Stress bei der Arbeit"Wir müssen lernen, Jedi zu sein"

Das Internet hat die Arbeitswelt verändert. Nun wäre es auch dringend nötig, die Menschen zu schulen, vor allem in sozialen Kompetenzen. Ein Interview mit Gunter Dueck von 

ZEIT ONLINE: Herr Dueck, warum braucht es heute andere Mitarbeiter als etwa vor 20 Jahren?

Gunter Dueck: Früher gab es klare, hierarchische Organisationen und getrennte Arbeitsbereiche: Zum Beispiel war die Produktion getrennt vom Marketing, die Entwicklung vom Vertrieb. Heute ist das anders. Die Aufgaben vermischen sich. Selbst wenn Sie bei einer traditionellen Bank arbeiten, müssen Sie gleichzeitig Vertriebsaufgaben und Kundenanfragen erledigen. Die Aufgaben sind insgesamt viel diffuser geworden. Sie arbeiten heute auch nicht mehr nur mit einem einzigen Chef zusammen, sondern Sie haben ganz viele Ansprechpartner, je nachdem, welche Dinge Sie gerade erledigen.

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ZEIT ONLINE: Warum führt das zu Problemen?

Gunter Dueck
Gunter Dueck

Dueck war in den achtziger Jahren Professor für Mathematik an der Universität Bielefeld. Später arbeitete er am Wissenschaftlichen Zentrum der IBM in Heidelberg, heute ist der bei dem Unternehmen Chief Technology Officer (CTO) der IBM Deutschland. Er hat mehrere Bücher mit philosophischen Betrachtungen über Menschen und die Arbeitswelt geschriebenund auch einen Vampirroman. Dueck bloggt unter Daily Dueck.

Dueck: Das verlangt einfach ganz andere Qualitäten. Stellen Sie sich einen Kassierer vor, das geht auch, ohne ein Wort zu sprechen. Sie geben einfach das Geld heraus. Wenn Sie aber auch für die Kundenbetreuung zuständig sind, ist das schon anspruchsvoller. Da müssen Sie sozial kompetent sein oder auf Beschwerden reagieren. Wenn Sie dann auch noch Veränderungen durchsetzen müssen, sollten Sie noch mehr soziale Kompetenz mitbringen.

ZEIT ONLINE: Sie sagen: Durch das Internet wird viel Routine-Arbeit erledigt, übrig bleiben Aufgaben, die keine Routine fördern. Inwiefern geht die Gesellschaft mit diesen Veränderungen falsch um?

Dueck: Unsere Gesellschaft denkt, diese ganzen sozialen Kompetenzen, die in den Stellenanzeigen heute selbstverständlich gefordert werden, wären durch einen Zwei-Stunden-Kurs erlernbar. Man bietet einen Workshop über Kreativität an, danach sind alle kreativ. Soziale Kompetenzen werden damit meiner Ansicht nach kriminell unterschätzt. Kreativ sein, Verkaufen können – das ist eine Kunst. Oder nehmen wir das Schreiben, das ist eine Kompetenz, die man lange lernen muss. Die ganze Bloggerbewegung denkt, man müsse doch nur im Netz etwas schreiben, und wird dann gelesen. Aber was Blogger schreiben ist eben größtenteils nicht so gut, und wird daher auch nicht gelesen. Alle diese Qualitäten werden von der Gesellschaft leider als nebensächlich angesehen.

Leserkommentare
  1. Gottseidank gibt es andere Möglichkeiten, als in einer Konzernstruktur sein Arbeitsleben zu verbringen. Es gibt viele Berufe, in denen Computer und Internet eine untergeordnete Rolle spielen, in denen man selbstbestimmt handelt. Dies gilt z.B. für viele Handwerksberufe. Mir scheint, dass Herr Dueck in seiner Tätigkeit einem starken Leidensdruck ausgesetzt ist, da unter der Prämisse der Gewinnmaximierung für die Konzernaktionäre arbeitend. Dies ist letztendlich frustrierend, da helfen auch Philosophie, Coaching und Vorbildsein nicht mehr.

    • afalfa
    • 04. Mai 2011 7:22 Uhr

    Schon wieder ein "Wir müssen" Artikel.
    Wir müssen gar nix.
    Schon gar nicht mehr uns von einem unmenschlichen System zerstören lassen, das selbst den innersten Kern des Menschseins der Produktivität und Profitmaximierung unterwirft.

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    • SusaS
    • 04. Mai 2011 7:35 Uhr

    ... derart verbittert in der Welt herumlaufen. Ihr Kommentar hat nichts mit diesem Interview zu tun, sondern könnte auf alle möglichen x-beliebigen Themen folgen, die im Entferntesten mit Politik oder Wirtschaft zu tun haben.

