PrivatsphäreDie Datenexhibitionisten

Wären die Menschen ohne Datenschutz freier, weil dieser ohnehin überholt ist? Die Post-Privacy-Bewegung glaubt daran. Kritiker halten das für naiv.

Leuchtreklame, aufgenommen auf der Bloggermesse re:publica 2011

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Es gibt im Netz eine Gruppe, die an das glaubt, was Scott McNealy einst behauptet hat: 1999 sagte der damalige Chef von Sun-Microsystems: " You have zero privacy anyway, get over it ." Andere waren ihm darin gefolgt, Eric Schmidt beispielsweise , lange Zeit Chef von Google. Die Theorie dazu heißt Post-Privacy und meint die Überzeugung, dass unsere Vorstellung von Rückzugsräumen im Internet für die Gegenwart nicht mehr taugt, und damit auch der Datenschutz nichts mehr nutzt.

Die Post-Privacy-Anhänger gehen sogar noch weiter. Daten vor Zugriff schützen zu wollen, sei schädlich und behindere die Freiheit des Netzes, sagen sie.

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Sebastian Westermayer ist einer von ihnen. Unter diesem Namen kennt ihn im Netz kaum jemand, seinem Twitteraccount unter dem Spitznamen @fasel aber folgen bald 2000 Menschen. Westermayer ist Systemadministrator und Mitglied der Piratenpartei und überzeugt davon, dass Datenschutz nur "als Schutz vor dem Staat" sinnvoll sei. Der Wirtschaft hingegen will er solche Beschränkungen nicht auferlegt sehen. Dort sei Datenschutz nur ein sinnloses Hindernis.

Julia Schramm, Politologin und ebenfalls Piratin, forderte kürzlich in einem Interview bei Spiegel Online : "Keine Macht den Datenschützern." Denn längst hätten wir die Kontrolle über unsere Daten verloren, so ihre Begründung. "Ob wir es nun gut finden oder nicht: Privatsphäre ist so was von Eighties."

Schramm und Westermayer gehören zu einer losen Gruppe, die sich selbst Spackeria nennt. Den Namen gaben sie sich als Reaktion auf ihre Kritiker. Constanze Kurz, eine Sprecherin des Chaos Computer Clubs (CCC), hatte die Gruppe beim Kongress des Clubs im Dezember 2010 als "Post-Privacy-Spacken" bezeichnet und gesagt: "Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn sich jeder im Netz nackig machen kann, wie er will. Aber er möge es nicht den anderen als soziale Regel oktroyieren. Und nicht eine tatsächlich nur von den Profiteuren dieser Daten ersonnene Regel als sozialen Standard definieren."

Spackeria also. Inzwischen gibt es ein Blog und einen Twitteraccount , auf denen sie ihre Thesen vertreten, und über beiden prangt das Schmähwort. Den Namen tragen sie durchaus mit Stolz, sie haben kein Problem damit, als leicht irre zu gelten, solange es der Sache dient. Für sie geht es darum, auf die Hilflosigkeit und das Versagen des klassischen Datenschutzes aufmerksam zu machen.

Leserkommentare
  1. da bei allen vorgestellten Mitgliedern der "Spackeria" extra drauf hingewiesen wird, dass es sich um Mitglieder der Piratenpartei handelt:

    Die Spackeria vertritt eine Gegenposition zur Piratenpartei!

    Die Partei sieht den Schutz privater Daten als eine Notwendigkeit für ein selbstbestimmtes Leben an.

    7 Leserempfehlungen
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    Redaktion

    Sehr geehrter Lama Chep,

    vielen Dank für den Hinweis. Allerdings wird an keiner Stelle behauptet, dass die Protagonisten für die Piratenpartei sprechen.

    Dazu auch noch eine Frage: Sie sprechen hier jetzt offiziell für die Piratenpartei?

    Oder anders formuliert: Ich hatte den Eindruck, dass es auch innerhalb der Piraten durchaus eine Kontroverse um die Spackeria gibt. Stimmt das demnach nicht?

    Beste Grüße
    Kai Biermann

    Redaktion

    Sehr geehrter Lama Chep,

    vielen Dank für den Hinweis. Allerdings wird an keiner Stelle behauptet, dass die Protagonisten für die Piratenpartei sprechen.

