Wikileaks-Werbung: Bringt uns die Wahrheit, wenn jeder andere sie uns verweigert © GABRIEL BOUYS/AFP/Getty Images

Überraschung am Morgen: Kurz vor zehn Uhr am vergangenen Donnerstag – die Mitarbeiter hatten ihre Arbeit gerade aufgenommen – standen fünf Herren im Frankfurter Bundesbüro des globalisierungskritischen Netzwerks Attac und hielten einen Durchsuchungsbefehl in der Hand. Es waren Staatsanwälte und Polizisten aus München. "Sie haben uns aufgefordert, die Arbeit am Computer sofort einzustellen", sagt Attac-Geschäftsführerin Stephanie Handtmann. Nach anfänglicher Verwirrung wird klar: die Strafverfolger waren gekommen, um eine über fünf Monate alte Episode aufzuklären.

Im November hatte die Organisation eines der Gutachten ins Netz gestellt , das der Bayerische Landtag über die Milliardenverluste der Bayerischen Landesbank in Auftrag gegeben hatte. Die Autoren halten die Mitglieder des BayernLB-Vorstandes für mitschuldig an den Verlusten.

Für Attac war nicht so ganz klar, was die Ermittler deswegen bei ihnen wollten. "Für uns war es kein Problem, mit den Strafverfolgern zu kooperieren, da es bei uns schlichtweg keine physikalische Quelle gibt", sagt Handtmann. Das hätten sie auch Polizei und Staatsanwaltschaft klar zu machen versucht. Doch die ließen sich nicht beirren und wollten wissen, wie die Daten zu Attac gekommen waren. Dazu durchsuchten Spezialisten den Büro-Server.

Allerdings, der Server, von dem die Unterlagen bis heute heruntergeladen werden können, steht nicht in Frankfurt, sondern in Berlin. Obendrein scheiterten die Polizisten, da der Server unter Linux läuft und die IT-Spezialisten sich nur mit Windows auskannten. Einziges greifbares Ergebnis der Aktion war deshalb, dass neben dem BayernLB-Gutachten nun auch der Durchsuchungsbeschluss online zu sehen ist.

Obwohl die Aktion glimpflich für Attac ablief, wollen die Globalisierungskritiker rechtlich gegen die Durchsuchung vorgehen. Sie vermuten, es sei dabei viel mehr um Einschüchterung von Whistleblowern gegangen als um rechtliche Aufklärung.

"Der Umstand, dass die Staatsanwaltschaft erst fünf Monate nach Erstveröffentlichung eine Durchsuchung bei Attac veranlasste und es zuvor kein Unterlassungsverlangen gegen Attac gegeben hatte, spricht dafür, dass nicht die angebliche Verletzung von Urheberrechten im Vordergrund steht", sagt der Rechtsanwalt Michael Günther, der Attac vertritt.

Bei der zuständigen Staatsanwaltschaft München heißt es, "mangels Rechtsgrundlage" könnten die Strafverfolger das Dokument nicht von den Attac-Servern löschen lassen, bei der Durchsuchung seien weitere Beweise gesucht worden.