Es ist die gleiche Reaktion wie vor zehn Jahren. Damals zog der Unternehmer Jimmy Wales mit der Idee durch die Gegend, das Wissen der Welt sammeln und es der Welt kostenlos zugänglich machen zu wollen. Er wurde als Verrückter mit einer schönen, aber undurchführbaren Vision verlacht.

Heute ist Wikipedia eine weltumspannende Wissenssammlung, und kaum jemand zweifelt noch an ihrer Bedeutung. Gesammelt also hat Wales, nun will er Anerkennung. Nicht für sich, sondern für das Projekt, für die Tausenden Freiwilligen, die es am Leben halten, und für die Idee offenen Wissens.

Der deutsche Trägerverein Wikimedia hat eine Initiative gestartet mit dem Titel: " Wikipedia muss Weltkulturerbe werden ". In einer Petition, die bereits mehr als 10.000 Menschen unterzeichnet haben, fordert der Verein, die Seite solle von der Unesco als erstes digitales Kulturerbe anerkannt werden.

Und wieder hören Wales und seine Mitstreiter Gelächter. Auf Twitter beispielsweise in Form von Bemerkungen wie : "Klar, direkt nach DSDS und den Teletubbies." Sie erleben auch Aggression : "Die Bande, die die #Wikipedia-Spenden verfrisst, versucht die Bande, die die User gängelt, zum Weltkulturerbe zu loben."

Gleichzeitig gibt es im Netz viel Unterstützung und Anerkennung für die Idee, ja geradezu Jubel. Das Thema polarisiert. Wen man auch fragt, die Antwort ist entweder ein klares "unbedingt" oder ein ebenso eindeutiges "auf keinen Fall". Wobei die Stärke der Fraktionen wechseln kann.

ZEIT ONLINE hat via Facebook Leser gefragt , ob sie das Projekt unterstützen. Dort sagten 38,8 Prozent, die Seite sollte als Weltkulturerbe anerkannt werden, 61,2 Prozent waren dagegen. Die gleiche Umfrage bei dem Netzdienst Twtpoll ergab das gegenteilige Bild, dort waren 69 Prozent dafür und 31 Prozent dagegen.

Es gibt den Vorwurf, das Vorhaben sei nur der Versuch, mehr Spenden zu sammeln. Und ja, die Aktion ist letztlich ein Marketinggag des deutschen Vereins Wikimedia. Dessen Vorsitzender Pavel Richter hat Wikipedia-Gründer Wales überredet, die Petition zu starten, auch wenn Wales in seinem Video lieber sagt, "ein Wikipedianer" sei mit dieser "wirklich großartigen und wirklich verrückten Idee zu ihm gekommen".

Doch ist das schlimm? Wikipedia ist gemeinnützig und auf Hilfe und Geld anderer angewiesen. Wer Spenden sammeln will, braucht Aufmerksamkeit für sein Thema. Die ist damit garantiert.