Kunst im Netz hat nichts Materielles
Dem derzeitigen Kurator, Tom Eccles, sollen Größen aus Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft folgen: Ein interdisziplinärer Ansatz, der auch Kommentare zu den Ausstellungen und Vorträge einschließt. Die Vorlesung über Web-Design, die sich bereits online findet, bietet aber kaum mehr als ein linear ablaufendes Video.
Menüstruktur, Coverflow, Videos – von formaler Innovation kann kaum die Rede sein. Dennoch zeigt das Adobe Museum, dass der Traum von der interaktiven Kunst nicht ausgeträumt ist. Wieder einmal kehrt die schon öfter totgesagte Netzkunst zurück. Den Netzkünstlern der 1990er Jahre ging es jedoch inhaltlich noch darum, Medienkritik zu üben. Adobe hingegen will neutral untersuchen, wie digitale Medien unsere Welt formen.
Ein weiterer Unterschied: Die net.art war auch ein Versuch, sich dem kommerziellen Kunstmarkt zu entziehen. Denn Netzkunst ist immateriell und kennt keine Originale. Mit klassischen Werken, etwa von jodi.org, ließ sich mithin schwerlich Geld verdienen. Ganz anders das Adobe Museum of Digital Media: Hier ist die Netzkunst im Mainstream angekommen. Was den ganz direkten Vorteil hat, dass die Künstler für ihre Werke bezahlt werden.
Adobes Anspruch, das erste digitale Museum zu präsentieren, ist zwar kaum gerechtfertigt. Die erste Online-Galerie teleportacia.org etwa wurde schon 1996 eröffnet. Doch der Besuch des AMDM macht Spaß und zeigt erfolgreich die Möglichkeiten der Computertechnologie.
Für die Software-Firma erfüllt das Museum vermutlich auch einen weiteren, strategischen Zweck: Es dient als beeindruckender Showcase für Flash, Adobes Animations-Umgebung, die von Geräten wie dem iPhone und iPad nach wie vor nicht unterstützt wird.
- Datum 28.04.2011 - 16:23 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Kleine Korrektur:
Eine frühere und damit deutlich ältere erste virtuelle Gallerie Deutschlands ist das Projekt "Forum connect" der Bremer Informatiker Ronald Vogel und Oliver Jäger in 1994.
Im Gegensatz zu den damals noch allgegenwärtig vorhandenen Text-basierten Mailboxen wurde die Macintosh-basierte Groupware "FirstClass" eingesetzt. Diese erlaubte mit Hilfe eines dedizierten Clients für Mac und PC eine fenster- bzw. grafikbasierte Nutzung. So war es möglich grafische Inhalte (hier: Kunst) abzubilden und zu präsentieren.
Präsentiert wurden u.a. Künstler, wie Norbert Schwontkowski, Harald Falkenhagen oder Diana Mercedes Alonso. "Forum connect" stellt sich somit als eine deutlich frühere Virtuelle Gallerie dar - lange bevor es das Internet in seiner heutigen Bedeutung gab.
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