Das South by Southwest-Festival (SXSW) im texanischen Austin ist so etwas wie der Karneval unter den Technologie-Konferenzen. Jeden März strömen Programmierer, Tüftler und Gründer dorthin, um sich eine Woche lang unter Gleichgesinnten zu bewegen. In diesem Jahr drängten sich 20.000 Menschen dort, rund 40 Prozent mehr als im Vorjahr – und sie alle suchten nach dem nächsten großen Trend, der Social Media, Microblogs und Ortsdiensten neuen Schwung geben kann.

Immerhin war es das SXSW, auf dem einst Twitter den Durchbruch schaffte und wo Dienste wie Gowalla und Foursquare vorgestellt wurden. Und möglicherweise ist der neue Hit der Szene gar nicht weit.

Das Fazit nach Ende der Veranstaltung: Die Privatsphäre hat das Zeug zum interessanten Geschäftsmodell. Zwischen vollkommen privater Kommunikation und den allzu mitteilsamen Plattformen wie Facebook und Twitter bildet sich ein dritter Weg heraus, mit ihr umzugehen. Bei dieser Form können Nutzer die Jalousien teilweise oder ganz herunter lassen, indem sie Gruppen von Freunden und Arbeitskollegen selektiv beschallen, statt alle Details ins Web zu posaunen und sich Werbewirtschaft und Identitätsklau auszuliefern.

Rund ein halbes Dutzend neuer Firmen sorgte mit diesem Group Messaging für Aufmerksamkeit. Sie alle versuchen, die gute alte SMS mit neuen Kanälen wie Twitter, Facebook und Foursquare zu einem handlichen Werkzeug zu verbinden.

Mit Anbietern wie Groupedin, GroupMe, Groupflier, Fast Society, Hurricane Party, Yobongo oder Beluga kann jeder in ein paar Minuten eine private Gruppe definieren und verwalten, deren Mitglieder sich auch mit veralteten Handys kurzschließen können. Was in diesem virtuellen Séparée diskutiert wird, bleibt Verschlusssache. Gleichzeitig aber binden diese Dienste öffentliche Updates ihrer Mitglieder aus etablierten Netzwerken ein, sodass innerhalb der Gruppe selbst bei zugezogenem Vorhang der Überblick nicht verloren geht.

Dem Wunsch nach mehr Kontrolle beim Datenschutz kommt auch entgegen, dass Apps wie Fast Society das Einrichten von Gruppen mit einem automatischen Verfallsdatum erlauben. Die löschen sich dann zu einem festgelegten Termin, ohne weiteres Zutun.

Dass der Markt vor einem Boom steht, lässt sich nicht zuletzt daran ablesen, dass Facebook kurz vor dem SXSW die Neugründung Beluga aufkaufte. Dem nach Austin angereisten Beluga-Team wurde von Facebook ein Interviewverbot auferlegt. Außerdem hatte der Marktführer bei den sozialen Netzwerken vor Kurzem erst selbst eine solche Gruppenfunktion eingeführt, um privatere Gespräche möglich zu machen. Die hat allerdings noch ihre Tücken.