Pro Online-Shopping bringt den Supermarkt nach Hause

Einkaufen im Netz macht das Warten an der Supermarktkasse überflüssig. Zumindest in Großstädten wie Berlin funktioniert das bereits ausgezeichnet.

Wer seine Einkäufe normalerweise in ein oberes Stockwerk tragen muss, freut sich besonders über die Dienstleistung seines Supermarktes

Wer seine Einkäufe normalerweise in ein oberes Stockwerk tragen muss, freut sich besonders über die Dienstleistung seines Supermarktes

Es ist zehn Uhr am Samstagmorgen, als der Mann vom Lieferservice an der Tür klingelt. Er trägt den 70-Euro-Einkauf ohne Murren in den vierten Stock: die Klopapierpackung, den Blumenkohl, die Wasserkiste.

Manchmal sieht das frische Gemüse vielleicht nicht exakt so aus, wie es ein mäkeliger Kunde vor Ort in den Wagen gelegt hätte – der Chinakohl hat kleine braune Flecken, eine Avocado ist noch hart wie Stein. Aber alles in allem stimmt die Leistung. Für fünf Euro Aufschlag bringt der Supermark Kaiser's an die Kühlschranktür, was der Kunde am Vortag online bestellt hat. Auch der Drogeriemarkt Rossmann liefert sein Sortiment nach Hause. Edeka kommt angefahren, ab 75 Euro Bestellwert sogar ohne zusätzliche Gebühren.

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Online-Shopping ist ein großer Wachstumsmarkt. Die Menschen kaufen immer häufiger Bücher, CDs und Elektrogeräte im Internet. Sie buchen im Netz ihre Reisen und jagen nach Schnäppchen. Nur das traditionelle Einkaufen, das alltägliche Besorgen frischer Milch, von Brot, Seife und Kartoffeln, das findet immer noch in der überwältigenden Mehrzahl offline statt – zu 99,9 Prozent sogar.

Dabei könnte es sich lohnen, wenn viele Menschen auch den Alltags-Einkauf im Netz erledigten. Einkaufen verstopft die Straßen. 12,3 Prozent aller Verkehrsbewegungen in Städten haben den Einkauf zum Zweck, hat das System repräsentativer Verkehrsbefragungen (SrV) ermittelt. Ausgerechnet die Einkaufsfahrten, bei denen es ja oft schwer zu tragen gibt, werden wohl eher mit dem Auto unternommen als mit Rad oder Bus, sind also ökologisch besonders bedenklich.

Zwar streiten die Experten noch, ob Online-Shopping gut für die Umwelt ist. Aber man stelle sich einmal vor, alle Bewohner eines einzigen Mietshauses ließen sich den Einkauf bringen, statt einzeln in ihre Porsches und Geländemobile zu steigen und vor dem Supermarkt zu parken – das muss sich ökologisch doch rentieren! Und die Effizienz-Gewinne des Lieferservice sind umso größer, je mehr Menschen mitmachen, je dichter also der Fahrer sein Netz knüpfen und unnötige Wegstrecken vermeiden kann. Schließlich lohnen sich angeblich auch die sogenannten Gemüsekisten, die derzeit noch weitaus weniger Menschen bestellen: ökobewusste Bürger, die sich Obst- und Gemüse aus der Region direkt an die Haustür liefern lassen.

Außerdem frisst ein Einkauf wertvolle Lebenszeit. 41 Prozent benötigen über eine Stunde pro Woche, 19 Prozent brauchen sogar mehr als zwei Stunden. Einer Studie des Elite News Instituts zufolge, die der Online-Lebensmittellieferant froodies in Auftrag gegeben hat, ärgern sich 52 Prozent der Verbraucher über lange Wartezeiten an der Kasse. Angeblich verbringen Menschen im Laufe ihres Lebens ganze fünf Jahre damit, auf etwas zu warten. Da ist es doch viel angenehmer,  zu Hause Radio hören oder Zeitung lesen zu können, statt an einer Supermarktkasse zu stehen, den Wagen des Hintermanns in den Kniekehlen.

Leser-Kommentare
  1. Der Kommentar ist schon sehr überspitzt. Er erinnert mich an das Buch Momo, mit den grauen Herren, die einem weis machen wollen, wie viel Zeit man doch sparen kann, und am Ende doch alle weniger haben.