    Dazu auch noch eine Frage: Sie sprechen hier jetzt offiziell für die Piratenpartei?

    Oder anders formuliert: Ich hatte den Eindruck, dass es auch innerhalb der Piraten durchaus eine Kontroverse um die Spackeria gibt. Stimmt das demnach nicht?

    Beste Grüße
    Kai Biermann

  2. Auf der persönlichen Agenda von ungefähr 99,995 % der Menschheit kommt 'Datenschutz' nicht unter den ersten hundert Punkten. Warum ist da so? Wer sich Gedanken um den Schutz seiner Daten macht, hat sonst keine Probleme. Punkt. Datenschutz ist imho ein synthetisches Problem ohne jede praktische Relevanz. Die meisten Menschen sind leider nicht in der glücklichen Lage, ohne wirkliche Probleme ihr Dasein meistern zu können.

    Wer will, kann ja mal folgendes versuchen: Ich stehe mit Realnamen in Google-Profils auf der ersten Seite der Google-Suche und sämtliche meiner Konten sind mit diesem Profil verknüpft, unter anderem dieses ZEIT-Konto. Datenschutztechnisch gesehen bin ich 'nackt' und jeder kann mich finden. Ich besitze ein Blog unter meinem Realnamen, ein Profil unter meinem Realnamen, Verknüpfungen zu meinem Realnamen und vieles mehr. Also wer bin ich? Und was soll mir für Nachteile daraus erwachsen, wenn ich ich bin?

    Ich verstehe noch nicht mal das Problem. Wer sollte meine Daten 'missbrauchen'? Google? Glaubt jemand ernsthaft, dass Google die persönlichen Daten von Max Mustermann intressant findet? Oder 'missbrauchen' könnte? Zu was denn? Oder das die 'Freiheit' gefährdet ist, wenn der Realname von 'Lama Chep' bekannt wird? Oder was für Nachteile erleide ich, wenn ich nicht mehr 'anonym' posten kann?

    Nachdem ich all diese Information gegeben habe, müsste es ein leichtes sein, mich zu identifizieren. Ich habe im übrigen nichts zu verbergen.

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    Nehmen wir an als Regierung habe ich etwas gegen einen Protest - wenn alle Leute sich schön mit Klarnamen beteiligen ist es ein Leichtes diese vorsorglich in Gewahrsam zu nehmen - man muss nicht einmal die IP Adresse über Forenanbieter und Internetanbieter zurückverfolgen.

    Reicht das?
    -> Alleine die Meinungsfreiheit braucht Anonymität.
    Stellen sie sich auf die Straße und tragen sie politische Thesen vor, würden sie dies mit Klarname und Anschrift tun?

    Vor allem in Ländern mit einer Diktatur (entweder im eigentlichen Sinne oder der Diktatur des Kapitals) braucht es die Möglichkeit Meinungen anonym zu äußern.
    Alles andere ist schädlich - auch für die "Demokratie". (Raten sie mal warum es geheime Wahlen gibt und denken sie einen Schritt weiter wenn man den Datenschutz ignoriert - Diskriminierung aufgrund der politischen Gesinnung)

    • GDH
    • 18.04.2011 um 13:46 Uhr

    @theodor groppe:
    Hätten Sie die Ziffern hinter dem Komma weggelassen, hätte ich nach einer Quelle für Ihre Behauptung gefragt. So gehe ich davon aus, dass Ihre Zahl aus der Luft gegriffen ist (100%-99.995%=0.005% - das gibt auf die deutsche Bevölkerung hochgerechnet weniger Leute als schon einzelne Petitionen und Sammelklagen an Unterstützern aufweisen).

    Inhaltlich kann ich Ihnen auch nicht folgen. Der einzige Punkt, der mir an der Spackeria-These plausibel ist, ist der, dass ein Verbot des Weitergebens einmal erhobener Daten nicht viel bringt (zu zahlreich sind die Beispiele, dass staatliche Stellen an Daten auch rankommen, wenn diese einmal vorliegen). Daraus folgt aber für mich erst recht, dass es der individuellen Kontrolle des Nutzers unterliegen muss, welche Daten von ihm erhoben werden können(freilich mit wohlbestimmten Ausnahmen hinsichtlich z.B. meldepflichtiger Krankheiten, Steuerdaten usw. wo eine öffentliche Verwaltung halt berechtigtes Interesse hat).

    theodor groppe fragt:

    Ich verstehe noch nicht mal das Problem. Wer sollte meine Daten 'missbrauchen'?

