NetiquetteDie Zentralisierung der Identität

Im Netz sind wir, wer wir sind – Facebook und Google bringen Pseudonyme und Nicknames zum Verschwinden und schaffen ein zentrales Ich, ob wir wollen oder nicht. von Astrid Herbold

Internetnutzer

Internetnutzer  |  © veynern/Photocase

Die Wege durchs Internet waren lange mit permanenten Einlog-Auslog-Mühen verbunden. Rein ins Youtube-Konto, rüber zum Xing-Account, bei Web.de, Amazon oder eBay einchecken, für Kommentare auf Blogs anmelden. Schleichend ändert sich das gerade. Ein separates Youtube-Konto gibt es mittlerweile nicht mehr, die Nutzer mussten es kürzlich mit ihren Google-Konten synchronisieren. Auch der Fotoalbendienst Picasa wurde mit dem Google-Profil zwangsvermählt.

Der Trend geht zum Universal-Account: Die Smartphones beschleunigen ihn , Facebook und Google befeuern ihn. Während Google-Nutzer alle hauseigenen Dienste von E-Mail bis Dokumentenverwaltung über einen Account managen können und sollen, will sich Facebook am liebsten gleich zur einzig offiziellen Repräsentations- und Kommunikationsplattform seiner Mitglieder aufschwingen. Deutschlandweit sind das mittlerweile rund 16 Millionen Menschen, Karteileichen und eventuelle Fake-Identitäten inklusive.

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Und Facebooks Zentralisierungsmodell boomt. Eins der wichtigsten Instrumente ist das "Facebook Connect", mit dem die eigene Facebook-Identität samt der dazugehörigen Freundschaften quasi überall im Netz präsent sind. Das Programm ist Bestandteil der Social Plug-Ins, der Funktionen, die Facebook kostenlos für externe Websites zur Verfügung stellt. Wer zum Beispiel auf seiner Website keine eigene Kommentarspalte hat, kann hierzulande seit Anfang März das Comment-Plug-In von Facebook nutzen . Stern.de, MyVideo und mtv.de tun das bereits.

Kommt ein Facebook-Mitglied auf diese Seiten, muss er sich nicht anmelden, sondern wird gleich erkannt. Kommentiert er oder klickt er den "Gefällt mir"-Daumen, kann das wiederum auf sein Facebook-Profil zurückgespiegelt werden. Und die Freunde erfahren es auch. Aus Marketingsicht eine Win-Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Privatsphäre

Die 2004 gestartete Seite Facebook will nach Aussage ihre Gründers Mark Zuckerberg die Welt offener und vernetzter machen. Das gelingt ihr offensichtlich viel zu gut, gab es doch bereits häufig Proteste, Facebook nötige seine Nutzer zu mehr Offenheit, als diese sich wünschten. So sammelt die Seite E-Mail-Adressen und Telefonnummern auch von Nichtmitgliedern, wenn Mitglieder ihr Adressbuch bei Facebook speichern. Sie nutzt diese Informationen, um Nichtmitglieder zu kontaktieren. Facebook betont, dass dabei keine "Schattenprofile" von Nichtmitgliedern erstellt werden. Der Konzern hat auf den Widerstand seiner Nutzer reagiert und zumindest die möglichen Einstellungen, welche Profilinformationen für wen sichtbar sein sollen, überarbeitet. Auch "Gruppen" wurden eingeführt. Nutzer können ihre Kontakte in solchen organisieren, damit nicht jede Information an alle geht.

Vernetzung

Aufgrund der Struktur der Seite ist es jedoch möglich, Schlüsse über jemanden zu ziehen, die er so nicht beabsichtigt hatte. Allein die als Freunde bezeichneten Mitglieder können durch ihre Interessen beispielsweise nahe legen, dass jemand homosexuell ist, auch wenn er selbst das nicht in seinem Profil angibt. Der hohe Vernetzungsgrad und die vielen verfügbaren Informationen machen es möglich, statistische Wahrscheinlichkeiten zu berechnen und so neue Schlüsse zu ziehen. Kritiker sagen, das Netzwerk könne beispielsweise für Dissidenten lebensgefährlich sein, da es Gruppenstrukturen durchschaubar mache.

