Demi Moore, fotografiert und via Twitter verbreitet von ihrem Mann Ashton Kutcher

Bei der ersten Begegnung wirkt Twitter wohl auf jeden wie ein endloser Strom sinnlosen Gebrabbels . Unbegreiflich allein die schiere Menge: Im Durchschnitt sind es 140 Millionen Kurznachrichten , die inzwischen jeden Tag über den Dienst verschickt werden, mehr als 1600 in jeder Sekunde. Diese Datenflut kann niemand verfolgen, geschweige denn auf Anhieb Sinn in ihr entdecken. So simpel die Bedienung von Twitter ist, wer den Dienst verstehen und nutzen will, muss sich mit ihm beschäftigen.

Dass sich das lohnt, daran kann heute, am fünften Geburtstag der Microbloggingplattform, kein Zweifel mehr sein. Nicht, weil schätzungsweise 200 Millionen Menschen sie weltweit nutzen und jeden Tag mehr als 400.000 neue hinzukommen. Sondern weil Twitter bei vielen Gelegenheiten gezeigt hat, was für ein machtvolles Werkzeug es ist.

Der Softwareentwickler Jack Dorsey arbeitet im Frühjahr 2006 mit anderen an einem Projekt, als er die Idee hat, allen Beteiligten per SMS kurze Meldungen darüber zu schicken, wie weit jeder mit seinen Aufgaben ist. Am 21. März ist ein Prototyp fertig, Dorsey sendet seine erste Botschaft und damit den ersten Tweet mit dem Inhalt "inviting coworkers". Er lädt seine Kollegen zum Dienst ein.

Bis dahin ist der Short Message Service der Mobilfunkanbieter vor allem so etwas wie ein auf Text übertragenes Telefonat – eine Botschaft von einem Nutzer an einen anderen. Zwar kann eine SMS auch an mehrere Empfänger gehen, aber das ist mühsam. Dorsey schreibt ein Programm, um eine Mitteilung gleichzeitig an viele zu senden.

Noch im gleichen Jahr macht die Firma, für die es als Werkzeug der internen Kommunikation gedacht war, das Projekt twttr zu einem Produkt und stellt es allen zur Verfügung. Es kommt an. Als Twitter Inc. wird daraus eine eigene Firma, Erfinder Dorsey gründet sie zusammen mit Biz Stone und Evan Williams.

Bis zum Frühjahr 2009 wächst ihr Angebot langsam aber stetig. Da es kostenlos ist, ist den meisten Beobachtern lange nicht klar, wie das Unternehmen damit Geld verdienen will. Immerhin verkauft Twitter bis 2008 nicht einmal Werbung auf seinen Seiten. Aber weil es umsonst ist, wächst die Zahl der Nutzer und gleichzeitig die der Zweifler. Twitter wird, ebenso wie Blogs, als "Klowand des Internets" geschmäht, als Hort der Belanglosigkeiten, und es wird behauptet, mit Twitter verarme die Sprache .

Trotzdem glauben viele Investoren an die Idee und geben Millionen aus, um sie zu verwirklichen. 2009 dann explodiert die Zahl der versendeten Botschaften geradezu . Denn immer häufiger transportieren Tweets wichtige Nachrichten und werden in der Folge selbst zum Gegenstand der Berichterstattung.

Twitpic des auf dem Hudson notgelandeten Airbus A320

Legendär ist beispielsweise das Bild des notgewasserten Flugzeugs auf dem Hudson im Januar 2009. Es war das erste Bild von dem Ereignis, aufgenommen und verschickt von einem zufälligen Augenzeugen.

Bald entdecken auch Stars den Dienst. Im März 2009 postet Ashton Kutcher ein Bild des beunterhosten Hinterns seiner Frau Demi Moore . Was wie ein Witz wirkt, ist vielmehr ein Ausdruck davon, wie grundlegend Twitter unsere Wahrnehmung wandelt. Niemand ist mehr angewiesen auf klassische Medien, um Informationen zu verbreiten. Auch Stars nicht, sie können selbst bestimmen, was öffentlich ist, und müssen sich nicht mehr nur der Klatschpresse unterwerfen.