InternetWie das Netz sich selbst zivilisiert

Das ganze Internet ist krawallig, grob und unfair? Nein, längst haben Menschen Orte geschaffen, an denen Selbstkontrolle funktioniert. So könnte es überall sein. von 

Der Speaker's Corner-Park in Singapur

Debatte im Speaker's Corner-Park in Singapur  |  © Reuters

Man kann diese Geschichte mit dem berühmten Soziologen Norbert Elias beginnen oder mit einer S-Bahn-Fahrt durch Hamburg. Da steht inmitten müder Pendler ein schlechtgelaunter Kerl und pöbelt herum. Schließlich erhebt sich ein älterer Herr, baut sich vor dem Radaumacher auf und blafft: "Halt endlich den Mund!" "Was willst Du tun, mir eine reinhauen?" "Nein, aber wenn Du keine Ruhe gibst, hole ich den Fahrer." Die Bahn hält, der Krawallbruder flüchtet.

Im Internet flüchtet niemand. Jedenfalls nicht der Laut-Sprecher. Ein " Mund halten! " beendet vielleicht einmal eine vulgäre Tirade; Einsicht aber entsteht oft nicht. Das Netz sei eben anarchisch strukturiert, höhnen Netzskeptiker dann gerne, seine Benutzer seien eine unlenkbare Masse, die im Schutz der Anonymität ihre dunkelsten Triebe auslebt.

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Soweit die Legende. Die Wahrheit klingt anders.

Wer genauer hinsieht, entdeckt auch im Netz viele Spuren jenes Zivilisationsprozesses, den Norbert Eliasschon 1939 beschrieben hat. Damals schilderte er, wie gesellschaftliche Konventionen entstehen. Je abhängiger Menschen voneinander seien, desto wichtiger werde es für sie, das menschliche Verhalten voraussehen zu können, weil nur dies Sicherheit vor der Aggression des Nächsten verspreche. Diese Sicherheit könne nicht allein von außen erzwungen werden, sondern es brauche dafür so genannte Selbstzwänge, die den Menschen disziplinieren. Das Gewissen zum Beispiel, das uns davon abhält, einem anderen ein Bein zu stellen. Oder das Empfinden, dass es peinlich werden kann, wenn man im Restaurant  einen anderen Gast lauthals anpöbelt. 

Auch im Netz etablieren sich zunehmend gesellschaftliche Konventionen, wie wir in seinen verschiedenen Räumen miteinander umgehen. Allerdings sind die technischen wie die sozialen Bedingungen, unter denen das geschieht, ungleich schwieriger. Wenn das Netz aber dauerhaft zu einer Plattform unseres gesellschaftlichen Lebens werden soll, ist mehr nötig als technische Machbarkeit. Es braucht einen menschlichen Faktor.


Norbert Elias

Der Soziologe schilderte in seiner Studie Über den Prozess der Zivilisation von 1939, wie Intimität und gesellschaftliche Konventionen entstehen. Mit dem Beginn der Neuzeit werden durch Arbeitsteilung und Spezialisierung immer mehr Menschen voneinander abhängig. Damit wird es immer wichtiger, das menschliche Verhalten voraussehen zu können, weil nur dies Sicherheit vor der Aggression des Nächsten und eine Stabilität des Zusammenlebens verspricht. Diese Sicherheit kann nicht alleine von außen durch eine höhere Instanz erzwungen werden, sondern es bedarf so genannter Selbstzwänge (Selbstkontrolle, Verstand, Gewissen), die den Menschen disziplinieren. Im Zusammenwirken von Fremd- und Selbstzwängen entwickeln sich Zivilisationsprozesse stetig fort und verfeinern sich kontinuierlich, wobei Fremdzwänge nach und nach durch Selbstzwänge ersetzt werden. Die äußere Freiheit wächst, die innere nimmt ab.

Caterina Fake

ist eine der Gründerinnen von Flickr. Sie programmierte selbst und stieg in die Geschäftsführung der Website auf. Fake beschäftigte sich schon früh damit, wie man einen guten Umgangston in einem Netzwerk erreichen kann und entwickelte die Verhaltensregeln von Flickr mit. Fake vertritt den Standpunkt, dass ein fairer Umgang innerhalb einer Community nur herzustellen ist, wenn die Betreiber sich frühzeitig in Diskussionen zwischen den Nutzern einschalten und stetig in engem Kontakt mit ihren Nutzern bleiben. Der New York Times erklärte sie ihr Erfolgsrezept so: "Wir verbrachten früh viel Zeit damit, die Fotos unserer Nutzer zu kommentieren. Wir schrieben nicht einfach 'tolles Bild', sondern verfassten ausführliche Texte, in denen wir erklärten, was wir an dem Bild mochten. Wir waren sehr positiv".