Profil

Wer Facebook nutzen, aber so wenig wie möglich über sich verraten will, sollte beispielsweise keinen Gruppen beitreten und keine persönlichen Interessen wie Musik angeben. Was genau das eigene Profil nach außen sichtbar macht, lässt sich unter anderem bei dieser Seite abfragen. Sie nutzt die offizielle API von Facebook, die Schnittstelle also, durch die externe Firmen Informationen über Mitglieder beziehen dürfen. Wer sich darüber hinaus davor schützen will, dass ihm mit einem gestohlenen Passwort sein halbes Leben abhanden kommt, kann inzwischen beim Login in seinen Account temporäre Passwörter nutzen.

Die Vorteile dieser Angebote liegen auf der Hand: Nie wieder muss man nach Passwörtern kramen, nie wieder mühsam Doppel- und Dreifachanmeldungen ausfüllen. Stattdessen: Einmal hin, für immer drin in der zentralen Ich-Identität. Dass die Global Player ein massives Interesse an solchen Profilzentrierungen haben, ist ebenso offensichtlich: Je mehr Daten, Traffic und Kommunikation in einem Account gebündelt werden, desto wertvoller und vermarktbarer ist es .

Was dabei allerdings auf der Strecke bleiben könnte, sind nicht nur ein paar alte Nicknames. Von den Vorteilen der Dezentralisierung hatte die amerikanische Soziologin Sherry Turkle 1995 in ihrem Buch Leben im Netz. Identität in Zeiten des Internet geschwärmt. Das Netz erschien der Wissenschaftlerin wie eine große Spielwiese der Freiheit. Und wie die logische Fortsetzung postmoderner Theorien, "die ein multiples und dezentriertes Selbst postulieren". Der Identitätsbegriff der Spätmoderne sei geprägt gewesen von "Vielfalt, Heterogenität, Flexibilität und Fragmentisierung"; nun gebe es endlich das Medium zur Theorie.

Die Autorin verband damit große emanzipatorische Hoffnungen; womöglich würde ein "neuer, vielfältigerer Persönlichkeitsbegriff" entstehen. Weil sich das von analogen Konventionen eingeschränkte Subjekt im Netz in mehrere "virtuelle Personae" aufspalten könne – und auch noch haufenweise wilden Cybersex hätte. Nebenbei sollten auch die Grenzen der Geschlechter überwunden werden.

Es ist anders gekommen. Der Drang nach Maskerade, nach Second oder Third Lifes hielt sich in Grenzen. Stattdessen scheint aus dem spätmodernen Plural wieder ein digitaler Singular zu werden. Widersprüchliche Teilidentitäten, brüchige Erwerbsbiografien, inkompatible Interessen? Bei der Google-Suche oder auf Facebook fließt alles problemlos in eins. Da geht der Dozent nahtlos in den Familienvater über, und der wiederum in den Hobbysegler und Gelegenheitsgärtner.

Für Benjamin Jörissen, Medienwissenschaftler an der Uni Magdeburg, ist die Entwicklung kein Zufall. "Das Netz ist so tief in unseren Alltag eingedrungen, dass wir logischerweise das Bedürfnis haben, dort mit unserer 'alten' Person unterwegs zu sein." Dass viele Nutzer nicht mit sieben unterschiedlichen Avataren jonglieren, sondern eine Identität mit Klarnamen vorziehen , hat nach seiner Ansicht trotzdem nichts mit der Sehnsucht nach Authentizität zu tun. "Eher damit, dass die Trennung von Offline und Online nicht mehr existiert." 

Natürlich kann das in Einzelfällen zu sozialen Kollateralschäden führen. Wenn durch die Identitätszentrierung Lebensbereiche zusammengeführt werden, die der Nutzer lieber getrennt verhandelt hätte. "Der Großteil der User geht mit den Risiken der 'Super-Identität' trotzdem eher affirmativ um", meint Jörissen. An eine breite Gegenbewegung – weg von den Meganetzwerken, zurück in die anonymen Nickname-Nischen – glaubt der Wissenschaftler nicht. Zu verlockend sind die Vorteile der Klarnamen-Vernetzung, und die implizite gesellschaftliche Forderung, als Bürger oder Arbeitnehmer eine digitale Repräsentanz vorweisen zu können. "Das Spiel mitspielen", nennt es Jörissen.

Und bevor man den Rausschmiss aus dem Spiel riskiert, arrangiert man sich notfalls sogar mit den rigiden Moralvorstellungen der amerikanischen Plattformbetreiber. So wie ein dänischer Künstler, dessen Facebook-Profil kürzlich wegen der Veröffentlichung von Gustave Courbets berühmtem Akt Der Ursprung der Welt gesperrt wurde. Statt zu protestieren, entschuldigte sich der Nutzer. Und bekam prompt seinen Account zurück.
Für diese Mischung aus Selbst- und Fremddisziplinierung hat Michel Foucault vor zwanzig Jahren den Begriff der "Gouvernementalität" geprägt, gemeint ist die Verknüpfung von Herrschaftstechniken mit "Technologien des Selbst" .

