Klassische Medienhäuser in den USA bestimmen nicht mehr selbst darüber, wie ihre Inhalte zu den Lesern kommen. Sie sind längst abhängig von sozialen Netzwerken und Aggregatoren, die Medieninhalte aus verschiedenen Quellen zusammentragen. So lautet das Ergebnis einer Studie über den Zustand der amerikanischen Medien, die das Pew Research Center am Montag veröffentlicht hat . Sie belegt, was Verlage seit einiger Zeit mit gemischten Gefühlen beobachten – dass nämlich Seiten wie Facebook und Google immer wichtiger werden, um Leser zu gewinnen und Anzeigen zu verkaufen.

Demnach gelangen auf Nachrichtenangebote in den USA bereits etwa 40 Prozent der Leser über externe Links – also letztlich durch die Vermittlung von Google, Blogs oder sozialen Netzwerken. Laut Pew Research Center liegt Google dabei deutlich an der Spitze. Und zwar die Suchmaschine, der spezielle Nachrichtenaggregator Google News spielt nur eine untergeordnete Rolle. Neben der Suchmaschine sind in den USA als Quelle demnach auch Yahoo und der Drudge Report wichtig, die beide vor allem Links zu Nachrichtenangeboten verbreiten.

Facebook aber holt auf. Das soziale Netzwerk sei bereits bei fünf der fünfundzwanzig wichtigsten amerikanischen Nachrichtenseiten an Platz zwei oder drei, wenn es um die Nutzerströme gehe, heißt es in der Studie. Irrelevant dagegen sei Twitter. Möglicherweise noch. "Das Suchen nach Nachrichten war die wichtigste Entwicklung im vergangenen Jahrzehnt, das Teilen von Nachrichten könnte eine der wichtigsten des nächsten Jahrzehnts sein", schreiben die Autoren.

Die Konsequenz aus dieser Entwicklung sei, dass die Portale die Kontrolle über ihre Nutzer verlören, schreiben die Autoren: " The biggest issue ahead may not be lack of audience or even lack of new revenue experiments. It may be that in the digital realm the news industry is no longer in control of its own future. " Die größten Herausforderungen der nächsten Zeit seien nicht die sinkenden Leserzahlen oder die fehlende Experimentierfreude bei neuen Geschäftsmodellen. Die größte Herausforderung sei wohl, dass die Nachrichtenindustrie nicht länger ihre eigene Zukunft bestimmen könne.

Kontrollverlust ist eine Erfahrung, die irgendwann jeder macht, der sich ins Netz begibt, die aber für fest gefügte und kontrollierende Organisationen wie Verlage trotzdem neu und per se bedrohlich ist. Kein Wunder eigentlich, dass sich viele Unternehmen schwer tun mit dem Netz und beispielsweise Google aktiv bekämpfen .

Nur scheint es nicht der richtige Weg zu sein. Immerhin belegt die Studie , die in Zusammenarbeit mit der privaten, Non-Profit-Stiftung Knight Foundation erarbeitet wurde, auch, wie wichtig Netzwerke und Aggregatoren inzwischen geworden sind. Vor allem, seit es Handys gibt, mit denen gesurft werden kann. Demnach lesen inzwischen 47 Prozent und damit praktisch die Hälfte der amerikanischen Erwachsenen "zumindest einige lokale Nachrichten auf ihrem Handy oder ihrem Tablet". Damit beschleunigt das mobile Netz noch den Kontrollverlust der Verlage über ihre eigenen Inhalte.

Zeitungsverlage besaßen mit den Druckereien lange den einzigen Weg, ihr Produkt zu ihren Kunden zu bringen. Dank Internet aber gibt es neue Wege, Kunden zu erreichen und vor allem neue Wege, zu erfahren, was Kunden interessiert und was sie lesen wollen. Diese Zugänge aber werden von Suchmaschinen, Netzwerken und Hardwareherstellern dominiert. Und die neuen Mittelsmänner übernähmen nicht nur die Hoheit über Nutzerdaten, sie lassen sich ihre Dienste auch teuer bezahlen, Apple beispielsweise mit 30 Prozent vom Umsatz .