  2. "Aber man stelle sich einmal vor, alle Bewohner eines einzigen Mietshauses ließen sich den Einkauf bringen, statt einzeln in ihre Porsches und Geländemobile zu steigen und vor dem Supermarkt zu parken "

    Ob ausgerechnet die typische Porsche-/Geländemobileklientel nun mehrheitlich im Mietshaus wohnt?

    "Außerdem frisst ein Einkauf wertvolle Lebenszeit."

    Das ist wahr, wenn man das Einkaufen von Lebensmitteln ausschließlich als lästige Pflichtaufgabe empfindet. Ich für meinen Teil kaufe lieber Lebensmittel für ein gutes Essen, als, na, sagen wir: Schuhe.

    Um die Wartezeit an der Kasse erträglicher zu gestalten, stelle ich mich grundsätzlich bei der mit der attraktivsten Kassiererin an, selbst wenn die Schlange dort länger ist. Denn, wie wir spätestens seit Einstein wissen, ist Zeit ja relativ. Und wenn die Aussicht angenehm ist, vergeht die Wartezeit auch schneller. Außerdem erfolgt beim Anstellen an der kürzesten Schlange dort grundsätzlich entweder der Wechsel der Papierrolle der Kasse oder es steht alternativ die rüstige, aber kurzsichtige Omi vor einem, die erstmal den kompletten Kleingeldinhalt ihres King-Size-Geldbeutels auf das Band kippt und die Kassiererin auffordert, doch mal bitte abzuzählen. ("Reichts? - "Nein, es fehlen 2 Cent" - "Dann zahl ich es doch mit dem Schein. Is' aber auch alles teuerer geworden seit früher").

    Und sollte man nicht grade in die Nahrung, die man tagtäglich zu sich nimmt, ein bisschen mehr an Zeit und Aufmerksamkeit investieren?

  3. man kann entweder konventionell, biologisch-organisch oder mit Delikatessen durchsetzt liefern lassen, wobei in all diesen Fällen vom Wocheneinkauf bis zur Einzellieferung ab 25 Euro möglich ist und kostenlose Lieferung gibt es auch schon.

    Ich sehe da keine Neuerung... oder hab ich etwas übersehen?

    • Matths
    • 10.05.2011 um 18:35 Uhr
    4. Danke!

    Ich verfolge das Thema schon eine Weile aus zwei Gründen.

    1. Wocheneinkäufe würde ich gern selbst so erledigen und nur noch für spezielle Anlässe selbst aus dem Haus gehen. Aber Grundsortiment kann gern geliefert werden. Leider habe ich da bisher noch keinen guten Anbieter gefunden. Ihr Artikel hilft da weiter.

    2. Habe ich überlegt, das Projekt bald selbst anzugehen, wenn es keiner der großen Anbieter schafft. So habe ich mal einen aktuellen Stand. Auch nicht schlecht :).

    Danke!

    Gruß, matths

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    hier in GB macht das schon seit Jahren jede Supermarktkette.

    hier in GB macht das schon seit Jahren jede Supermarktkette.

  4. Liebe Redaktion,

    die URL des Online-Supermarktes froodies lautet http://www.froodies.de, der Link oben verweist auf www.froodies.net. Bitte korrigieren Sie das doch.

  5. Ich bin mir nicht sicher was schlimmer ist - Dudelfunk im Supermarkt oder im Radio?

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    ... und statt Dudelei einen Sender wählen, der mehr bietet. Im Supermarkt bin ich dem Schwachfug ausgeliefert. :-)

    ... und statt Dudelei einen Sender wählen, der mehr bietet. Im Supermarkt bin ich dem Schwachfug ausgeliefert. :-)

  6. Zitat Artikel:
    "...alle Bewohner eines einzigen Mietshauses ließen sich den Einkauf bringen, statt einzeln in ihre Porsches und Geländemobile zu steigen und vor dem Supermarkt zu parken..."

    Entfernen! Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke. Der Kommentator/gr

  7. hier in GB macht das schon seit Jahren jede Supermarktkette.

    Antwort auf "Danke!"

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