    Es geht um die tatsächliche Bedeutung des Begriffes Missbrauch. Die Frage lautet, wann werden manche Daten missbraucht? Dabei handelt sich noch nicht um die rechtliche Regelung des Missbrauchs, weil ihre Daten können ohne ihres Wissens und ohne ihres Willens so verbunden werden, dass Sie persönlich ohne irgendwas konkretes rechstwidriges getan zu haben enorme Schaden daraus tragen müssen. Diese geplante Unternehmung mit ihren Daten, angeblichen oder tatsächlichen Stärken oder Schwächen, Vorlieben und Ablehnungen können und werden mit gewissem Ziel eingesetzt, das ihnen persönlich es noch lange Zeit nicht bewusst ist. Wenn sich die institutionelle Sammlung von allen Daten als ein Instrument der Herrschaft ohne rechtlicher Regelungen weiter so ausbaut, haben Sie keine Möglichkeiten dagegen vorzugehen. Eine falsche Anschuldigung die mit ihren allen Daten operiert? Was werden Sie tun, wenn dazu noch für die Feststellung der wahren Abwicklung die Gutachter einbezogen werden die eigentlich auch mittelbar eigenen Gutachten abgeben müssen.

    Dieser freier Raum sollte man ernstlich betrachten und analysieren, auch als eine Tendenz der Machtausübung, ob institutionell oder durch die private Unternehmungen spielt keine Rolle. Der innere Raum ihrer persönlichen Würde unterliegt in allen Reflexionen äußeren Manipulationen, die ganz gezielte Interessen verfolgen oder verfolgen können.

    Mir scheint, es mangelt Ihnen etwas an Fantasie, was mit Ihren Daten so alles angestellt werden könnte.

    Stellen Sie sich vor, sie erkranken mal psychisch, macht Ihnen das dann auch nichts aus, wenn das überall für jeden im Internet steht?

    Desweiteren bezweifel ich, dass Sie wirklich Theodor Groppe sind, unter diesem Namen findet man "Schwarzen General", sind Sie ein Nachfahre?

    Solange andere im Netz anonym über Sie Dinge verbreiten können, stellt das durchaus eine Gefahr dar. Um Ihrer Fantasie etwas auf die Sprünge zu helfen, googlen Sie mal nach Bruno Leicht. Diesem wurde durch anonymes Internet Mobbing von einem Subjekt aus den USA seine Lebensgrundlage heftig angeknabbert. Tjaja...

    würden doch kaum so viele Firmen Unsummen an Geldern ausgeben, um die Daten zu erhalten, oder? Was also soll und kann damit bewirkt werden? Wir haben eine staatliche Datensammlung von Bewegungsdaten, Firmen entlocken uns unsere Konsumgewohnheiten, um uns effektiver mit Werbung zuballern zu können, im Netz kann jeder unter meinem Namen jede Menge Blödsinn verbreiten, und ich soll das auch noch unterstützen, indem ich jeden Pups bitte einer breiten Community mitteile?
    Teilweise ist es einfach: Verbrechen sind auch in der virtuellen Welt Verbrechen und strafrechtlich zu ahnden. Und dieser große Bereich des Privaten sollte auch die Möglichkeit haben, privat bleiben - hier jedoch ist jeder auch selbst in der eigenen Verantwortung, manche Dinge nicht der ganzen Welt zu verkünden und verantwortungsvoll, reflektierend mit den eigenen Daten umzugehen. Datenschutz darf nicht zur Zensur werden, aber die Menschen sollten auch eine Möglichkeit haben, nicht "gläsern" zu werden. Hierzu notwendig ist eine Sensibilität für das, was mit den Daten so alles passieren kann, und eine Transparenz hinsichtlich der Art der Nutzung der Daten. Eine Gratwanderung, die wir lernen müssen...

    aber Werbeunternehmen, Versicherungsunternehmen, Ämter, eben alle Institutionen denen Sie Rechenschaft ablegen müssen und Unternehmen die mit Ihnen Geld verdienen wollen. Nur zu, machen Sie mit. Ich nicht.

