NetzspracheLol-Speak wird offizielles Englisch

Das Oxford English Dictionary, der Wächter der englischen Sprache, hat die im Netz üblichen Abkürzungen Lol und OMG aufgenommen. Sie seien allgemein verständlich. von 

Mit einem Lasercutter hat der Künstler Michael Mandiberg die Begriffe "OMG" und "LOL ins Oxford Dictionary geschnitten

Mit einem Lasercutter hat der Künstler Michael Mandiberg die Begriffe "OMG" und "LOL ins Oxford Dictionary geschnitten  |  © See-ming Lee / Flickr

Das Oxford English Dictionary (OED) bezeichnet sich selbst als " definitive record oft the English language ", als das Standardwerk also. Es gilt als Wächter der englischen Sprache, nur Wörter und Ausdrücke, die in ihm aufgeführt sind, gelten gemeinhin als offiziell. Und nur Wörter, die sich über Jahre im allgemeinen Sprachgebrauch bewährt haben, werden aufgenommen.

Insofern kann das, was gerade geschah, als Zeichen gelten, dass das Internet in der Wahrnehmung der Gesellschaft ankommt: Unter den rund 600.000 Einträgen des Wörterbuches finden sich künftig auch die Initialwörter Lol ( laughing out loud ) und OMG ( oh my god ). Sie seien eng mit der elektronischen Kommunikation verknüpft und hätten ihren Weg in gedruckte Medien und in die gesprochene Sprache gefunden, schreibt der Redaktionsleiter des OED, Graeme Diamond, im offiziellen Blog .

Anzeige

Noch eine erstaunliche Neuerung gibt es. Zum ersten Mal fand ein Ausdruck, der sein Leben auf T-Shirts und Aufklebern begann, Eingang ins OED, das Herz nämlich, wenn es verwendet wird als Wortersatz im Sinne von etwas mögen. Wie in "I (heart) NY", in elektronischer Kommunikation – noch nicht aber im OED – gern dargestellt als seitlich liegendes Herz: <3.

Der Slogan "I <3 NY" wurde in den 70er Jahren als T-Shirt-Design berühmt

Der Slogan "I <3 NY" wurde in den 70er Jahren als T-Shirt-Design berühmt  |  © taufiq / Flickr

Die Entscheidung ist gut begründet, ist das Herz nach Angaben der Lexikografen doch schon "seit dem 12. Jahrhundert das Symbol für Liebe und Zuneigung".

Der Werdegang des Lol ist da deutlich kürzer. In seiner jetzigen Bedeutung wurde es zum ersten Mal offiziell im Juni 1990 in einer Newsgroup im Usenet gesichtet. Der Durchbruch gelang dem Ausdruck allerdings erst in den letzten zehn Jahren mit dem Aufstieg von Handys und Chatprogrammen.

Für Sprachpuristen ist das noch lange kein Grund, im OED zu stehen. Nur jugendlicher Slang, nicht allgemein gebräuchlich, sagen die einen. Nichts als eine Abkürzung, argumentieren die anderen.

Dem OED aber genügen andere Kriterien. Um aufgenommen zu werden, muss ein Wort gebräuchlich sein und von der Allgemeinheit verstanden werden. Außerdem muss es schon eine Weile existieren. Die minimale Lebensspanne, die nötig sei, seien ungefähr fünf Jahre, sagte Diamond in einem Interview mit dem Onlinemagazin Slate . "Ein Wort sollte schon ein bisschen gelebt haben, bevor wir seine Biografie aufzeichnen."

Leserkommentare
  1. Ich nutze das in der gesprochenen Sprache seit längerem, einfach weil es meine verbale Kommunikation sinnvoll erweitert hat.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich nutze das in der gesprochenen Sprache seit längerem, einfach weil es meine verbale Kommunikation sinnvoll erweitert hat.

    Unter Kollegen haben wir anhand dieser Wörter immer denjenigen identifziert, der die Nacht über wieder in einem Chat verbracht hat, oder sonst viel zu lange am Rechner gesessen hat.

  2. Nein.
    Sicher, eine Sprache lebt, auch die unsere...

    Ob dieses oder jenes sinnvoll ist oder nicht, bleibt sicher
    offen.

    Manches lädt auf jeden Fall zum Kopfschütteln oder schlicht
    nur Lächeln ein.

    Wetering

  3. Das ist mindestens genauso bekannt, geliebt und genutzt wie die obig erwähnten aufgenommenen Akronyme.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

    Das dürfte wohl zu ordinär sein ;) Die ausgeschriebene Variante findet sich jedoch in meinem Oxford Advanced Learner's Dictionary. Allerdings eindeutig mit den Worten: taboo und slang versehen ;)

    • eeee
    • 28. März 2011 12:50 Uhr

    genauso wie "ich rolle gerade auf dem fußboden herum" oder "mein arsch fällt gerade von mir ab". Rein pubertäres Angebertum.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Solche Lügen kannte ich bisher nur als Phrasen wie "mit freundlichen Grüßen", "hochachtungsvoll", "Best wishes", "Yours,",...

  4. F. F. (Viel Vergnügen!)
    Und da gab es noch kein zur Kürze drängendes Internet. Nur die Erinnerung an den Akü-Wahn aus dem Dritten Reich.
    Wer allerdings diese Kürzel im RL verbal ausstösst, hat ein kleines Problem. Für mich gilt: KNIF.
    Mfg (Mit fiesen Grüssen soll das bedeuten, glaub ich jedenfalls)
    M.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    soll wohl bedeuten: Komme nicht in Fersuchung ;-)?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Blog | Kommunikation | Usenet | Herz | Oxford
Service