    • SusaS
    • 04. Mai 2011 7:32 Uhr

    Gehalt und zudem noch an einem roten Faden.

    • SusaS
    • 04. Mai 2011 7:35 Uhr

    ... derart verbittert in der Welt herumlaufen. Ihr Kommentar hat nichts mit diesem Interview zu tun, sondern könnte auf alle möglichen x-beliebigen Themen folgen, die im Entferntesten mit Politik oder Wirtschaft zu tun haben.

    Antwort auf "müssen"
    • QUOTE
    • 04. Mai 2011 7:59 Uhr

    Das letzte Mal, daß ich so einen Unsinnsspruch gehört habe, war in dem Film "Männer, die auf Ziegen starren"...und das sollte SATIRE sein!!!!!

    Wie kann jemand, der in derartigen pubertären Klischees gefangen ist, als "Führungskraft" gelten, bzw. sich selber als eine derartige sehen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • afalfa
    • 04. Mai 2011 8:16 Uhr

    Kennen wir schon.
    End-Vierziger-Führungs-Clowns, die den Zen-Buddhismus entdecken. Oder Marathon laufen. Oder Triathlon. Und den kleinen Prinzen oder Herr der Ringe lesen. Blablabla ...

    ich mag ja selbst die englische sprache sehr, und wo sie sinn machen sind anglizismen ja auch schön, aber was hat zum beispiel die formulierung "Als Professional hat man keine Angst" für einen mehrwert? war "profi" zu langweilig?

    dann noch eine kleine priese popkultur, aber nur extrem dürftig, und wie später in den kommentaren noch angemerkt ja auch noch daneben (jedis arbeiten _nicht_ in großunternehmen, das sind REBELLEN, keine grand moffs!), dazu etwas blogger-bashing und schon hat man publicity?

    im übrigen hat afalfa auch schon das wichtigste gesagt. dem möchte ich nur hinzufügen dass es ja an sich schön wäre, wenn diese sonst auf optimierung (anfangs beim lebenslauf, dann karriere, haus, sportwagen, "trophy-wife" etc.) ausgelegten menschen plötzlich irgendwie ihre innere mitte finden und sich umorientieren würden.
    daber wäre es eine tatsächliche erkenntnis, so würde diese dann auch konsequenzen nach sich ziehen, und wenn die ausbleiben (so ein kurzes interview mit "wir müssen ...!" zählt nicht) dann kann man diese menschen einfach nicht ernst nehmen.
    wenn er tatsächlich sein leben geändert hätte wäre das vielleicht anders, aber wer tut das schon, im imperium lässt sich's schließlich auch aushalten wenn man nur weit genug oben steht (so als sith)^^

  2. ... dann bräuchten die echten Menschen keine Jedis zu sein.

    Im Allgemeinen: Würde man all die Beamten, Juristen, Steuerberater, Genderstreamer, Politiker, Institute, Moderatoren, Popstars, Pressesprecher, Experten, Menschenrechtler, Journalisten, Geistliche und alles was sonst noch parasitär so rumasselt, mit unseren Steuergeldern mästen - so müssten wir richtigen Menschen auch nur 4 Stunden am Tag arbeiten oder könnten sogar mit China konkurrieren...

    Gekürzt. Bitte argumentieren Sie sachlicher. Danke, die Redaktion/se

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    • Thurse
    • 04. Mai 2011 10:47 Uhr

    Ja genau richtig die ganzen Beamten und Geistliche erfüllen ja auch eh keinerlei soziale Funktion. Und wir "richtigen Menschen"(groß, blond, blauäugig, arbeitsam;nehme ich an meinen sie?) sind ja sowieso das einzig Wahre und es ist äußerst erstrebenswert mit China mitzuhalten. Oo
    Eigentlich wollte ich zu dem wenig ergiebigen Interview nichts sagen, doch bei ihrem Kommentar "Aries Caban" musste ich doch meinen Senf dazugeben. Bevor sie fragen, nein ich falle in keine der von ihnen genannten Gruppen. Ich hoffe ernsthaft, dass ihre kleingeistige Darstellung einer satten schwarzen Ironie entsprungen ist und nicht ihr tatsächliches Weltbild reflektiert. Falls dem nicht so ist haben sie mein aufrichtiges Mitgefühl.
    mfg
    Thurse

    • ismus
    • 04. Mai 2011 8:16 Uhr

    roboter... (kraftwerk)

    • afalfa
    • 04. Mai 2011 8:16 Uhr

    Kennen wir schon.
    End-Vierziger-Führungs-Clowns, die den Zen-Buddhismus entdecken. Oder Marathon laufen. Oder Triathlon. Und den kleinen Prinzen oder Herr der Ringe lesen. Blablabla ...

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Arbeit | Führungskraft | Blogger | Computer | Internet | Konflikt
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