    Nehmen wir an als Regierung habe ich etwas gegen einen Protest - wenn alle Leute sich schön mit Klarnamen beteiligen ist es ein Leichtes diese vorsorglich in Gewahrsam zu nehmen - man muss nicht einmal die IP Adresse über Forenanbieter und Internetanbieter zurückverfolgen.

    Reicht das?
    -> Alleine die Meinungsfreiheit braucht Anonymität.
    Stellen sie sich auf die Straße und tragen sie politische Thesen vor, würden sie dies mit Klarname und Anschrift tun?

    Vor allem in Ländern mit einer Diktatur (entweder im eigentlichen Sinne oder der Diktatur des Kapitals) braucht es die Möglichkeit Meinungen anonym zu äußern.
    Alles andere ist schädlich - auch für die "Demokratie". (Raten sie mal warum es geheime Wahlen gibt und denken sie einen Schritt weiter wenn man den Datenschutz ignoriert - Diskriminierung aufgrund der politischen Gesinnung)

    • GDH
    • 18.04.2011 um 13:46 Uhr

    @theodor groppe:
    Hätten Sie die Ziffern hinter dem Komma weggelassen, hätte ich nach einer Quelle für Ihre Behauptung gefragt. So gehe ich davon aus, dass Ihre Zahl aus der Luft gegriffen ist (100%-99.995%=0.005% - das gibt auf die deutsche Bevölkerung hochgerechnet weniger Leute als schon einzelne Petitionen und Sammelklagen an Unterstützern aufweisen).

    Inhaltlich kann ich Ihnen auch nicht folgen. Der einzige Punkt, der mir an der Spackeria-These plausibel ist, ist der, dass ein Verbot des Weitergebens einmal erhobener Daten nicht viel bringt (zu zahlreich sind die Beispiele, dass staatliche Stellen an Daten auch rankommen, wenn diese einmal vorliegen). Daraus folgt aber für mich erst recht, dass es der individuellen Kontrolle des Nutzers unterliegen muss, welche Daten von ihm erhoben werden können(freilich mit wohlbestimmten Ausnahmen hinsichtlich z.B. meldepflichtiger Krankheiten, Steuerdaten usw. wo eine öffentliche Verwaltung halt berechtigtes Interesse hat).

    theodor groppe fragt:

    Ich verstehe noch nicht mal das Problem. Wer sollte meine Daten 'missbrauchen'?

    Es geht um die tatsächliche Bedeutung des Begriffes Missbrauch. Die Frage lautet, wann werden manche Daten missbraucht? Dabei handelt sich noch nicht um die rechtliche Regelung des Missbrauchs, weil ihre Daten können ohne ihres Wissens und ohne ihres Willens so verbunden werden, dass Sie persönlich ohne irgendwas konkretes rechstwidriges getan zu haben enorme Schaden daraus tragen müssen. Diese geplante Unternehmung mit ihren Daten, angeblichen oder tatsächlichen Stärken oder Schwächen, Vorlieben und Ablehnungen können und werden mit gewissem Ziel eingesetzt, das ihnen persönlich es noch lange Zeit nicht bewusst ist. Wenn sich die institutionelle Sammlung von allen Daten als ein Instrument der Herrschaft ohne rechtlicher Regelungen weiter so ausbaut, haben Sie keine Möglichkeiten dagegen vorzugehen. Eine falsche Anschuldigung die mit ihren allen Daten operiert? Was werden Sie tun, wenn dazu noch für die Feststellung der wahren Abwicklung die Gutachter einbezogen werden die eigentlich auch mittelbar eigenen Gutachten abgeben müssen.

    Dieser freier Raum sollte man ernstlich betrachten und analysieren, auch als eine Tendenz der Machtausübung, ob institutionell oder durch die private Unternehmungen spielt keine Rolle. Der innere Raum ihrer persönlichen Würde unterliegt in allen Reflexionen äußeren Manipulationen, die ganz gezielte Interessen verfolgen oder verfolgen können.

    Mir scheint, es mangelt Ihnen etwas an Fantasie, was mit Ihren Daten so alles angestellt werden könnte.

    Stellen Sie sich vor, sie erkranken mal psychisch, macht Ihnen das dann auch nichts aus, wenn das überall für jeden im Internet steht?

