Textanalyse Bibel besser als FDP-Parteibuch
Eine Software untersucht Texte systematisch nach unnötigem Geschwafel. Entwickler ist ein Kommunikationswissenschaftler, der sich über Worthülsen geärgert hat.
©amschlag/Photocase

Ein Text mit Anmerkungen.
Die Bibel, das FDP-Parteibuch und McKinsey-Studien haben eines gemeinsam: Sie waren die ersten Texte, die der Web-Entwickler Bernd Wurm aus Frankfurt am Main systematisch nach heißer Luft untersucht hat.
Die meisten Worthülsen enthielten demnach die Studien von McKinsey, am besten schnitt die Bibel ab. Wurm möchte die wohlklingenden Worte von Unternehmen, Werbeagenturen und Politikern, hinter denen oft wenig Substanz steckt, entlarven. Um diese hohlen Phrasen aufzudecken, hat er die Internetseite "BlaBlaMeter“ entwickelt. Seit Jahren schwirrte die Idee dazu in seinem Kopf herum.
"Ich ärgere mich über die aufgeblasenen Sprüche und das Worthülsengeflecht. Man findet in der Werbung Nicht-Sätze, die großartig klingen“, sagt der Frankfurter, der Kommunikationswissenschaft studiert hat. Er ist selbst überrascht, wie treffsicher die Ergebnisse seiner Internetseite seien, räumt aber zugleich Schwächen ein. Die inhaltliche Argumentation spielt bei den Bewertungen zum Beispiel keine Rolle.
In weniger als einem Monat hatte der Web-Entwickler die Seite zusammengebastelt. Seit Februar kann jedermann die Internetseite nutzen. Wer die Pressemitteilung eines Automobilunternehmens beim "BlaBlaMeter“ testet, bekommt ein klares Urteil angezeigt: "Sie müssen PR-Profi, Politiker, Unternehmensberater oder Universitätsprofessor sein! Sollten Sie eine echte Botschaft transportieren wollen, so erscheint es fraglich, ob diese Ihre Leser auch erreicht.“
Wurm erklärt, wie die Texte als gehaltvoll oder gehaltlos eingestuft werden. In einem ersten Schritt wird untersucht, ob ein Nominalstil vorherrscht. Wer auf Verben verzichtet und stattdessen von der "Optimierung von Prozessen“ und "Potenzialen“ schreibt, schneidet schlecht ab. In einem zweiten Schritt wird nach 60 "bösen Wörtern, die man immer nutzt, wenn man jemand anderen beeindrucken will“, gesucht, erläutert Wurm. Als Beispiel nennt der 43-Jährige das Wort "effizient“. Auch die Liebhaber von Bandwurmwörtern bekommen ein Problem, denn abschließend wird der Text auf überlange Wörter gescannt.
Das BlaBlaMeter darf unterhalten, erfüllt jedoch auch einen praktischen Zweck: Menschen können bei der Frage, ob Formulierungen geschwollen sind, auf unabhängige Messergebnisse der Homepage verweisen. Wurm berichtet von Werbetextern, die ihm sagten, ihre Texte seien von ihren Auftraggebern mit Änderungsvorschlägen zurückgesendet worden. Danach sei der sogenannte "Bullshit“-Faktor um 0,6 gestiegen.
Ausgelegt ist das BlaBlaMeter auf Werte zwischen Null und Eins. Je höher der Wert ist, desto mehr Geschwafel kommt vor.
- Datum 23.07.2011 - 11:31 Uhr
- Quelle Tagesspiegel
- Kommentare 103
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aber noch verbesserungswürdig.
Vielleicht noch mit einem Wörterbuchvergleich? Nur so als Idee, denn gerade aktuelle hohle Phrasen werden gerne neu erfunden und haben nicht mal im Ansatz einen Sinn. Dazu kommen Wörter die völlig falsch verwendet werden und so Bedeutung vortäuschen sollen.
Im literarischen Bereich werden auch gerne Texte mit Adjektiven aufgebläht.
Ich habe den Artikel selbst auf 'heiße Luft' getestet. Und das kam dabei heraus:
'Bullshit-Index :0.38
Ihr Text zeigt schon erste Anzeichen heißer Luft. Für Werbe oder PR-Sprache ist das noch ein guter Wert, bei höheren Ansprüchen sollten Sie vielleicht noch ein wenig daran feilen.'
Interessant, finde ich.
... muss der Artikel schlechter abschneiden als er ist. Immerhin bringt er mehrere Negativbeispiele, die vom BlaBlaMeter negativ ausgelegt werden.
