Internetgipfel eG8 Sarkozy will das Internet zähmen

Der französische Präsident will mit Google, Facebook und eBay diskutieren, wie das Internet zivilisiert werden kann. Kritiker befürchten internationale Restriktionen.

Vor dem Gipfeltreffen der G8-Staaten in Frankreich hat Präsident Nicolas Sarkozy wichtige Vertreter von Internetfirmen und Verbänden zu einem Kongress eingeladen. Er will mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, Google-Chef Eric Schmidt, Verleger Rupert Murdoch oder eBay-Präsident John Donahoe darüber sprechen, wie und ob das Internet weiter reguliert werden kann. Die Ergebnisse sollen beim G8-Gipfel vorgelegt werden, der ab Donnerstag unter dem Vorsitz Frankreichs in der Küstenstadt Deauville beginnt.

Es ist das erste Mal, dass auf der Ebene der G8 über das Internet diskutiert wird. Beim Vorbereitungstreffen mit den Branchen-Vertretern, dem "eG8-Forum", soll es um Themen wie Privatsphäre, Urheberrecht oder die freie Meinungsäußerung im Internet gehen.

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Kritiker der Veranstaltung monieren, das Treffen sei unter Ausschluss der Netzöffentlichkeit geplant.  Das Blog Netzpolitik schreibt unter Berufung auf die französische Wirtschaftszeitung La Tribune, die Teilnehmerplätze des eG8-Forums seien nur Sponsoren zugänglich, die 100.000 bis 500.000 Euro pro Sitzplatz zahlten. Bürgerrechtsorganisationen seien damit von den Beratungen ausgeschlossen.

Sarkozys Netzpolitik gibt zu Befürchtungen Anlass, die bei dem Treffen verabschiedeten Regeln könnten bürgerliche Freiheiten weiter einschränken und wirtschaftlichen Forderungen nachgeben. Das Internet sei "ein Territorium, das es zu erobern gilt", hatte der französische Präsident früher gesagt, berichtet etwa die BBC. Das Netz dürfe nicht zum "Wilden Westen" und zu einem "rechtsfreien Raum" werden und müsse "zivilisiert werden". Sarkozy hat sich dafür eingesetzt, umstrittene Instrumente wie Netzsperren in Frankreich gesetzlich zu verankern. Er versuchte auch auf europäischer Ebene, eine "Three-Strikes-Regelung" zu installieren, die als Sanktion für Vergehen wie illegalen Download vorsieht, den Zugang zum Netz zu sperren.

Die taz berichtet, es könne beim jetzigen Treffen darum gehen, Internetserviceprovider zu verpflichten, das Netz nach Illegalem zu filtern. Bislang wehren sich diese gegen solche Pläne, sie wollen nicht für die Dinge verantwortlich sein, die in ihren Leitungen transportiert werden. Bürgerrechtler unterstützen sie dabei und fordern ein neutrales Netz, das jeden Inhalt mit gleicher Priorität behandelt und keinen diskriminiert.

Aktivisten haben zur Unterzeichnung einer Petition aufgerufen, in der gefordert wird, "die Freiheiten im Internet, digitale Bürgerrechte und freie Kommunikation" zu fördern.

Leser-Kommentare
  1. ...von 100k-500k Dollar ist natürlich schon von vornherein jeglicher Pöbel ausgeschlossen:
    http://www.netzpolitik.or...

    Die Konzern-Eliten der Rechteverwertungskartelle werden dort ihre Wünsche formulieren können und die Politik darf sich mit deren Umsetzung saftige Aufsichtsratposten verdienen. Es wird ablaufen wie immer.

    Zum Glück haben diese mafiösen Vereinigungen bisher noch keinen durchschlagenden Erfolg gehabt. Allerdings macht auch die Salamitaktik müde, etwa die Unfähigkeit deutscher Politiker, kostenpflichtige Abmahnungen bei Bagatellen wirksam zu unterbinden oder sogar Hausdurchsuchungen wegen zwei MP3 Dateien:
    http://www.dvb-didi.de/ha...