Christian Pentzold

lehrt Medienkommunikation an der Technischen Universität Chemnitz (http://www.medkom.tu-chemnitz.de/mk/personen_pentzold.php). Der Soziologe beschäftigt sich am Beispiel Wikipedia mit der Frage, wie diskursiv Wissen generiert werden kann. Unter anderem untersucht er die sozialen Abläufe innerhalb der Mitarbeiterschaft  der Enzyklopädie. Gefragt, warum sich noch nicht überall im Netz gesellschaftliche Normen durchgesetzt haben, sagt Pentzold: "Es gibt zwei Probleme: Oft ist die Architektur der Website nicht eindeutig genug. Man weiß nicht, in welchem gesellschaftlichen Rahmen man sich bewegt und was genau vom Nutzer gefordert wird. Zweitens haben wir alle noch nicht lange genug geübt, wie man im Netz miteinander umgeht.” Pentzold ist hoffnungsfroh, dass sich beides bald ändern wird. “Das Internet ist längst kein abgelegener Planet mehr, sondern Alltag. Deshalb gibt es auch keine soziologischen Effekte im Netz, die es nicht im normalen Leben auch gibt."

Lange wurde das Internet von außen als ein einziger großer Raum betrachtet. Doch in Wahrheit bestand das Netz schon immer aus einer Vielzahl mehr oder minder ausdifferenzierter und  voneinander getrennter Räume. Einige davon gelten ihren Nutzern als privat und geschlossen (beispielsweise einige soziale Netzwerke), andere sind Orte halböffentlicher oder öffentlicher Kommunikation. Je nach Charakter der Plattform geht es freundlich oder rau zu, vulgär oder hochanständig. An vielen dieser Orte herrscht ein guter Ton, aber in nachhaltiger Erinnerung bleiben die Stellen, wo es weniger nett zugeht.

Dafür gibt es eine Erklärung: Anders als in der analogen Welt fehlt im Netz bislang vielerorts die gemeinsame Basis, die es braucht, um soziale Normen zu etablieren. Die Kommunikation ist aufs Mindeste reduziert, klassische Regeln greifen deshalb nicht. Wer im Café miteinander spricht, der sieht, riecht, hört den anderen, nimmt seine Körpersprache wahr, erkennt, was ihn ablenkt. Im Netz bleibt davon oft nur die Schrift übrig, ein Ausdrucksmedium, das vielen Menschen ohnehin zu schaffen macht. Also werden aus Buchstaben Bilder gebaut ( :-) ) , etablieren sich Gefühlskürzel (*lol*) . Soziale Netzwerke versuchen, noch mehr Hinweise darauf einzusammeln, mit was für einem Gegenüber wir es zu tun haben: Profilbilder, Interessensangaben, Gefällt-mir-Ansagen, private Fotostrecken oder Videos. Der Umgangston bleibt dennoch häufig gewöhnungsbedürftig. 

Leserkommentare
  1. Diesen "zivilisatorischen" Prozeß habe ich gerade erst gestern feststellen können, als ich zu einem Mobilfunktarif gegoogelt habe:
    Im Heise-Forum tobte vor kurzem eine Hass-Welle gegen Türken, weil eine türkische Mobilfunkfirma eine Filiale in Deutschland eröffnet hat.

    http://tuerkenmafia.blogs...

    Da ging es gar nicht bei den Diskussionen um die günstigen Tarife oder der Tatsache, dass sie gleiche Tarife über die Ländergrenzen anbot, sondern einzig und allein um das Ausleben von Hass auf Türken.

    Sowas zeigt mir, dass das Internet nicht zivilisiert, sondern der Menschen wahren hässliches Gesicht zum Vorschein bringt.

    Sorry, dass ich Ihren Traum so platzen lassen muss.

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    Der in jedem moderierten Forum oft zu hörenden Zensurvorwurf ist nicht ganz so leicht von der Hand zu wischen, wie es der Artikel tut.

    Wenn es allein um agressive Umgangsformen geht, mag es angemessen sein, denjenigen hinauszuwerfen, der sich nicht benimmt. Wenn es jedoch um Meinungen geht, ist das schon problematischer -- besonders, wenn der Gastgeber erstens Eigeninteressen hat, zu deren Durchsetzung er sein Forum mißbraucht, und wenn er zweitens eine (weitgehende) Monopolstellung hat, mit der er Gleichschaltung erzwingen kann.

