Arztbewertungsportale Medizinportale taugen wenig

Arztbewertungsportale helfen bei der Suche nach dem richtigen Doktor und sind extrem beliebt. Doch Prüfer bescheinigen den Diensten Mängel und warnen vor Manipulationen.

Auf Internetportalen können Patienten die "Halbgötter in Weiß" empfehlen und bewerten.

Auf Internetportalen können Patienten die "Halbgötter in Weiß" empfehlen und bewerten.

3.120.000 Treffer liefert die Google-Suche zum Begriff Arztempfehlung. Zwar fragen die meisten Menschen ihre Familie oder Freunde, ob sie einen guten Arzt empfehlen können. Aber immerhin 14 Prozent der Internetnutzer ziehen bei der Arztsuche das Internet zu Rate. Das ergab eine Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

"Medizinische Informationsangebote im Internet verzeichnen nach den Sexseiten die zweithöchsten Klickraten", schreibt Stiftung Warentest auf ihrer Internetseite. Da die Wahl des richtigen Arztes eine heikle Angelegenheit ist, haben sich Stiftung Warentest, das Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) und jüngst auch das Internetportal getestet.de dieses Themas angenommen.

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Obwohl alle drei Testportale unterschiedliche Bewertungskriterien anlegen, kommen sie zu dem gleichen Ergebnis. Das Portal Jameda ist der Sieger bei getestet.de, erfüllt im Test des ÄZQ die meisten Kriterien und schneidet auch bei Stiftung Warentest gut ab.

Dennoch äußern Stiftung Warentest und das ÄZQ Kritik an den Portalen: Zum einen sei die Trennung zwischen Werbung und Inhalt oft nicht klar. Ärzte könnten sogenannte Premiumeinträge kaufen, dann erscheinen sie über der Trefferliste oder farblich unterlegt darin. Zum anderen werde keine Mindestanzahl an Bewertungen verlangt. Eigentlich sind solche Portale aber erst ab einer größeren Anzahl an Einträgen sinnvoll. Bei den meisten Portalen werden die Ärzte selbst dann aufgeführt, wenn sie keine einzige Bewertung erhalten haben.

Oliver Schöffski, der den Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement an der Uni Erlangen innehat, hat sich im Rahmen von zwei wissenschaftlichen Studien mit dem Thema beschäftigt. "Zwar nutzen viele das Angebot gern und lesen die Empfehlungen, aber selbst bewerten tun nur wenige", sagt er. Auch bei der Umfrage der KBV hat nur ein Prozent von 6.056 Befragten angegeben, sich nicht nur passiv zu informieren, sondern auch eigene Bewertungen einzutragen. Sechs Prozent gaben an, sich überhaupt schon einmal auf Bewertungsportalen vor ihrer Arztwahl informiert zu haben.

Schöffski hat außerdem geprüft, wie anfällig die Portale für Manipulationen sind. "Kann sich der Arzt selbst bewerten? Kann eine Person mehrfach bewerten?" seien dabei besonders wichtige Fragen.

Leser-Kommentare
  1. Wie alle Bewertungen im Internet mit äußerster Vorsicht zu genießen sind.
    Von wegen Internet mein Freund und Helfer in diesem Bereich. Es sei denn, die Empfehlungen sind mit Adressen hinterlegt.

  2. Was ich mich immer frage:

    Warum setzen die Krankenkassen keine "Tester" ein und veröffentlichen die Ergebnisse. Haben die Kassen kein Interesse daran, dass die Versicherten eine gute Behandlung bekommen?

    Also wenn jetzt die AOK oder Barmer mal 10 Tester einstellt die "in zivil" stichbrobenartig Ärzte in ganz Deutschland testem, hätten die keine Vorteile durch die Auswertung und Veröffentlichung dieser Daten?

    Oder einfach die Versicherten anschreiben und fragen, mit welchen Ärzten sie gute Erfahrungen haben?

    Solche Portale sind nutzlos, da sie immer manipuliert werden.

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    Ich kann nicht für andere Krankenkassen sprechen, aber die AOK hat mich bereits am Handy (!) angerufen um mich zu bitten, meine Ärzte auf einer AOK-Arztbewertungshomepage zu benoten.
    Mal abgesehen davon, dass ich recht genervt war, Werbung auf meinem Handy zu empfangen, finde ich das System auch generell nicht besonders gut. Ein Hypochonder, der seinem Arzt, welcher ihm bescheinigt, keine Krankheit zu haben, eine schlechte Bewertung gibt wird das genauso auf krankenkasseninternen als auch unabhängigen Seiten tun.

    Zudem glaube ich nicht, dass zivile Tester, die ohne irgendwelche Symptome zum Arzt gehen, wirklich qualitativ hochwertig dessen Kompetenz testen können. Die Fähigkeiten des Arztes bemessen sich nach seinem Erfolg bei der Therapie, und wie will man die ohne Krankheit feststellen?

    Nimmt man dafür Leute von der Straße sind wir wieder genau da, wo der Artikel angefangen hat. Das System bringt also gar nichts.