Auf Facebook, meint Jörissen, passt Foucaults Modell wie die Faust aufs Auge: "Einerseits erlaubt das dortige Identitäts- und Netzwerkmanagement die Anhäufung von sozialem und symbolischem Kapital. Andererseits erfordert es eine gewisse vorauseilende Selbstregulierung." Der Nutzer muss stets abwägen, welche seiner weit verzweigten Netz-Aktivitäten sich problemlos in seine Mainstream-Identität integrieren lassen und welche Aspekte des Ichs besser abgespalten werden.

Trotzdem hält Jörissen Googles und Facebooks Zentralisierungspolitik letztlich für Epiphänomene – mit möglicherweise sogar aufklärerischem Potenzial: "Diese Dienste machen uns unfreiwillig bewusst, dass wir in einer vernetzten Öffentlichkeit stehen." Und dass sich Datenspuren jederzeit zu Meta-Identitäten zusammenführen lassen, auch von Behörden oder Regimen , die hinter den Kulissen weitaus geräuschloser vorgehen können.

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Leserkommentare
  1. "...ob wir wollen oder nicht."

    Nein. Wenn ich nicht will, melde ich mich nicht bei einem dieser Milliarden-Umsätze-machenden Multis an und meine Identität (und viel mehr) wird dann eben nicht breitgetreten. Das klappt prima, q.e.d.
    Dass vor allem unreife Menschen (Kinder) auf Google, Facebook und Co reinfallen, nun, das war wohl schon immer (jedenfalls seitdem es eine Jugendkultur gibt, also seit etwa 60 Jahren) so: die kriegt man leicht, die sind mit den "richtigen" Schlagworten schnell einzufangen.

    6 Leserempfehlungen
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    • Dirac
    • 20. April 2011 12:59 Uhr

    Selbst ohne Facebook, Google und alle anderen ebenfalls so verteufelten Web-Konzerne entsteht im Internet ein Bild der eigenen Identität. Allein, dass Sie sich für Zeit-Kommentare mit einer eMail-Adresse anmelden müssen, lässt schon Rückschlüsse zu. Wenn Sie nicht für jede Internetseite, auf der Sie sich mit eMail-Adresse registrieren müssen, eine neue Adresse anlegen und benutzen, entsteht allein darüber schon ein Bild von Ihnen im Netz.
    Jaja, die darf genauso wenig herausgegeben werden wie Ihre IP-Adresse, aber auch die wird ins Logbuch diverser Seiten eingetragen.
    Und irgendwann müssen auch Sie mal eine Internetsuche starten. Selbst wenn diese nicht über Google geschieht, wird ihr Suchbegriff vermerkt und bringt in Kombination mit Ihrer IP-Adresse und anderen Suchbegriffen bereits eine gute Vorstellung über Ihre Identität.
    Glauben Sie wirklich, dass sich so viele Internetseiten diese Chance der Vernetzung, Profilierung und somit auf Profit per personalisierter Werbung entgehen lassen?!

    Ein gutes Beispiel (leider das "böse" Google, aber zeigt die Tragweite des Netzes):
    Selbst wenn Sie nicht bei Google angemeldet sind, können Sie dort mal den Suchbegriff "Wetter" mit Leertaste danach eingeben und schauen, was Google Ihnen vorschlägt.
    Da kommt nämlich für jede Person eine andere Stadt und zwar die, die mit Ihrer IP-Adresse korreliert.
    Und das funktioniert so nicht nur bei Google, sondern auf JEDER Website - Überall hinterlassen Sie einen digitalen Fußabdruck.

    Die Dienste zu boykottieren ist mMn genauso falsch, wie sie hemmungslos zu nutzen.
    Nur weil Sie nicht bei FB angemeldet sind, heißt es noch lange nicht, dass FB nichts über Sie weiß. Ihre Freunde sind es, die Ihre Daten online preisgeben. Deren Adressbücher, ICQ-, Skype und Email-Accounts werden durchforstet und katalogisiert, in denen auch Ihre (von Ihren Freunden eingetragene Adresse, Telefonnummer, Geburtsdatum etc.) stehen.
    Sie können auch auf Fotos markiert werden, selbst wenn Sie keinen Account haben usw.
    Ganz so einfach ist es also nicht!