    Desweiteren bezweifel ich, dass Sie wirklich Theodor Groppe sind, unter diesem Namen findet man "Schwarzen General", sind Sie ein Nachfahre?

    Solange andere im Netz anonym über Sie Dinge verbreiten können, stellt das durchaus eine Gefahr dar. Um Ihrer Fantasie etwas auf die Sprünge zu helfen, googlen Sie mal nach Bruno Leicht. Diesem wurde durch anonymes Internet Mobbing von einem Subjekt aus den USA seine Lebensgrundlage heftig angeknabbert. Tjaja...

    würden doch kaum so viele Firmen Unsummen an Geldern ausgeben, um die Daten zu erhalten, oder? Was also soll und kann damit bewirkt werden? Wir haben eine staatliche Datensammlung von Bewegungsdaten, Firmen entlocken uns unsere Konsumgewohnheiten, um uns effektiver mit Werbung zuballern zu können, im Netz kann jeder unter meinem Namen jede Menge Blödsinn verbreiten, und ich soll das auch noch unterstützen, indem ich jeden Pups bitte einer breiten Community mitteile?
    Teilweise ist es einfach: Verbrechen sind auch in der virtuellen Welt Verbrechen und strafrechtlich zu ahnden. Und dieser große Bereich des Privaten sollte auch die Möglichkeit haben, privat bleiben - hier jedoch ist jeder auch selbst in der eigenen Verantwortung, manche Dinge nicht der ganzen Welt zu verkünden und verantwortungsvoll, reflektierend mit den eigenen Daten umzugehen. Datenschutz darf nicht zur Zensur werden, aber die Menschen sollten auch eine Möglichkeit haben, nicht "gläsern" zu werden. Hierzu notwendig ist eine Sensibilität für das, was mit den Daten so alles passieren kann, und eine Transparenz hinsichtlich der Art der Nutzung der Daten. Eine Gratwanderung, die wir lernen müssen...

    aber Werbeunternehmen, Versicherungsunternehmen, Ämter, eben alle Institutionen denen Sie Rechenschaft ablegen müssen und Unternehmen die mit Ihnen Geld verdienen wollen. Nur zu, machen Sie mit. Ich nicht.

    • dth
    • 18.04.2011 um 12:55 Uhr

    Zu glauben, Konzerne würden Daten von sich aus transparent Handhaben und Datenschutz wäre damit überflüssig, ist doch naiv, dass es kracht. Dass Unternehmen keine Macht hätten, ist auch eine Illusion. Gut, sie können niemanden verhaften lassen, jedenfalls nicht hierzulande. Viele arbeiten aber irgendwo als Angestellte und auch wenn Daten für Dinge wie Kreditvergabe verwendet werden, können diese ganz erheblichen Einfluss auf meine finanziellen Möglichkeiten haben, wenn die Daten sich gar auf den Abschluss von Versicherungen auswirken, ist das auch nicht mehr lustig.

    Diese Haltung scheint aus einer Mischung von Naivität, Dummheit, Arroganz und dem Bedürfnis, sich mit einer sehr krassen Meinung hervorzutun, heraus motiviert zu sein. Wirklich ernst nehmen kann man das nicht, und ich hoffe, dass das Phänomen auch so überschaubar bleibt, dass man es nicht muss.

    5 Leserempfehlungen
  3. Ein naiver Haufen der an das Gute im Menschen glaubt...

    Der Kommentar mit der Party ist falsch - Erinnerungen sind selten genau, und können auch oft verfälscht sein. Es ist ziemliche wahrscheinlich dass Person A vergisst Person B betrunken auf einer Party gesehen zu haben - außer Person B ist nie auf Partys zu finden oder nie betrunken.

    Vielleicht nicht nach 1 Woche - aber fragen sie jemanden nach 2 Monaten wen er auf einer Party gesehen hat - da werden sich die wenigsten erinnern, wenn sie aufgrund ihres Alkoholexzesses überhaupt noch eine Erinnerung haben.

