Tor hilft seinen Nutzern dabei , die eigene IP-Adresse zu verschleiern. Ob in China, Iran oder Libyen – viele Kritiker autoritärer Regierungen nutzen Tor, um sich vor staatlicher Verfolgung zu schützen oder Seiten anzusteuern, die für ihre IP in ihrem Land eigentlich gesperrt sind. Zwar surft es sich im Tor-Netzwerk sehr langsam, aber auch wenn man heikle Inhalte verschicken oder seine eigenen Netzpfade vor Suchmaschinen, Providern und Seitenanbietern geheim halten möchte, kann eine Tor-Verbindung hilfreich sein.

Deshalb verwenden auch Menschen in demokratischen Gesellschaften das Netzwerk. Und natürlich sind einige von ihnen auf die Idee verfallen, diese Verbindung zum Herunterladen von Musik, Filmen oder Computerspielen zu nutzen. Sie wollen verhindern, dass sie von der Unterhaltungsindustrie erwischt und unter Umständen zu hohen Strafen verurteilt werden . Schließlich ist das Tauschen von urheberrechtlich geschützten Inhalten verboten.

Das Verwenden von Tor ist in einem solchen Fall aber eine schlechte Idee , wie die Publikation eines französischen Forscherteams unter der Leitung von Stevens Le Blond belegt. In einer Versuchsanordnung gelang es Mitarbeitern des Institut national de recherche en informatique et en automatique (INRIA), insgesamt 10.000 IP-Adressen von Dateien-Tauschern eines Bittorrent-Netzwerkes zu identifizieren. Schuld daran sind ein paar Schwachstellen im Tor-System . Unter einer Dauerattacke der Franzosen (sie nannten das Bad Apple Attack ) ließen sich nicht nur die konkreten Downloads bestimmter Nutzer entlocken, sondern auch nach Herkunftsland sortiert die Webseiten, die die jeweiligen Nutzer sonst besucht hatten.

Die Forscher konnten zeigen, dass in manchen Ländern mehr Tor-Nutzer in Bittorrent-Netzwerken unterwegs sind als in anderen. Sie vermuten, dass es ein regelrechtes Underground-Bittorrent-Ökosystem gibt und dabei länderspezifische, soziologische Faktoren eine Rolle spielen. Vor allem unter den Japanern und Deutschen hatten sich überdurchschnittlich viele Datei-Tauscher über Tor mit einem Bittorrent-Client verbunden. Die Forscher fanden eine mögliche Erklärung, nachdem sie einen Blick auf die heruntergeladenen Inhalte geworfen hatten: Japaner luden überdurchschnittlich viele sogenannte Hentai (pornografische Animes) herunter, die Deutschen überdurchschnittlich viele Porno-Filme.

Nicht nur am sichersten, sondern auch am sozialsten sei es, heißt es im Blog von Torproject , Tor nicht für diese Downloadprogramme zu nutzen. Das erhöhe unter anderem auch die Last im Netzwerk.