    Beispiel: Nicht selten werden im Zeitforum Meinungsäußerungen, die der der Redaktion widersprechen, als unsachlich entfernt, ebenso unsachliche Äußerungen, die die Meinung der Redaktion stützen, hingegen empfohlen.
    Der Grund mag sein, daß der zensurbefugte Redakteur keine Begründung für das vermißt, wovon er selbst bereits überzeugt ist, während er kontroverse Meinungen erst einmal als unsinnig empfindet und nur ertragen kann, wenn sie gründlich argumentativ aufgebaut wurden.
    Eine Moderation mit Meinungstendenz ist im Endeffekt sehr wohl Zensur.

    • MCBuhl
    • 12. Mai 2011 9:07 Uhr

    Ich habe auf Ihrem Blog die selbe Antwort eingestellt, denn Ihre Aussage zu Heise.de stimmt nicht. Ihr Beispiel stützt eher den Artikel... Ich kommentierte in Ihrem Blog: "Naja, Einspruch: da wurde getobt und gehetzt. Ja. Da wurde aber auch argumentiert (pro/contra) - die Hetzer haben in den diskutierenden Threads recht zügig den Schwanz eingekniffen - das zeigt doch, worum es ging: mal schauen, wie weit wir trollen dürfen, bei der ersten Gelegenheit aber schnell weg..."

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich und höflich. Danke. Die Redaktion/km

    Lesen Sie den Artikel nochmal, denn offenbar haben Sie die Kernaussage nicht begriffen!
    Es steht nirgends im Artikel, dass es überall im Netz nett und freundlich zugeht. Der Artikel sagt, dass sich im Netz die gleichen Mechanismen im Zusammenleben der Menschen entwickelt haben wie im "offline-Leben", nichts weiter. Und verbal geäußerten Fremdenhass gibt es offline (seit es Menschen gibt) wie online; es gibt Orte, an denen das toleriert wird, und Orte, an denen das eben nicht toleriert wird, offline wie online.
    Es kommt immer drauf an, wer an dem Ort (offline wie online) das Sagen hat, wie der Hausherr mit seiner Verantwortung umgeht, oder ob er persönliche Meinungsäußerungen so extrem viel Spielraum lässt wie z.B. die USA (offline!): Was in Deutschland verboten ist (z.B. Ku-Klux-Clan, öffentliche Bekenntnissse zu Hitler etc.), darf in den USA öffentlich gesagt und gezeigt werden, da den USA die eigene Meinung über alles geht, auch wenn Andere durch diese Äußerungen diffamiert und verletzt werden.
    Es geht eben immer nach der Nase des jeweiligen Hausherrn, also: Artikel nochmal lesen und diesmal auch verstehen!

    für das im Artikel beschriebene Phänomen, dass oft die negativen Erlebnisse besser in der Erinnerung abrufbar sind. Im besagten Forum des heise-Verlages gibt es immer sehr differenzierte Meinungen. Sicher sind da auch Pöbler und Trolle unterwegs,aber die werden in der Regel auch identifiziert und manövrieren sich selbst in die Ecke.
    Anhand des Nicks "Türkenmafioso" vermute ich allerdings, dass da eine gewisse Bereitschaft besteht bei bestimmten Formulierungen in Reflexhandlungen zu verfallen und die Bereitschaft sinkt etwas im Ganzen zu betrachten.

    Anstatt Werbung für den eigenen Blog hätten Sie die Originalmeldung posten können.
    Siehe:
    http://www.heise.de/mobil...
    und Kommentare unter:
    http://www.heise.de/mobil...
    Die Aussage, dass es eine Hass-Welle gab ist gründlich übertrieben.
    Im Gegenteil: die Diskussion im Heise-Forum ist ein gutes Beispiel FÜR das Funktionieren der Selbstorganisation und -Kontrolle im Netz.

    Es heißt ja auch, dass noch einiges zu tun ist, um den zivilisatorischen Charakter zu bekommen. Da muss kein Traum zerplatzen. Es geht doch in dem Artikel hier nur um eine Vorstellung von dem, was erreicht werden kann.

    • Khef
    • 12. Mai 2011 6:59 Uhr

    Ich halte den Artikel für sehr gelungen.
    Endlich mal nicht einer dieser absolut sinnfreien "Das-Netz-darf-kein-Rechtsfreier-Raum-sein-wir-brauchen-mehr-staatliche-Kontrolle" Artikel.

    Man darf gespannt sein, ob es sich in diese Richtung entwickeln wird, gerade auch hier auf ZEIT Online.

