragt, wie es sein kann, daß etwas so Grundlegendes wie eine Betriebssystemplattform auf 90% aller im Handel befindlichen Rechner von einem einzigen Herstellers stammt? Ein Hersteller, der erwiesenermaßen die Computerfabrikanten durch die Androhung höherer Preise für seine Software zwingt, Konkurrenzbetriebssysteme nicht anzubieten. Ein Hersteller, der immer wieder Softwareschnittstellen durch seine herrschende Stellung am Markt durchsetzt, die nur er "versteht"? Ein Hersteller, der offene, dokumentierte Schnittstellen aus der Zeit, bevor dieser in den Markt eintrat, zu vernichten versucht, um seine eigenen geschlossenen Schnittstellen durchzusetzen.
    Man könnte hier endlos weitermachen. Mich interessiert als Verbraucher in bezug auf Google neben der Frage der Verwendung meiner persönlicher Daten nur eins: Sind Googles Dienste geeignet, Konkurrenten vom Markt auszuschließen und mir damit die Freiheit der Wahl wegzunehmen, wie dies Microsoft mittlerweile seit 20 Jahren praktiziert? Solange GMail und Konsorten einfach durch Konkurrenzdienste zu ersetzen sind, ist Google kein Problem und schon lange keine Bedrohung,[...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

    • GDH
    • 01. März 2011 17:16 Uhr

    Der Punkt, an dem ein Fernseh- Zeitschriften- oder Radioanbieter mit einem Marktanteil, wie ihn google z.B. bei Suchmaschinen und Videoportalen hat, ins Visier von Kartellbehörden geraten wäre, ist längst überschritten.

    Ich weis nicht, ob google seine enorme Reichweite einsetzt um politischen Einfluss (im Sinne einer Beeinflussung der von google-Diensten bevorzugt angezeigten Inhalte) zu nehmen. Es würde schon völlig reichen, dass einige Politiker das glauben und dann einem Konflikt eher aus dem Weg gehen.

    Auf ein Bewusstsein beim Konsumenten, dass Monopole für die Informationsbeschaffung nicht gut sind, würde ich noch am ehesten setzen (bloß muss der dann erstmal wissen, wo die alles hinterstecken bzw. wer deren Dienste wie z.B. analytics im Hintergrund einsetzt).

  2. Wie ich dieses Google rumgehacke nicht mehr lesen kann. Die Redmonder Lobbyabteilung leistet wirklich ganze Arbeit.

  3. ...und all die anderen Parasiten im Web - Ghostery in Firefox, das blockt Tracker :)

    Dazu noch TrackMeNot und Google wird zugespammt :D mit unsinnigen Suchanfragen.

    Und @ChilliConCarne
    Wenn ein Unternehmen mir wie Stasi hinterherschnüffelt um dann mein Profil zu verkaufen (direkt oder indirekt per Werbung) dann ist dies durchaus bekämpfenswert.

    Und das hat nichts mit Lobbying von Microsoft zu tun - immerhin hat sich Microsoft geöffnet und dokumentiert alles öffentlich (siehe MSDN) - dazu FRAGT Microsoft bevor es Daten sammelt, sie müssen dem ausdrücklich zustimmen.
    Google tut dies einfach automatisch - sie nutzen einen Google Dienst? Sie haben durch die Benutzung der Seite de Auswertung ihrer Nutzungsdaten zugestimmt - sie besuchen eine Seite auf der Analytics läuft? Die Daten werden ungefragt an Google gesendet.
    Sie schreiben eine Mail mit Google? Sie wird für gezielte Werbung automatisch analysiert.

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    microsoft verdient hauptsächlich durch proprietäre software sein geld, google durch werbung.
    dass google die zur verfügung gestellten daten nutzt, lässt sich in den AGB nachlesen, dafür bedarf es keines popups.
    dass jedoch MS indirekt unsere steuern bekommt indem es den ganzen staatsapparat mit windows versorgt sollte mehr zu denken geben.

