Soziale Medien im Unterricht sind ein Trend, auch wenn im Durchschnitt die Skepsis gegenüber dem Internet noch überwiegt. Das bestätigt eine jüngst veröffentlichte Studie der Babson Survey Research Group. Dort heißt es, dass nur zwei Prozent der Lehrer in den Vereinigten Staaten Twitter als Unterrichtsmedium verwendeten und mindestens fünfzig Prozent auf das Internet mit Skepsis reagierten, obwohl der positive Effekt für die Gesprächskultur durch Psychologen bewiesen sei.

Vor allem die Angst vor Zerstreuung ist immer noch groß. Da aber eine neue Generation von Lehrern heranreife, für die das Internet selbstverständlich sei, werde sich das Internet als Unterrichtsmedium in den kommenden Jahren durchsetzen, so die Prognose der Untersuchung. Warum auch nicht? Immerhin wollen Dienste wie Twitter Kommunikation so unkompliziert wie möglich machen – ein Ideal, das man auch im Unterricht nutzen kann, solange er nicht frontal abläuft.

Auch deutsche Erziehungswissenschaftler sind inzwischen der Ansicht, dass Schüler und Lehrer sich dringend mit sozialen Medien auseinandersetzen müssen. Eike Rösch, der das Blog Medienpädagogik betreibt, kann ebenfalls von positiven Erfahrungen berichten: "Ich kenne beispielsweise einen Geschichtslehrer, der mit Twitter die Kuba-Krise durchgespielt hat. Die eine Gruppe twitterte im Namen der Kubaner, die andere vertrat die Positionen der Amerikaner. Und so schaukelte sich die Situation von Tweet zu Tweet hoch – bis zur historischen Klimax."

Auf diese Weise würden die Geschichtsereignisse stärker im Gedächtnis haften bleiben, sagt Rösch. Und die Schüler profitieren von einem interessanten und abwechslungsreichen Unterricht.

Und was ist mit der Zerstreuung? Eike Rösch hält die Sorge für überbewertet. "Auch vor den sozialen Netzwerken konnte man sich leicht ablenken lassen. Nur die Möglichkeiten haben sich geändert." Der Medienexperte glaubt, dass die Skepsis vor allem auf Unwissenheit und Vorurteilen basiere: "Die Einführung des Social Web ist wie die Erfindung des Buchdrucks. Irgendwann wird man das Medium als selbstverständlich betrachten."

Ein Gedanke, den Lehrer sich häufiger bewusst machen sollten. Immerhin käme niemand auf die Idee, auf Bücher im Unterricht zu verzichten, nur weil sie auch ablenken können.