    4 Leserempfehlungen
    • T.M.
    • 12. Mai 2011 7:41 Uhr

    Das Wort "usenet" hätten Sie wenigstens erwähnen können. Der Urvater jeglicher (!) Diskussion im Internet mag heute angesichts der vielen hippen Klickibunti-Plapper-Plattformen nicht mehr ganz zeitgemäss erscheinen - man kann ja nicht einmal Bilder von sich ins Netz stellen - ist aber nach wie vor, seit 30 Jahren (!), durchaus lebendig und gelegentlich ein Musterbeispiel für Selbstkontrolle, gelegentlich auch für deren Fehlen. Auch :-) und *lol* haben zweifelsfrei dort ihren Ursprung. (Die Sterne sind nämlich die übliche usenet-Notation, um etwas fett zu machen.) Ja, dazu hätte man recherchieren müssen. Drum scheint mir jedenfalls Ihr Artikel irgendwie mindestens 15 Jahre verspätet. Überlegen Sie mal, wieviel 15 Jahre im Informationszeitalter sind.

    3 Leserempfehlungen
  2. Nun wird villeicht auch mehr von der gesellschaftlichen Seite anerkannt das halt jede Gruppe ihre eigenen Regeln und Umgangsformen entwikelt, und so auch im internett die unterschiedlichen "Communietys" wie man die Gemeinschaften oft nennt nun mal ihre unterschiedlichen Regeln haben und ihre unterschiedlichen Umgangsformen.

    So heisen auch 20 Foren in denen Gemobt wird nicht das das Verhalten im Internett akzeptiert wird, und so sind auch die Communitis im Wandel begriffen je nachdem wie Neumitglider in die Gemeinschaft hineinkommen und wie die Administration lenkend eingreift.

    Gut beobachten konnte man das am Beispiel WOW, wo von der anfänglichen Gemeinschaft eher heute wenig übrig ist da es sich eher in die Casual Richtign hin entwikelt hat , und zu viele Ratgeber, Maps, Tipps, Mods ebend das Bedürfnis nett ueinander zu sein um etwas zu schaffen abgewertet haben.

    War man vorher noch bei 40 Raids darauf angewisen eine Gruppe zu finden und auch einges Verhalten zu tollerieren, ist es nun in 5 - 10 Gruppen deutlich leichter geworden sich abzukapseln und ebend nur die 10-15 mann als normal zu betzeichnen. Da man ja nun auch alle Tips duch Bücher oder mods angezeigt bekommt viel auch die oft langen Diskusionen wie man etwas schaffen könnte in der communety weg und so sind heute wohl eher zu wenig zusammenbringende Faktoren im Spiel.

  3. Der in jedem moderierten Forum oft zu hörenden Zensurvorwurf ist nicht ganz so leicht von der Hand zu wischen, wie es der Artikel tut.

    Wenn es allein um agressive Umgangsformen geht, mag es angemessen sein, denjenigen hinauszuwerfen, der sich nicht benimmt. Wenn es jedoch um Meinungen geht, ist das schon problematischer -- besonders, wenn der Gastgeber erstens Eigeninteressen hat, zu deren Durchsetzung er sein Forum mißbraucht, und wenn er zweitens eine (weitgehende) Monopolstellung hat, mit der er Gleichschaltung erzwingen kann.

    Beispiel: Nicht selten werden im Zeitforum Meinungsäußerungen, die der der Redaktion widersprechen, als unsachlich entfernt, ebenso unsachliche Äußerungen, die die Meinung der Redaktion stützen, hingegen empfohlen.
    Der Grund mag sein, daß der zensurbefugte Redakteur keine Begründung für das vermißt, wovon er selbst bereits überzeugt ist, während er kontroverse Meinungen erst einmal als unsinnig empfindet und nur ertragen kann, wenn sie gründlich argumentativ aufgebaut wurden.
    Eine Moderation mit Meinungstendenz ist im Endeffekt sehr wohl Zensur.

    16 Leserempfehlungen
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    Seit Jahren trage ich mich mit dem Gadanken eine Seite mit Diskussion ohne Moderation mit Meinungstendenz ins Netz zu stellen. Ich sehe aber keine Möglichkeit das zu realisieren, weil ich dann mit Sicherheit rechtliche Probleme bekommen würde.

    Das REcht muss so geändert werden, dass jeder wirklich seine Meinung sagen ohne das der Plattformanbieter belangt werden kann. Sicher werden sich dann einige Rüpel breit machen. Wenn wir jedoch das Wort Meinungsfreiheit ernst meinen, dann muss eine Gesellschaft das ertragen. Technische Lösungen wie zum Beispiel Bewertungen die Beiträge automatisch entfernen, die eine gewisse Anzahl der Bewertung beleidigend, sexistisch oder nicht rechtskonform, erhalten haben, wären beispielsweise ein Ansatz.