    Aber Photos vergessen nicht - sie können mit der Zeit verloren gehen, aber sie vergessen nicht.
    Die Bildern in meinem Flickr Accont sind dort für die Ewigkeit (es sei denn: a) ich lösche sie (in dem Falle könnte Yahoo noch eine Kopie besitzen, oder ein Nutzer der das Bild kopiert hat) oder b) die Datencenter von Yahoo werden zerstört, dann aber müssten mehrere auf einmal getroffen werden.
    Ähnlich verhält es sich mit jedem anderen Dienst - google, facebook - des weiteren wird das speichern von Daten immer einfacher. Sofern ich mich nicht irre passen mittlerweile mehr 35TB auf ein Magnetband - große Datenmengen zu speichern ist einfach.

    Und das ermöglicht nun wieder Missbrauch - in dieser Hinsicht, welcher Arbeitgeber stellt einen Exhibitionisten ein? Der könnt doch Firmengeheimnisse ausplaudern - auch durch versehen. Ich würde es definitiv nicht tun.
    Aber auch sonst wäre es einfach zu diskriminieren.

    3 Leserempfehlungen
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    "Ich vergesse ja auch nicht, dass ich Dich betrunken auf einer Party gesehen habe. Ich kann das höchstens verzeihen."

    Wenn Seemann mich betrunken auf der Party gesehen hat, heißt das noch nicht, dass mich weitere 5 Milliarden Menschen in den nächsten 100 Jahren ebenfalls betrunken auf der Party sehen können.

    1. Ob er es vergisst oder nicht, ist daher nicht relevant. Es geht vielmehr um seine privaten Möglichkeiten, diese Sensation (oder Schande) weiterzuverbreiten, die nicht mit den Möglichkeiten des Internets vergleichbar sind.

    2. In der realen Welt kann ich mich mit Seemann in Verbindung setzen und ihn vielleicht mit Argumenten dazu bringen, die Weiterverbreitung der Sensationsnachricht einzustellen. In der virtuellen Welt einen solchen Verursacher zu finden, ist ungleich aufwändiger selten von Erfolg gekrönt.

    Daher meine Meinung: Wenn der Datenschutz ganz aufgegeben wird, dann muss zugleich die Anonymität im Netz fallen.

    "Ich vergesse ja auch nicht, dass ich Dich betrunken auf einer Party gesehen habe. Ich kann das höchstens verzeihen."

    Wenn Seemann mich betrunken auf der Party gesehen hat, heißt das noch nicht, dass mich weitere 5 Milliarden Menschen in den nächsten 100 Jahren ebenfalls betrunken auf der Party sehen können.

    1. Ob er es vergisst oder nicht, ist daher nicht relevant. Es geht vielmehr um seine privaten Möglichkeiten, diese Sensation (oder Schande) weiterzuverbreiten, die nicht mit den Möglichkeiten des Internets vergleichbar sind.

    2. In der realen Welt kann ich mich mit Seemann in Verbindung setzen und ihn vielleicht mit Argumenten dazu bringen, die Weiterverbreitung der Sensationsnachricht einzustellen. In der virtuellen Welt einen solchen Verursacher zu finden, ist ungleich aufwändiger selten von Erfolg gekrönt.

    Daher meine Meinung: Wenn der Datenschutz ganz aufgegeben wird, dann muss zugleich die Anonymität im Netz fallen.

  4. Nehmen wir an als Regierung habe ich etwas gegen einen Protest - wenn alle Leute sich schön mit Klarnamen beteiligen ist es ein Leichtes diese vorsorglich in Gewahrsam zu nehmen - man muss nicht einmal die IP Adresse über Forenanbieter und Internetanbieter zurückverfolgen.

    Reicht das?
    -> Alleine die Meinungsfreiheit braucht Anonymität.
    Stellen sie sich auf die Straße und tragen sie politische Thesen vor, würden sie dies mit Klarname und Anschrift tun?

    Vor allem in Ländern mit einer Diktatur (entweder im eigentlichen Sinne oder der Diktatur des Kapitals) braucht es die Möglichkeit Meinungen anonym zu äußern.
    Alles andere ist schädlich - auch für die "Demokratie". (Raten sie mal warum es geheime Wahlen gibt und denken sie einen Schritt weiter wenn man den Datenschutz ignoriert - Diskriminierung aufgrund der politischen Gesinnung)

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  5. Redaktion

    Sehr geehrter Lama Chep,

    vielen Dank für den Hinweis. Allerdings wird an keiner Stelle behauptet, dass die Protagonisten für die Piratenpartei sprechen.