  2. "Die 2004 gestartete Seite Facebook will nach Aussage ihre Gründers Mark Zuckerberg die Welt offener und vernetzter machen."
    Nun ja, was sagte der gleiche Marc Zuckerberg noch zu Beginn seines Unternehmens? Dies: "They 'trust me' - Dumb fucks."
    Etwa: "Sie trauen mir, diese Idioten."

    8 Leserempfehlungen
  3. Man besuche heute ein Computerlabor in einer Grund/sekundarschule...falls überhaupt vorhanden. Da wird einem sehr schnell klar warum die Mehrheit unfähig ist sich im Internet zu bewegen ohne gleich den Strafverfolgungsbehörden,der Werbeindustrie oder den Personalchefs kostenlose,konkrete Lebenseinblicke zu geben.
    Unsere Schulen haben dieses Volk nicht auf die Moderne vorbereitet und dann ist es kein Wunder, wenn sich der großteil überfordert sieht wenn er 5 Profile managen soll, die sich nicht ohne ein bisschen arbeit gleich zu einem persönlichkeitsprofil zusammenführen lassen. DENN, alternativen gibt es zuhauf!
    Ich habe mich noch nie mit meinem Klarnamen irgendwo angemeldet und kann trotzdem problemlos alle interessen verfolgen, mit freunden in kontakt bleiben etc.
    Aber gut, ein intelligentes Volk das seine Daten nicht freiwillig rausrückt wäre ja auch ein unding,unhöflich und nicht zuletzt staatsgefährdend

    3 Leserempfehlungen
  4. Das ist der Grund warum ich Facebook nur sehr selten (also alle zwei Tage) kurz benutze und Facebook-connect durch noscript und/oder Ghostery blockieren lasse.
    Ich warte sehnsüchtig darauf, dass das soziale, datenschutzoriente, open-source Netzwerk diaspora* endlich den alpha-modus verlässt.
    http://www.nytimes.com/20...

    Das Marktpotential von Wettbewerbern gegenüber Facebook schätze ich leider als gering ein, denn ein soziales Netzwerk ist nur dann interessant und erfüllt seinen Zweck, wenn schon möglich viele Benutzer dort sind.
    Ein Alleinstellungsmerkmal könnte Datenschutz sein (z.B.) Diaspora, allerdings werden hier, trotz der großen Vorschusslorbeeren, keine großen Fortschritte gemacht.

  5. Mal lesen und sich über den Velauf informiren:

    http://www.giga.de/userne...

    Hatte nicht de Mega Kontzern Blizzard es mal versiucht Real ID einzuführen gegen den äuserst starken wind der Nutzer?

    hatt man nicht geasgt es könne nichts passieren und die daten seien sicher?

    als ein mitarbeiter dann mal seine Daten preisgab um zu Beweisen wie sicher es was eine frage von Minuten bis sein Leben öffentlich wurde und er seine Handys sperren muste sine Acouts komplet um melden, da ein in der Öffentlichkeit Bekanter ebend auch erpressbar ist wenn er Entscheidungsträger ist.

    So ist die Politik viler Fimren das sich support Mitarbeiter nicht mit Kunden zu nahe Bezihungen aufbauen sollen, da sie sonst womöglich Bonuse an kunden weitergeben wohl exat die Lehre aus einen offenen Kontaktverhältnis.

    Aber es kommt immer wieder von Leuten der forschlag das das ja alles besser machen würde, nur Ahnung von der Realität haben sie dann eher wenig.

    Wenn in miliadrenkontzer wie Blizzard die Sache schon zu ungemütlich wird, dan ist es bei Facebook mit seinen Datensicherheitsproblemen sicher perfekt aufgehoben.

    Real ID führ nur dazu da Kirtiker besser mundtot gemacht werden lönnen, und viele Leute Kritik nicht mehr frei äusern aud angst von Represionen, und dazu das einige entscheider dann halt Schutzgeld an die Mafia zahlen da die dann ja auch wissen wo die Kinder in den Kindergarten gehen.

    aber das ist Komunikatinswissenschaftern ja egal.

    2 Leserempfehlungen
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    Tut mir leid, aber ich musste wegen derart vieler Rechtschreibfehler Deinen Kommentar nach den ersten fünf Zeilen überspringen. Ist es denn zu viel verlangt, noch einmal kurz über den geschriebenen Text zu gehen und Fehler auszubessern?