    • R.B.
    • 12. Mai 2011 9:17 Uhr

    Ja. Die WELT manipuliert über die Kommentarfunktion andersdenkende Meinungen im Sinne eigener interessensgelenkter Politik (Rücksetzten von Zählern, Hochsetzten von Zählern, Löschen von Kommentaren) die nicht auf der WELT-Linie liegen. Das war so (PapierWELT). Das ist so (DigitaleWELT).

    Auch wenn es nervt. Dagegen gibt es keine Rechtsverordnung, keine Rechtsmittel, die umsetzbar wären, denn das hieße totale (staatliche) Kontrolle und außer Kraftsetzung des Redakteurs.

    Aber etwas ist anders gegenüber der Papier-WELT. In der digitalen Welt wird es bemerkt und ist transparenter und kann frei kommuniziert werden.

    Ob es hilft wird sich zeigen.

  4. Zweites Beispiel: Amerikanische "Community"-Seiten sind berüchtigt für ihre Prüderie. Ein "Nipple slip" ist dort eine Riesenkatastrophe. Da die meisten "Community"-Seiten sich den amerikanischen Gesetzen oder Konventionen verpflichtet fühlen, kommt der Nutzer nicht darum sich fremden Normen anzupassen, um nicht zensiert zu werden.

    Auch als Ergebnis dieser erzwungenen weltweiten Gleichschaltung der Konventionen werden wir in der EU wohl demnächst eine weitere Verschärfung des Jugendanscheinspornographieverbotes bekommen, nach der jedwede halbwegs erotische Darstellung von womöglich unter 18-Jährigen zur Straftat erklärt wird.

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  5. ... denn irgendwie kam mir der Begriff "Gesellschaftsvertrag" in den Sinn, jenes ungeschriebene "Ding", das wie eine unsichtbare Hand dafür Sorge trägt, dass alles in der analogen Welt (mich befremdet diese Wortwahl etwas - realen Welt ist mir lieber) halbwegs seine Ordnung findet.

    Es steht zu hoffen, dass ein ähnlicher "Vertrag" sich auch in der virtuellen Welt entwickelt. Ich finde es positiv, dass der Artikel einen optimistischen Ton ausstrahlt, denn der Glaube an der besseren Ordnung im Internet will sich (bei mir) noch nicht so recht einstellen, einfach weil etwa Benachteiligung von Leuten durch Fehlverhalten Dritter nicht so deutlich erkennbar ist als in der realen Welt.

  6. "...längst haben Menschen Orte geschaffen, an denen Selbstkontrolle funktioniert."

    Diese Feststellung ist völlig richtig, trifft bedauernswerter Weise aber immer weniger auf den ehemaligen Journalismus in Deutschland und seine entsprechenden Kommentarbereiche in den Leitmedien zu.

    Hier gilt die Regel: Was der Redakteur darf, darf der Leser noch lange nicht.

    Da werden auch Beiträge, die als Artikel stilistisch kaum ein Problem wären, als „unsachlich“, „polemisch“ oder „am Thema vorbei“ zensiert und gelöscht. Auf den Leser, der dieses Schauspiel einige Zeit verfolgt, wirkt das ganze leider wie ein schäbiger Versuch, eine ideologisch geprägte Linie aufrecht zu halten und den Leser im Sinne des nicht gewählten Politikers in den Redaktionen und seiner Auftraggeber zu manipulieren.

    Im Springer Verlag und seinen Publikationen BILD und WELT hatte die Desinformation, die Verzerrungen, die Lügen und die Zensur ein derartiges - vom Leser ununterbrochen beanstandetes - Niveau erreicht, dass man sich gezwungen sah, ein neues Kommentarsystem einzuführen – und das übrigens trotz der Selbstkontrolle der Leser über eine „Meldefunktion“ bei anstößigen oder strafrechtlich relevanten Kommentaren.

    Aber machen wir uns nichts vor: Um diese ging es ja nie. Es ging nie darum, diejenigen Kommentare zu entfernen, die einer etwaigen Netiquette widersprachen, sondern es ging darum, diejenigen Kommentare zu löschen, die der Absicht der Autoren und des Verlages zuwider liefen.

    7 Leserempfehlungen
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    Können Sie eigentlich noch etwas anderes als Unterstellungen und Behauptungen zu produzieren?
    MfG

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  • Schlagworte Soziale Netzwerke | Wikipedia | Aggression | Flickr | Gelsenkirchen | Norbert Elias
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