    Ich kann nicht für andere Krankenkassen sprechen, aber die AOK hat mich bereits am Handy (!) angerufen um mich zu bitten, meine Ärzte auf einer AOK-Arztbewertungshomepage zu benoten.
    Mal abgesehen davon, dass ich recht genervt war, Werbung auf meinem Handy zu empfangen, finde ich das System auch generell nicht besonders gut. Ein Hypochonder, der seinem Arzt, welcher ihm bescheinigt, keine Krankheit zu haben, eine schlechte Bewertung gibt wird das genauso auf krankenkasseninternen als auch unabhängigen Seiten tun.

    Zudem glaube ich nicht, dass zivile Tester, die ohne irgendwelche Symptome zum Arzt gehen, wirklich qualitativ hochwertig dessen Kompetenz testen können. Die Fähigkeiten des Arztes bemessen sich nach seinem Erfolg bei der Therapie, und wie will man die ohne Krankheit feststellen?

    Nimmt man dafür Leute von der Straße sind wir wieder genau da, wo der Artikel angefangen hat. Das System bringt also gar nichts.

    • iushee
    • 26.07.2011 um 14:55 Uhr

    Jeder Kritikpunkt dieses Artikels trifft - obwohl es sich hier anders liest - _nicht_ auf das Arztbewertungsportal von Barmer GEK und AOK zu:

    * Trennung zwischen Werbung und Inhalt: Es gibt dort keine Werbung.
    * Ärzte können keine Premiumeinträge kaufen.
    * Es wird eine Mindestanzahl von Bewertungen pro Arzt verlangt; ich meine, es sind 10.
    * Jeder kann nur einmal bewerten; was über einen Login mittels Versichertennummer sichergestellt wird.

    Stiftung Warentest und getestet.de haben das Barmer-AOK-Portal gar nicht getestet.

    Bleibt noch das ÄZQ: Es besteht aus Organisationen der Ärzteschaft und kann damit nicht als unabhängig gelten, was auch deren einzige Kritik an diesem Portal erklärt: Sie möchten gerne eine Widerspruchslösung, so dass Ärzte ihre Bewertungen offline nehmen können. Es ist traurig, dass seitens der Ärzteverbände so wenig Kritikfähigkeit vorherrscht. Gerade beim Portal von Barmer und AOK wird peinlich darauf geachtet, dass Schmähkritik nicht möglich ist (es gibt einfach keine Freitextfelder).

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    Redaktion

    Lieber Leser iushee,

    vielen Dank für diesen wichtigen Hinweis. Hier ist es zu einem Missverständnis gekommen. Die angeführten Kritikpunkte sollten sich gar nicht auf das AOK-Ärztenavi beziehen - aus den Gründen, die Sie schon genannt haben.

    Ich hatte es nur der Vollständigkeit halber in dem Satz angeführt, weil jameda beim ÄZQ-Test nicht allein so gut abgeschnitten hat, sondern das AOK-Ärztenavi eben genauso gut war.

    Um diesem Missverständnis vorzubeugen habe ich das AOK-Ärztenavi nun aus dem Vergleich entfernt.

    Redaktion

    Lieber Leser iushee,

    vielen Dank für diesen wichtigen Hinweis. Hier ist es zu einem Missverständnis gekommen. Die angeführten Kritikpunkte sollten sich gar nicht auf das AOK-Ärztenavi beziehen - aus den Gründen, die Sie schon genannt haben.

    Ich hatte es nur der Vollständigkeit halber in dem Satz angeführt, weil jameda beim ÄZQ-Test nicht allein so gut abgeschnitten hat, sondern das AOK-Ärztenavi eben genauso gut war.

    Um diesem Missverständnis vorzubeugen habe ich das AOK-Ärztenavi nun aus dem Vergleich entfernt.

  3. und nutze sie sowohl zu Infozwecken als auch zum Bereitstellen eigener Informationen. Ich bin also das eine Prozent ;)
    Ich denke übrigens schon, daß Patienten auch die medizinische Kompetenz ihres Arztes beurteilen können. Man merkt, wenn der Zahnarzt einem teuren Mist aufquatscht. Man merkt, wenn die iGels aus ihren Löchern kommen. Und man merkt, wenn Ärzte offensichtlichen Vermutungen nicht nachgehen.
    Wie? Indem man sich eine zweite Meinung einholt oder wechselt. Ich hab mit Ärzten schon soviel Unsinn erlebt, daß ich mittlerweile genau aufpasse. Das hätte sich alles vermeiden lassen, hätte ich vorher gewußt, wie es um den Arzt bestellt ist.
    (Nicht falsch verstehen: Ich bin kein Nörgler. Aber ein Hautarzt, der vom Angucken sagt "Pilz" und keine Kultur anlegt und deshalb das Ekzem 9 Monate lang falsch behandelt, kann ja was nicht richtig machen. Nur so als Beispiel!)
    Ich hab jedenfalls gelernt, kritisch zu bleiben, nachzufragen und den Gott in Weiß nicht anzuhimmeln! Dabei helfen die Portale. Sowohl jameda als auch das Artznavi.

