Wenn Facebook im kommenden Jahr an die Börse geht, könnte das Unternehmen dem US-Fernsehsender CNBC zufolge 100 Milliarden Dollar wert sein, das Hundertfache dessen, was im Jahr 2010 als Gewinn ausgewiesen wurde.

Weniger Freude dürfte Firmengründer Mark Zuckerberg derzeit das Wachstum der Nutzerzahlen seines Dienstes machen: Offenbar stagnieren sie erstmals. In Nordamerika verlor Facebook sogar mehr Mitglieder, als es hinzugewann, berichtet der Dienst Inside Facebook . In den USA sollen allein im Mai 2011 fast sechs Millionen Facebook verlassen haben, die Zahl der Nutzer sank im Mai von insgesamt 155,2 Millionen auf 149,4 Millionen. Auch in Kanada gibt es diese Abwanderung, dort waren es 1,52 Millionen weniger und damit 16,6 Millionen Facebook-Nutzer.

Weltweit steigen die Nutzerzahlen weiter, jedoch deutlich langsamer als bisher, berichtet Inside Facebook : Im Mai und Juni wuchs das Netzwerk um 12 beziehungsweise 14 Millionen Nutzer. In den 12 Monaten davor konnte Facebook in der Regel aber mindestens 20 Millionen Neuzugänge pro Monat verzeichnen. Insgesamt hat Facebook 687 Millionen aktive Nutzer weltweit.

Ein Grund für die Abwanderung könnten die Sicherheitslücken und die andauernde Diskussion um den Datenschutz sein. Im vergangenen Jahr griffen außerdem Projekte wie Diaspora und Openneuronet die Unzufriedenheit vieler Nutzer mit der Datenschutzpolitik von Facebook auf und boten konkurrierende Dienste an. Auch wenn keine davon auch nur in die Nähe solch enormer Nutzerzahlen kommt, könnte ihr Wachstum ein Indiz dafür sein, dass Facebook bei seinen Ausdehnungsmöglichkeiten langsam eine natürliche Grenze erreicht.

Die größten Zuwächse werden derzeit wohl in Ländern wie Brasilien, Indien oder den Philippinen erreicht. Die klassischen Märkte wie Nordamerika und Europa scheinen "gesättigt", zumindest abgesehen von Deutschland. Dort war der Konkurrent VZ-Netzwerke (der zur gleichen Verlagsgruppe wie ZEIT ONLINE gehört), lange stärker, verliert inzwischen jedoch immer mehr an Boden.

Derzeit ist Facebook nur noch ein riesiger Markt verschlossen: China. Es gibt Berichte, dass Zuckerberg großes Interesse daran hat , nach China zu expandieren. Doch müsste er sich dabei den dortigen Zensurwünschen unterwerfen, was das Image der Marke schädigen und auf anderen Märkten negative Effekte haben könnte.

Inside Facebook erhebt seine Daten mithilfe eines von Facebook selbst bereit gestellten Werbe-Tools und vermarktet die gewonnen Informationen. Die Firma selbst weist darauf hin, dass es auch durchaus widersprüchliche Daten gibt. Andere Werbemessprogramme, hier Comscore und Google Ad Planner, zeigten ein stabiles beziehungsweise ein großes Userwachstum bei Facebook.

Facebook gibt keine Zahlen über seine Nutzer preis. Lediglich große Schritte werden kommuniziert, wie der Zeitpunkt, als 500 Millionen Menschen Mitglied waren.

Das Netzwerk erklärte in einer Reaktion auf die Meldung, dass die Daten von Inside Facebook lediglich die Reichweite der geschalteten Werbung messen würden und deshalb nichts über das Gesamtwachstum des Netzwerks aussagten. Man sei "sehr zufrieden" mit dem Wachstum, zitiert Inside Facebook den Konzern.

Update: Wie golem.de berichtet , erklärte Facebook inzwischen, in "einigen wenigen Märkten" sei "langsam" eine Sättigung erreicht.