... muss der Artikel schlechter abschneiden als er ist. Immerhin bringt er mehrere Negativbeispiele, die vom BlaBlaMeter negativ ausgelegt werden.
Als Lagerarbeiter in einem großen Supermarkt:
Bullshit-Index :0.21
Ihr Text zeigt erste Hinweise auf 'Bullshit'-Deutsch, liegt aber noch auf akzeptablem Niveau.
Ist das für eine Bewerbung nun gut oder schlecht? ;)
Interessante Spielerei, aber ob das nun wirklich sooo eine Innovation und praktisch nutzbar ist? Dass Politiker viel labern, ist gerne bekannt. Vermutlich landen Texte der BILD auf dem Spitzenplatz, einfach weil es jeder ohne selbst nachzudenken verstehen soll.
Wäre ich auch neugierig. Aber andererseits scheint mir, daß der Stil eher minimalistisch ist.
Wäre ich auch neugierig. Aber andererseits scheint mir, daß der Stil eher minimalistisch ist.
//Vermutlich landen Texte der BILD auf dem Spitzenplatz, einfach weil es jeder ohne selbst nachzudenken verstehen soll.//
Nicht umsonst schaffen es nur die besten Texter zur BILD oder SUN. Wer zu schlecht für BILD und SUN ist, weil er die Tinte nicht halten kann, geht eben zur ZEIT, FAZ und Süddeutschen.
Ein beispielhafter Text von Bild kommt auf einen Wert von 0,07.
So viel zur Aussagekraft des Programms :-/
Sie haben ja so recht. In der Kürze liegt die Kraft. Und in der Bildsprache auch. Es muss noch untersucht werden, welchen Anteil am Interesse der Bildzeitung das tägliche Nackt-oder Halbnacktbild am Kauf hat. Und der Slogan "Bild Dir Deine Meinung" scheint ja auch ein Volltreffer zu sein. Aber es soll Hoffnung geben. Das Interesse an diesem Medium soll rückläufig sein.
Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ag
Und Sie lesen offenbar die "schlechtgetextete" Zeit. Wohl auch zu wenig Wortschatz für BILD...
Ein beispielhafter Text von Bild kommt auf einen Wert von 0,07.
So viel zur Aussagekraft des Programms :-/
Sie haben ja so recht. In der Kürze liegt die Kraft. Und in der Bildsprache auch. Es muss noch untersucht werden, welchen Anteil am Interesse der Bildzeitung das tägliche Nackt-oder Halbnacktbild am Kauf hat. Und der Slogan "Bild Dir Deine Meinung" scheint ja auch ein Volltreffer zu sein. Aber es soll Hoffnung geben. Das Interesse an diesem Medium soll rückläufig sein.
Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ag
Und Sie lesen offenbar die "schlechtgetextete" Zeit. Wohl auch zu wenig Wortschatz für BILD...
Das Bild passt zum Artikel, da das, was es zeigt ähnlich sinnfrei ist, wie die gescholtenen Worthülsen.
Da hat also jemand in einer Zeitung alle A's eingekringelt. Reine Beschäftigung ohne erkennbaren Sinn.
Nur die Bildunterschrift passt nicht: "Ein Text mit Anmerkungen." Besser wäre vielleicht: "Spielerei mit Texten ohne Erkenntnisgewinn."
Die Skala ist größer als von 0 bis 1 XD
Hab mal getestet xD
Ein Textauszug:
"Ihr Text: 574 Zeichen, 72 Wörter
Bullshit-Index :1.04
Glückwunsch, Ihnen ist es tatsächlich gelungen, unsere Bullshit-Skala von 0 - 1 zu sprengen! Diesen Text tut sich ein Leser wohl nicht freiwillig an, aber uns haben Sie beeindruckt."
Ich frage mich ob die "Bibel in gendergerechter Sprache" auch so gut abgeschnitten hätte. Des weiteren frage ich mich, warum die FDP zum Aufhänger gemacht wird, aber im Artikel keine Rolle mehr spielt.
FDP-Bashing ist eines der Lieblingsthemen von Zeit-"Autoren" ist (neben der Bestätigung von Frauen und Ausländer als Opfer). Parteien, die nicht mit dem links-grünen Dogma Konform gehen, gelten als per se schlecht und haben für Journalisten keine andere Funktion mehr als zum Sündenbock für alles gemacht zu werden. So funktioniert - nach der Zeit - neutrale, politische Berichterstattung!
Über konstruktive Kritik würden wir uns freuen. Danke, die Redaktion/mk
Ich warte bis heute auf das erste PlagWiki für einen grünen Politiker. Aber wo kein Kläger ist!