    Dazu auch noch eine Frage: Sie sprechen hier jetzt offiziell für die Piratenpartei?

    Oder anders formuliert: Ich hatte den Eindruck, dass es auch innerhalb der Piraten durchaus eine Kontroverse um die Spackeria gibt. Stimmt das demnach nicht?

    Beste Grüße
    Kai Biermann

    Antwort auf "Klarstellung"
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    Guten Tag Herr Biermann,

    ich spreche nicht offiziel für die Piraten, aber meine Aussage lässt sich mit dem Grundsatzprogramm der Piraten belegen:

    http://wiki.piratenpartei...
    (als PDF, das ganze 2. Kapitel)

    http://wiki.piratenpartei...
    (aktuellere Form im Wiki)

    Natürlich gibt es eine gewisse Diskussion darüber, da die Piraten für Leute denen "Netzpolitik" am Herzen liegt meist die erste Anlaufstelle sind. Außerdem sollte man für eine Diskussion über den Datenschutz auch alle möglichen Ausgestaltungen einmal durchsprechen. Aber meines Wissens hat sich noch keine einzige Gliederung der Partei für "post-privacy" ausgesprochen.

    Grüße

    Lama

    • zk4r
    • 18.04.2011 um 14:40 Uhr

    Das Grundsatzprogramm der Piratenpartei besagt, dass die Privatsphäre und der Datenschutz ausgebaut werden müssen!
    Die Meinungen der Piraten in diesem Artikel wiedersprechen dem Grundsatzprogramm der Piratenpartei und entsprechen damit auch nicht der Meinung der Piratenpartei. Es handelt sich dabei um Einzelmeinungen!

    Guten Tag Herr Biermann,

    ich spreche nicht offiziel für die Piraten, aber meine Aussage lässt sich mit dem Grundsatzprogramm der Piraten belegen:

    http://wiki.piratenpartei...
    (als PDF, das ganze 2. Kapitel)

    http://wiki.piratenpartei...
    (aktuellere Form im Wiki)

    Natürlich gibt es eine gewisse Diskussion darüber, da die Piraten für Leute denen "Netzpolitik" am Herzen liegt meist die erste Anlaufstelle sind. Außerdem sollte man für eine Diskussion über den Datenschutz auch alle möglichen Ausgestaltungen einmal durchsprechen. Aber meines Wissens hat sich noch keine einzige Gliederung der Partei für "post-privacy" ausgesprochen.

    Grüße

    Lama

    • zk4r
    • 18.04.2011 um 14:40 Uhr

    Das Grundsatzprogramm der Piratenpartei besagt, dass die Privatsphäre und der Datenschutz ausgebaut werden müssen!
    Die Meinungen der Piraten in diesem Artikel wiedersprechen dem Grundsatzprogramm der Piratenpartei und entsprechen damit auch nicht der Meinung der Piratenpartei. Es handelt sich dabei um Einzelmeinungen!

  6. "Stellen sie sich auf die Straße und tragen sie politische Thesen vor, würden sie dies mit Klarname und Anschrift tun?"

    Ja, genau das habe ich schon getan und werde es auch weiterhin tun. Dafür bin ich bespuckt, getreten, angepöbelt und verprügelt worden. Und zwar nicht vom Staat. Warum sollte ich vor dem Angst haben? Wenn der sich ernsthaft für mich interessiert, dann nützt auch 'Datenschutz' nichts mehr.

    Was ich festgestellt habe, wenn man seine Überzeugung aus Angst vor-was-auch-immer nicht mehr offen äußert, dann gibt es auch keine Meinungsfreiheit mehr. Der Glaube, Meinungsfreiheit brauche 'Anonymität' ist gleichbedeutend mit der Abschaffung derselben.

    Der größte Schaden an der Meinungsfreiheit richtet übrigens nicht der Staat an, sondern die diversen Gruppierungen, die andere Meinung als die eigene mit Gewalt zu unterdrücken suchen. Der Staat ist harmlos im vergleich zu diesen.

    2 Leserempfehlungen
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    Wenn sie ihre Thesen ja schon mit Klarnamen und Anschrift vortragen, was hindert das jemanden davon ihr Haus anzuzünden? Ja extrem, aber Möglich.