  4. microsoft verdient hauptsächlich durch proprietäre software sein geld, google durch werbung.
    dass google die zur verfügung gestellten daten nutzt, lässt sich in den AGB nachlesen, dafür bedarf es keines popups.
    dass jedoch MS indirekt unsere steuern bekommt indem es den ganzen staatsapparat mit windows versorgt sollte mehr zu denken geben.

    Antwort auf "Gegen Analytics"
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    ...also so sicher würde ich mir da nicht sein.

    Ja, es lässt sich nachlesen - aber viele Leute wissen nicht dass sie durch die Nutzung von Google Diensten der Datenerhebung zustimmen.
    Des weiteren dreht man sich mit den allgemeinen Geschäftsbedingungen im Kreis - dadurch dass ich auf der Seite bin akzeptiere ich sie, andererseits kann ich die allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht einsehen ohne die Startseite einer Adresse zu besuchen. (oder kennen sie die direkte Links zu den allgemeinen Geschäftsbedingungen ?)

    -> Damit sind sie faktisch gezwungen diese anzunehmen - ob sie es wollen oder nicht. Und ob in allen allgemeinen Geschäftsbedingungen steht welche Tracker eingesetzt werden - ich wage es zu bezweifeln.

    Zum Thema Microsoft Software in der Regierung - wo ist hier das Problem? Mit dieser Argumentation dürfte es auch keine Regierungsfahrzeuge geben - ich kann doch keine Autobauer subventionieren - und auch kein Strom für die Regierung etc.

    -> Sicherlich wird der eine oder andere Linux Fanatiker ankommen und für Linux plädieren - andererseits erfordert Linux dass man IT Personal zur Hand hat - durchaus auch mehr als mit modernen Microsoft Produkten. Und geht bei Linux bei einem Update was schief haben sie das Problem und müssen es selbst mithilfe von Google lösen.
    Bei Microsoft rufen sie an und beklagen sich einfach - und die dürfen dann die Lösung finden.
    Freie Software in Ehren - aber ich bevorzuge für vieles die kostenpflichtige Variante - unter anderem für Support.

  5. ...also so sicher würde ich mir da nicht sein.

    Ja, es lässt sich nachlesen - aber viele Leute wissen nicht dass sie durch die Nutzung von Google Diensten der Datenerhebung zustimmen.
    Des weiteren dreht man sich mit den allgemeinen Geschäftsbedingungen im Kreis - dadurch dass ich auf der Seite bin akzeptiere ich sie, andererseits kann ich die allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht einsehen ohne die Startseite einer Adresse zu besuchen. (oder kennen sie die direkte Links zu den allgemeinen Geschäftsbedingungen ?)

    -> Damit sind sie faktisch gezwungen diese anzunehmen - ob sie es wollen oder nicht. Und ob in allen allgemeinen Geschäftsbedingungen steht welche Tracker eingesetzt werden - ich wage es zu bezweifeln.

    Zum Thema Microsoft Software in der Regierung - wo ist hier das Problem? Mit dieser Argumentation dürfte es auch keine Regierungsfahrzeuge geben - ich kann doch keine Autobauer subventionieren - und auch kein Strom für die Regierung etc.

    -> Sicherlich wird der eine oder andere Linux Fanatiker ankommen und für Linux plädieren - andererseits erfordert Linux dass man IT Personal zur Hand hat - durchaus auch mehr als mit modernen Microsoft Produkten. Und geht bei Linux bei einem Update was schief haben sie das Problem und müssen es selbst mithilfe von Google lösen.
    Bei Microsoft rufen sie an und beklagen sich einfach - und die dürfen dann die Lösung finden.
    Freie Software in Ehren - aber ich bevorzuge für vieles die kostenpflichtige Variante - unter anderem für Support.

    Antwort auf "Unterschied"
    • Cabelo
    • 02. März 2011 0:18 Uhr
    7. Linux

    ich bin absolut kein Computer-fan. Ist ein Werkzeig für mich, mehr nicht. Aber alles was ich damit machen will funktioniert ohne Probleme mit Linux. Und die meisten Fragen sind in Foren wunderbar erklärt.