Da ist FDP-Bashing viel mehr en vogue. Und die ZEIT lässt sich davon nur zu gerne mitreißen. Es sei angemerkt: Dies ist ein Tagesspiegel-Artikel. Dennoch peinlich genug, dass die ZEIT damit so einfach fährt.
Welche Faktoren der Software-Entwickler auch zur BS-Bewertung ansetzt, sie sind klar subjektiv. Aus meiner Sicht aber stilistisch korrekt.
Der Kernpunkt ist richtig: Wer wirklich Menschen erreichen will, der soll das Geschwafel sein lassen. Schreibt einfach und simpel. Verständlich eben. Wer nur für sich selbst schreibt, kann das gerne tun, soll aber keine große Ehrenerweisung erwarten. Gerade Akademiker sind sich dessen selten bewusst. Gerade sie fühlen sich von so einer Aktion beleidigt. Überhaupt von allem dass meint man müssen Texte "herunter-dummen".
Man sieht es an den Kommentaren hier. Dass gerade die Bild so gut abschneidet, bestätigt die Elfenbeinturm-Weltsicht.
FDP-Bashing ist eines der Lieblingsthemen von Zeit-"Autoren" ist (neben der Bestätigung von Frauen und Ausländer als Opfer). Parteien, die nicht mit dem links-grünen Dogma Konform gehen, gelten als per se schlecht und haben für Journalisten keine andere Funktion mehr als zum Sündenbock für alles gemacht zu werden. So funktioniert - nach der Zeit - neutrale, politische Berichterstattung!
Über konstruktive Kritik würden wir uns freuen. Danke, die Redaktion/mk
Ich warte bis heute auf das erste PlagWiki für einen grünen Politiker. Aber wo kein Kläger ist!
Da ist FDP-Bashing viel mehr en vogue. Und die ZEIT lässt sich davon nur zu gerne mitreißen. Es sei angemerkt: Dies ist ein Tagesspiegel-Artikel. Dennoch peinlich genug, dass die ZEIT damit so einfach fährt.
Welche Faktoren der Software-Entwickler auch zur BS-Bewertung ansetzt, sie sind klar subjektiv. Aus meiner Sicht aber stilistisch korrekt.
Der Kernpunkt ist richtig: Wer wirklich Menschen erreichen will, der soll das Geschwafel sein lassen. Schreibt einfach und simpel. Verständlich eben. Wer nur für sich selbst schreibt, kann das gerne tun, soll aber keine große Ehrenerweisung erwarten. Gerade Akademiker sind sich dessen selten bewusst. Gerade sie fühlen sich von so einer Aktion beleidigt. Überhaupt von allem dass meint man müssen Texte "herunter-dummen".
Man sieht es an den Kommentaren hier. Dass gerade die Bild so gut abschneidet, bestätigt die Elfenbeinturm-Weltsicht.
Einen interessanten Kurzartikel über Eccelstones Gören im Urlaub. Das erstaunliche Ergebnis: 0! Keine Phrasen, kein Bullshit, nur News! Vielleicht sollte ich mir nocheinmal ein neues Urteil über das Blatt bilden..;p
..sondern um *Bullshit*. Das bezeichnet vor allem nichtssagende modische Füllwörter wie "innovativ", "Eigenverantwortung", "Freiheit", "bessere Vereinbarkeit" usw.
Dass das auch funktioniert, kann man nachprüfen, wenn man den Aufmacher von
http://www.grundsatzprogr...
testen lässt.
Das Resultat:
"Bullshit-Index :0.43
Ihr Text riecht schon deutlich nach heißer Luft - Sie wollen hier wohl offensichtlich etwas verkaufen oder jemanden tief beeindrucken. Für wissenschaftliche Arbeiten wäre dies aber noch ein akzeptabler Wert (leider)."
..sondern um *Bullshit*. Das bezeichnet vor allem nichtssagende modische Füllwörter wie "innovativ", "Eigenverantwortung", "Freiheit", "bessere Vereinbarkeit" usw.
Dass das auch funktioniert, kann man nachprüfen, wenn man den Aufmacher von
http://www.grundsatzprogr...
testen lässt.
Das Resultat:
"Bullshit-Index :0.43
Ihr Text riecht schon deutlich nach heißer Luft - Sie wollen hier wohl offensichtlich etwas verkaufen oder jemanden tief beeindrucken. Für wissenschaftliche Arbeiten wäre dies aber noch ein akzeptabler Wert (leider)."
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