    Das Argument "wenn mich jemand finden will" ist absurd - auf Unternehmen bezogen mag es durchaus gelten.
    Privatpersonen haben nicht die finanzielle Mittel jemanden aus dem Netz zu identifizieren und ausfindig zu machen.

    Und zum Thema Angst sich zu äußern:
    Die nimmt einem eine garantierte Anonymität - nehmen wir einmal China.
    Würden sie eher über Tor anonym einen Zustand beklagen oder öffentlich mit Klarnamen und Anschrift? Natürlich anonym.

    Jetzt werden sie vielleicht sagen wir haben hier keine chinesischen Verhältnisse - dann sage ich: Noch nicht.

    Sie können weiterhin in ihrem Traumwelt leben wo alles fair ist und die Menschenrechte sowie das Gesetz geachtet werden, in der realen Welt ist dies nicht der Fall.
    -> Und wie ich oben angemerkt habe: Als Arbeitgeber würde ich einen Exhibitionisten nicht einstellen - genausogut könnte ich auch gegen politische Gruppen vorgehen, Linke, SPD - zu sozial etc. -> und natürlich wird dies nicht so begründet sondern durch mangelnde Qualifikationen.

    Und zu ihrem letzten Punkt - der Staat ist so eine Gruppierung - schauen sie sich doch an wer das Land lenkt. Die Industrie - auf dem Papier ist der Staat neutral - in der Realität ist er das nicht.

    Wenn sie ihre Thesen ja schon mit Klarnamen und Anschrift vortragen, was hindert das jemanden davon ihr Haus anzuzünden? Ja extrem, aber Möglich.

    Das Argument "wenn mich jemand finden will" ist absurd - auf Unternehmen bezogen mag es durchaus gelten.
    Privatpersonen haben nicht die finanzielle Mittel jemanden aus dem Netz zu identifizieren und ausfindig zu machen.

    Und zum Thema Angst sich zu äußern:
    Die nimmt einem eine garantierte Anonymität - nehmen wir einmal China.
    Würden sie eher über Tor anonym einen Zustand beklagen oder öffentlich mit Klarnamen und Anschrift? Natürlich anonym.

    Jetzt werden sie vielleicht sagen wir haben hier keine chinesischen Verhältnisse - dann sage ich: Noch nicht.

    Sie können weiterhin in ihrem Traumwelt leben wo alles fair ist und die Menschenrechte sowie das Gesetz geachtet werden, in der realen Welt ist dies nicht der Fall.
    -> Und wie ich oben angemerkt habe: Als Arbeitgeber würde ich einen Exhibitionisten nicht einstellen - genausogut könnte ich auch gegen politische Gruppen vorgehen, Linke, SPD - zu sozial etc. -> und natürlich wird dies nicht so begründet sondern durch mangelnde Qualifikationen.

    Und zu ihrem letzten Punkt - der Staat ist so eine Gruppierung - schauen sie sich doch an wer das Land lenkt. Die Industrie - auf dem Papier ist der Staat neutral - in der Realität ist er das nicht.

    • GDH
    • 18.04.2011 um 13:46 Uhr

    @theodor groppe:
    Hätten Sie die Ziffern hinter dem Komma weggelassen, hätte ich nach einer Quelle für Ihre Behauptung gefragt. So gehe ich davon aus, dass Ihre Zahl aus der Luft gegriffen ist (100%-99.995%=0.005% - das gibt auf die deutsche Bevölkerung hochgerechnet weniger Leute als schon einzelne Petitionen und Sammelklagen an Unterstützern aufweisen).

    Inhaltlich kann ich Ihnen auch nicht folgen. Der einzige Punkt, der mir an der Spackeria-These plausibel ist, ist der, dass ein Verbot des Weitergebens einmal erhobener Daten nicht viel bringt (zu zahlreich sind die Beispiele, dass staatliche Stellen an Daten auch rankommen, wenn diese einmal vorliegen). Daraus folgt aber für mich erst recht, dass es der individuellen Kontrolle des Nutzers unterliegen muss, welche Daten von ihm erhoben werden können(freilich mit wohlbestimmten Ausnahmen hinsichtlich z.B. meldepflichtiger Krankheiten, Steuerdaten usw. wo eine öffentliche Verwaltung halt berechtigtes Interesse hat).

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