SchuleTwitter-Unterricht

Twittern im Unterricht? Klar, sagen einige Pädagogen und setzen das Internet gezielt ein, um Wissen zu vermitteln und Diskussionen anzustoßen. von Tomasz Kurianowicz

Unterricht am Whiteboard, einer Tafel, die auch einen Netzzugang hat

Unterricht am Whiteboard, einer Tafel, die auch einen Netzzugang hat  |  © HERWIG VERGULT/AFP/Getty Images

Lehrer scheuen sich immer weniger davor, auch online auf ihre Schüler zuzugehen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, bei Hausaufgaben zu helfen und Ratschläge zu verteilen. Manche gehen sogar noch weiter: Sie verwenden soziale Netzwerke nicht nur nachmittags nach dem Pausengong, sondern mitten im Unterricht, vor versammelter Klasse.

Früher sammelten Lehrer Mobiltelefone vor dem Unterricht ein, um Ablenkungen zu vermeiden. Inzwischen raten Pädagogen dazu, sich den Herausforderungen des medialen Wandels zu stellen. Der Koblenzer Geschichtslehrer Daniel Eisenmenger etwa setzt GoogleMaps, YouTube und auch Twitter bewusst im Unterricht ein und bloggt über seine Erfahrungen.

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Und gerade Twitter lässt sich dafür nutzen. Ist es doch bestens dafür geeignet, im Unterricht Schüler für neue Diskussionsformen zu gewinnen. Wie, das hat beispielsweise der Medienpädagoge Björn Friedrich untersucht.

Die Versuchsanordnung sieht folgendermaßen aus: Im Unterricht wird ein klassisches Thema des Lehrplans verhandelt, etwa ein Gedicht von Henry Miller. Während der Lehrer über das Gedicht referiert, können die Schüler – allesamt vor Laptops sitzend – Kommentare abgeben und persönliche Meinungen artikulieren. Jeweils 140 Zeichen lang dürfen die Meldungen sein. Das fördert den Gesprächsverlauf, weil so die Schwelle in der Klasse niedriger ist, sich am Unterricht zu beteiligen und eigene Gedanken zum Ausdruck zu bringen. Auf diese Weise werden gerade zurückhaltende Schüler zum Diskutieren animiert, die sich im Normalfall heraushalten würden.

Auch kann es Aufgabe sein, eine Kurzgeschichte zu schreiben, die nicht mehr als eben diese 140 Zeichen hat, die beste wird prämiert. Der Twitterer @tiny_tales macht das seit einiger Zeit erfolgreich vor.

Wer sich an zähe Deutschstunden erinnert, wird sich ausmalen können, wie produktiv ein solches textbasiertes Gespräch sein kann. Natürlich trägt der digitale Unterricht nur dann zur Diskussion bei, wenn der Lehrer die auf dem Bildschirm erscheinenden Kommentare aufgreift und in seinen Unterricht integriert.

Gelingt das, können damit auch sonst eher stille Schüler erreicht werden, wie Nicholas Provenzano, Englisch-Lehrer an einer High-School in der Nähe von Detroit, in der New York Times berichtete. Bei Twitter und auf seiner Website nennt er sich "the nerdy teacher", der nerdige Lehrer. Er sagte demnach, dass bei einer dreißigköpfigen Schulklasse mindestens acht seiner Schüler, die normalerweise schweigen würden, sich auf diese Weise an der Diskussion beteiligten.

Leserkommentare
  1. Richtung zu bringen. So viel neue Medien in der Zeit, da muss doch der Unterricht verbessert werden? Ich glaube aber nicht, das das wirklich so einfach ist. Sollten in den oberen Klassen Arbeitsgruppen nachmittags miteinander über ein Thema twittern und sich auch der Lehrer einschalten, nichts dagegen zu sagen. Sicher kann das manchmal hilfreich sein. Aber der Unterricht ist doch etwas anderes. Und das hat nichts mit altmodisch, oder dem verteufeln der neuen Medien zu tun. Im Unterricht sollten die Schüler lernen miteinander umzugehen. Sie sollten Strategien entwickeln der Redeführung und sie sollten auch lernen, sich an diese zu halten und jeden Redner zuzuhören und ihm die Redefreiheit zu gewähren. Sie sollten lernen zu argumentieren und auf Argumente einzugehen. Und all das kann man m.E. in der Diskussion. Wenn diese Diskussion gut funktioniert und die Themen interessant sind, dann werden sich auch die meisten beteiligen. Das es immer wieder Schüler gibt die kaum zu erreichen sind, auch nicht mit neuen Medien, daran muss man sich gewöhnen. Zu Hause bnutzen die meisten Schüler den Computer und Internet sowieso mehr für ihre Privatinteressen, ich glaube nicht das da noch mehr Förderung nötig ist. Und man sollte auch immer überlegen, ob wir die Schüler fördern oder die Industrie.

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  • Schlagworte Schule | Blog | Detroit | Gedicht | Henry Miller | Internet
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