    Vor dem Gesetz sind alle gleich, nur leider stehen einige hinter dem Gesetz...

    • hulu
    • 24.05.2011 um 15:19 Uhr

    die regierungs helden werden vielleicht als schurken entlarvt und das will man doch nicht.

  2. ...da springt einen doch der Begriff (un)heilige Dreieinigkeit an :-)

    Spass beiseite.

    Das die Mitglieder der Exekutiven der G8 "das Internet zähmen" wollen, das glaube ich SOFORT.

    Wenn ICH Politiker wäre, ich würde das Internet hassen:
    Jeder dumme Spruch, jede kleine Lüge, jedes üppige Zitat für die Doktorarbeit, die so wichtig für die Aussendarstellung ist, alles behält das Netz und Kreti und Pleti können es nachprüfen.

    Uncool.

    Nun denn, noch dürfen wir Wählen und noch bewirkt es etwas.
    Erbhöfe fallen nach Jahrzehnten und zumindestens in Deutschland werden CDU/CSU der SPD dorthin folgen wo sie hingehören: < 30%.

    ...wenn nur die Grünen nicht so kriegsgeil wären (seufz)...

  3. werden - er kann das Wort Napoleon Sarkozy nicht mehr hören. Merkel kann "Mutti" nicht mehr hören, Camerun kann "Kriegstreiber" nicht mehr hören.

    Das brauchten sie ja alles nicht mehr hören wenn sie eine Bürger nahe Politik machen würden. Das geht nicht mit "Geheimsitzungen", Abbau von Sozialleistungen, Bildung von "Rettungsschirmen - sümpfen", Landbesetzungen in Libyen und demnächst in Griechenland.

    Tja der Wille der Bürger = TRANSPARENZ!!! Das geht nur über das freie Netz.

  4. so wie es ist.

    Es ist mein zu Hause und wenn mir jemand irgendwas von meinem zu Hause zerstören/klauen/verbieten will, dann werd ich mich dagegen zu Wehr setzen, ganz gleich ob es ein vercrackter Blackhat/ Scriptkiddy oder ein Politiker ist, sie werden alle scheitern mir mein zu Hause kaputt zu machen.

    • R.B.
    • 24.05.2011 um 16:02 Uhr

    ist z i v i l i s i e r t. Alle Gesetzte unseres Zusammenlebens gelten auch dort. Das Netz ist genau so zivilisiert wie unser r e a l e s Leben auch.

    Ja, es gibt in beiden Welten Missetäter, Terroristen, aber es gibt auch in beiden Welten das "Briefgeheimnis" und das Recht auf freie Meinungsäußerung.

    Ich verwehre mich entschieden gegen jegliches "Abhören" ohne konkreten Verdacht. Eben wie im realen Leben auch.

    13 Leser-Empfehlungen
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    kann man es nicht ausdrücken

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  5. kann man es nicht ausdrücken

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    Antwort auf "Das Netz "
  6. "Das Netz dürfe nicht zum 'Wilden Westen' und zu einem 'rechtsfreien Raum' werden und müsse 'zivilisiert werden'".
    Ein "zivilisiertes" Netz wäre in der Tat wünschenswert. Denn zurzeit ist das WWW ein - zumindest faktisch - rechtsfreier Raum, in dem zwar die Gesetze der analogen Welt theoretisch gelten, aber praktisch so gut wie nicht angewandt werden. Der Begriff "Wilder Westen", also das Faustrecht der Prärie, beschreibt den Ist-Zustand sehr gut. Leider.
    Man kann Präsident Sarkozy nur viel Erfolg wünschen.

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    Entfernt. Bitte diskutieren Sie den Inhalt des Artikels anhand sachlicher Argumente. Danke. Die Redaktion/wg

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