  4. Ich kann nicht für andere Krankenkassen sprechen, aber die AOK hat mich bereits am Handy (!) angerufen um mich zu bitten, meine Ärzte auf einer AOK-Arztbewertungshomepage zu benoten.
    Mal abgesehen davon, dass ich recht genervt war, Werbung auf meinem Handy zu empfangen, finde ich das System auch generell nicht besonders gut. Ein Hypochonder, der seinem Arzt, welcher ihm bescheinigt, keine Krankheit zu haben, eine schlechte Bewertung gibt wird das genauso auf krankenkasseninternen als auch unabhängigen Seiten tun.

    Zudem glaube ich nicht, dass zivile Tester, die ohne irgendwelche Symptome zum Arzt gehen, wirklich qualitativ hochwertig dessen Kompetenz testen können. Die Fähigkeiten des Arztes bemessen sich nach seinem Erfolg bei der Therapie, und wie will man die ohne Krankheit feststellen?

    Nimmt man dafür Leute von der Straße sind wir wieder genau da, wo der Artikel angefangen hat. Das System bringt also gar nichts.

    Eine Leser-Empfehlung
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    Und etwas ist besser als nichts. D

    er Markt für Ärzte (und Rechtsanwälte) ist nicht transparent. Ob jemand gut oder schlecht ist, merkt man erst hinterher. Ich ziehe recht oft in andere Städte um. Mittlerweile ist es verdammt schwer die guten Ärzte herauszufischen, da die meisten Ärzte nur noch Unternehmer sind und dir irgendwelche Leistungen andrehen wollen (worauf ich nicht so stehe, vor allem wenn ich zum Zahnarzt gehe und konkret etwa behandeln lassen will und er mir erstmal 4 Sitzungen Mundhygiene á 90 Euro vorschlägt, völlig unabhängig von dem wa sich gerade vorgetragen hatte). Und das ist nicht gut, denn es hebelt den Markt aus.

    Die schlechten Ärzte haben nichts zu befürchten und die guten Ärzte keine Vorteile (zumindest ist alles in beide Richtungen stark begrenzt).

    Und etwas ist besser als nichts. D

    er Markt für Ärzte (und Rechtsanwälte) ist nicht transparent. Ob jemand gut oder schlecht ist, merkt man erst hinterher. Ich ziehe recht oft in andere Städte um. Mittlerweile ist es verdammt schwer die guten Ärzte herauszufischen, da die meisten Ärzte nur noch Unternehmer sind und dir irgendwelche Leistungen andrehen wollen (worauf ich nicht so stehe, vor allem wenn ich zum Zahnarzt gehe und konkret etwa behandeln lassen will und er mir erstmal 4 Sitzungen Mundhygiene á 90 Euro vorschlägt, völlig unabhängig von dem wa sich gerade vorgetragen hatte). Und das ist nicht gut, denn es hebelt den Markt aus.

    Die schlechten Ärzte haben nichts zu befürchten und die guten Ärzte keine Vorteile (zumindest ist alles in beide Richtungen stark begrenzt).

  5. Redaktion

    Lieber Leser iushee,

    vielen Dank für diesen wichtigen Hinweis. Hier ist es zu einem Missverständnis gekommen. Die angeführten Kritikpunkte sollten sich gar nicht auf das AOK-Ärztenavi beziehen - aus den Gründen, die Sie schon genannt haben.

    Ich hatte es nur der Vollständigkeit halber in dem Satz angeführt, weil jameda beim ÄZQ-Test nicht allein so gut abgeschnitten hat, sondern das AOK-Ärztenavi eben genauso gut war.

    Um diesem Missverständnis vorzubeugen habe ich das AOK-Ärztenavi nun aus dem Vergleich entfernt.

    Antwort auf "Falschinformationen"
  6. Politiker und Medien haben das Vertrauen in die Ärzteschaft in den letzten Jahren erheblich ramponiert. Nicht ganz unschuldig sind daran u. a. Prof. Lauterbach und Ulla Schmidt. Die Idee, mit Kontrollmechanismen die Sache besser zu gestalten (CME, EBM2000+, AKR, QM, QZ, DRG usw.) muss als gescheitert betrachtet werden. Die Mediziner sind im depressiven Rückzug, gequält von Dokumentation und Quotierung, von Verschlüsselung und medizinischen Dienste, von Controllern und Verwaltungsdirektoren. Das wird von den Bewertungsportalen, die für Manipulationen extrem anfällig sind, überhaupt nicht verbessert.

    Es gilt die alte Regel, Vertrauen hilft, nicht Kontrolle.

    Wer kein Vertrauen entwickelt, hat auch beim besten Arzt verloren.

  7. ... sind Bewertungsportale vollkommen schnuppe.

    Einer Bekannten, niedergelassene Ärztin, berichtete ich von ziemlich miesen Bewertungen ihrer Praxiskollegin. Sie war recht gelassen

    "unsere Patienten haben eine Wartezeit von 6 Monaten (gesetzlich) bzw. 2 Wochen (privat) - über schlechte Bewertungen brauch ich mich nicht ärgern, die werden an unserer Situation nichts ändern. Wenn ein paar gesetzliche wegbleiben, ist das sowieso nicht tragisch, die kosten uns nur."

    Insofern...

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