    Es ist natürlich einfacher die Vorgefertigte Variante von Windows oder Apple zu nehmen, sich nicht drum zu kümmern und einfach zu akzeptieren wie die Welt is. Aber täten wir das alle...

    Die Macht von Facebook, Google, Microsoft, Apple ist einfach zu groß geworden. Und das sind elementare Dinge um die es da geht. Informationen sind Macht, Daten sind Macht, die Computerwelt inkl. Internet zu beherrschen bedeutet unglaubliche Macht in der heutigen Welt! Und zu viel Macht in wenigen Händen ist nun wirklich nicht gut.

    • qbrick
    • 02. März 2011 8:52 Uhr

    und sagen uns, welches Betriebssystem Sie auf Ihrem Rechner haben. Die Chance ist 9 zu 1, daß es sich um MS Windows handelt. Haben Sie sich mal gefragt, wie es sein kann, daß etwas so Grundlegendes wie eine Betriebssystemplattform auf 90% aller im Handel befindlichen Rechner von einem einzigen Herstellers stammt? Ein Hersteller, der erwiesenermaßen die Computerfabrikanten durch die Androhung höherer Preise für seine Software zwingt, Konkurrenzbetriebssysteme nicht anzubieten. Ein Hersteller, der immer wieder Softwareschnittstellen durch seine herrschende Stellung am Markt durchsetzt, die nur er "versteht"? Ein Hersteller, der offene, dokumentierte Schnittstellen aus der Zeit, bevor dieser in den Markt eintrat, zu vernichten versucht, um seine eigenen geschlossenen Schnittstellen durchzusetzen.
    Man könnte hier endlos weitermachen. Mich interessiert als Verbraucher in bezug auf Google neben der Frage der Verwendung meiner persönlicher Daten nur eins: Sind Googles Dienste geeignet, Konkurrenten vom Markt auszuschließen und mir damit die Freiheit der Wahl wegzunehmen, wie dies Microsoft mittlerweile seit 20 Jahren praktiziert? Solange GMail und Konsorten einfach durch Konkurrenzdienste zu ersetzen sind, ist Google kein Problem und schon lange keine Bedrohung,[...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

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    Nur weil ich Google kritisiere, heißt es noch lange nicht, dass ich ein Fan von Microsoft sein muss, das bin ich ganz und gar nicht. Wie man zu so einer Schlussfolgerung kommen kann, ist mir schleierhaft ;-)

    Microsoft werden von der EU (zu Recht!) Strafen aufgebrummt, wenn MS in anderen Bereichen wildert und z.B. Konkurrenzbrowser auszugrenzen versucht. MS wird bereits seit langem als Bösewicht wahrgenommen, Google dagegen kaufen viele das "Don't be evil" immer noch ab.

    Dabei ist es meiner Meinung nach schwieriger, mit Google zu konkurrieren als mit MS, weil Google zurzeit einfach schneller reagiert. Im Falle von MS gibt es in nahezu allen Bereichen etablierte Konkurrenzprodukte: Linux bei den Betriebssystemen, diverse Office-Produkte, mehrere Browser usw. Gibt es aber eine Suchmaschine neben Google (wohl kaum, wenn das Wort Googeln mittlerweile zum Sprachgebrauch gehört)? Oder ein Videoportal neben Youtube? Und was ist die mächtigere Mobile-Plattform: Windows oder Android?

    Mein Punkt ist, dass Google ständig versucht, andere Bereiche aufzumischen, indem es seine Vormacht bei der Suche und das daraus resultierende enorme Kapital für Quersubventionen im großen Stil missbraucht und damit den Wettbewerb verzerrt bzw. vollkommen aufhebt. Hier sehe ich besonders im Hinblick auf die Zukunft eine große Gefahr.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | Microsoft | Eric Schmidt | Android | Nokia | Larry Page
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