    • GDH
    • 20. April 2011 12:34 Uhr

    Zitat: "Das Programm ist Bestandteil der Social Plug-Ins, der Funktionen, die Facebook kostenlos für externe Websites zur Verfügung stellt. Wer zum Beispiel auf seiner Website keine eigene Kommentarspalte hat, kann hierzulande seit Anfang März das Comment-Plug-In von Facebook nutzen. Stern.de, MyVideo und mtv.de tun das bereits."

    Ich kann mich noch erinnern, dass auf der Startseite der Zeit eine Umfrage verlinkt war, wo man auf bestimmte Ergebnisse von Landtagswahlen tippen konnte (Ergebnisse z.B. hier: http://blog.zeit.de/open-...).

    Erst nach dem Ausfüllen hab' ich dann gemerkt, dass man garnicht weitermachen kann ohne entweder einen Facebook- oder Twitter-Account einzubinden. So eine Gestaltung des eigenen Webangebots macht die Teilnahme für Leute, die sich nicht an allgegenwärtigen Plattformen beteiligen möchten, doch recht unattraktiv.

    Die Alternative lautet, vollwertige eigene Accounts anzubieten(wo der Benutzer sich dann selbst daraum kümmern kann, wie weit und für wen die verknüpfbar sind - wer will schreibt in seinen Profiltext oder sein blog halt noch die Namen anderer Accounts).

    10 Leserempfehlungen
    • Naboo
    • 20. April 2011 12:44 Uhr

    Das ist mal wieder eine soziologische Studie des Internets, die zwar zum Teil richtig ist, aber wie fast alle Geisteswissenschaftlichen Theorien und Thesen, doch knapp an der Realität vorbei schlittert.

    Die meisten Internetuser, die auch wissen was sie da tun, machen natürlich beides. Facebook und Co. sind zwar praktisch, um mit alten und neuen Freunden einen eher oberflächlichen Kontakt aufrecht zu erhalten, mehr ist es aber auch nicht. Die Mehrheit der Beitrage auf FB haben v.a. einen small talk Charakter, mit hübschen Bildern posten, und alles was dazu gehört. Ernsthafte Themen werden dort eher selten diskutiert, nicht zuletzt weil man sich bei unorthodoxen Meinungen doch dem "peer pressure" der real existierenden Freunde ausgesetzt sieht.

    Ein Nickname wiederum ist mehr als praktisch, um in spezialisierten Foren eine eigene, auch unbeliebte Meinung zu vertreten. Ob es sich da nun um Politik, Sport oder exotischeren Themen handelt, ist letztendlich egal. Es ist wesentlich einfacher, und auch klüger, als "anonymer" User den Gegnern (z.B. Vertreter anderer politischer Ansichten oder Fans anderer Clubs) weniger persönliche Angriffsfläche zu bieten.

    Eine Leserempfehlung
    • Dirac
    • 20. April 2011 12:59 Uhr

    Selbst ohne Facebook, Google und alle anderen ebenfalls so verteufelten Web-Konzerne entsteht im Internet ein Bild der eigenen Identität. Allein, dass Sie sich für Zeit-Kommentare mit einer eMail-Adresse anmelden müssen, lässt schon Rückschlüsse zu. Wenn Sie nicht für jede Internetseite, auf der Sie sich mit eMail-Adresse registrieren müssen, eine neue Adresse anlegen und benutzen, entsteht allein darüber schon ein Bild von Ihnen im Netz.
    Jaja, die darf genauso wenig herausgegeben werden wie Ihre IP-Adresse, aber auch die wird ins Logbuch diverser Seiten eingetragen.
    Und irgendwann müssen auch Sie mal eine Internetsuche starten. Selbst wenn diese nicht über Google geschieht, wird ihr Suchbegriff vermerkt und bringt in Kombination mit Ihrer IP-Adresse und anderen Suchbegriffen bereits eine gute Vorstellung über Ihre Identität.
    Glauben Sie wirklich, dass sich so viele Internetseiten diese Chance der Vernetzung, Profilierung und somit auf Profit per personalisierter Werbung entgehen lassen?!

    Ein gutes Beispiel (leider das "böse" Google, aber zeigt die Tragweite des Netzes):
    Selbst wenn Sie nicht bei Google angemeldet sind, können Sie dort mal den Suchbegriff "Wetter" mit Leertaste danach eingeben und schauen, was Google Ihnen vorschlägt.
    Da kommt nämlich für jede Person eine andere Stadt und zwar die, die mit Ihrer IP-Adresse korreliert.
    Und das funktioniert so nicht nur bei Google, sondern auf JEDER Website - Überall hinterlassen Sie einen digitalen Fußabdruck.

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