Entwickler neuer Technologien sollten deutlich mehr über die moralischen Maßstäbe ihrer Erfindungen nachdenken, findet Damon Horwitz . Denn wie Computer ein Betriebssystem, bräuchten Entwickler ein "moral operating system", ein moralisches Betriebssystem. So banal diese Erkenntnis klingen mag, so ungewöhnlich war es, dass dem promovierten Philosophen bei seinen Erläuterungen Führungskräfte aus dem Silicon Valley zuhörten. Wie selbstverständlich hatten sie sich am 11. Mai unter Studenten und Mitarbeiter der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Stanford gemischt, um Horwitz zu sehen.

Er ist kein Unbekannter und selbst das beste Beispiel für seine Forderung. Horowitz hat nicht nur gleich mehrere erfolgreiche Internetfirmen gegründet, eine davon Aardvark , eine Art Community-basierte Suchmaschine, die kürzlich von Google aufgekauft wurde . Er ist auch promovierter Philosoph und bekleidet bei Google heute sowohl den Posten eines technischen Leiters als eben auch den eines inoffiziellen Haus- und Hofphilosophen.

In dieser Funktion hielt er in Stanford einen Vortrag mit dem Titel: " Why you should quit your technology Job and geht a humanities Ph.D " – "Warum Sie ihren Technik-Job kündigen und in den Geisteswissenschaften promovieren sollten."

Fast scheint es ein Trend, dass Technikunternehmen Philosophen beschäftigen, siehe das Beispiel Gunter Dueck , der bei IBM Deutschland eine ähnliche Rolle bekleidet wie Horowitz bei Google. Und natürlich gibt es nichts daran auszusetzen, wenn Unternehmen jemanden bezahlen, um sich über die Welt den Kopf zu zerbrechen.

Doch stellt sich die Frage, was die Philosophie zu strittigen Fragen beitragen kann. Was hätte beispielsweise der von Horowitz zitierte Stuart Mill von Street View gehalten? Hätte es für die Straßenbilder das Aus bedeutet, wenn eine moralische Fragen primär nach ihren Konsequenzen zu beurteilen wäre? Und sollte beim Thema der Gesichtserkennung Goggles eher kantianisch, also idealistisch argumentiert werden und der Zweck nicht alle Mittel heiligen, selbst bei konkretem Nutzen?

So geht es den Unternehmen insgesamt wohl kaum um mehr, als dank philosophischer Kompetenz sympathischer auf Nutzer, Kunden und Partner zu wirken. Daher ist es zwar durchaus positiv, dass Google Menschen wie Horwitz beschäftigt und öffentlich denken lässt. Traditionell aber ist eine andere Arbeitsteilung sinnvoller: Unternehmen entwickeln Technik und die Gesellschaft entscheidet, welche davon sie sich zumuten kann und will. Von Erfindern zu verlangen, sich im Zweifel selbst zu beschränken, ist wenig aussichtsreich, fehlen dazu doch die Anreize, wenn auf der anderen Seite Gewinne locken.