Ein menschliches Gehirn in einem Glaskasten, als Bestandteil einer interaktiven Ausstellung in Brasilien, die sich mit Funktion und Physiologie des Gehirns auseinandergesetzt hat. ©Mauricio Lima/AFP/Getty Images

Das Internet macht dumm, lautet ein verbreitetes Vorurteil. Psychologen der Columbia University haben untersucht, ob das stimmt.

Die These besagt, dass die zunehmende Informationsflut durch Nachrichtenwebsites, Twitter, Facebook und Youtube uns ablenkt, uns weniger aufnehmen und nachdenken lässt – dass sie uns schlicht dumm macht . Welche Auswirkungen das Internet tatsächlich auf unser Gedächtnis hat, wurde bislang aber nicht empirisch erforscht.

Erste Experimente dazu hat nun die Psychologin Betsy Sparrow von der Columbia University durchgeführt und im Fachblatt Science veröffentlicht , wie das Magazin Technology Review berichtet .

Sparrow teilte dazu Studenten in zwei Gruppen ein und ließ sie kurze Statements lesen und am Computer aufschreiben. Der einen Gruppe wurde im Vorfeld gesagt, dass die abgetippten Statements anschließend gespeichert würden, während der anderen erzählt wurde, dass man die Texte dann löschen werde. Der Hälfte jeder Gruppe wurde außerdem aufgetragen, sich neben dem Abtippen die Statements bewusst einzuprägen.

Dabei stellte sich heraus, dass die Studenten, die wussten, dass die Statements wieder gelöscht werden, sich besser an sie erinnern konnten. Und zwar unabhängig davon, ob sie den Auftrag hatten, sich die Informationen bewusst zu merken oder nicht.

In einem zweiten Experiment wurde einem Teil der Studenten gesagt, dass die abgetippten Statements in einem bestimmten Ordner auf dem Computer gespeichert würden. Bei der Auswertung zeigte sich, dass die Studenten sich besser an den Ort erinnern konnten, an dem die Information zu finden ist, als an die Information selbst.

Daraus leitet das Forscherteam um Sparrow ab, dass wir uns wahrscheinlich weniger gut Fakten einprägen, wenn wir wissen, dass wir sie leicht nachschauen können. Der Ordner auf dem Computer kann dabei durchaus gleichgesetzt werden mit beispielsweise dem Internet.

Diese Theorie erweitert die bislang geltenden Modelle, wie wir Zugang zu unserem Gedächtnis finden. Daniel Wegener , Psychologe an der Harvard Universität und Co-Autor der neuen Studie, schlug bereits vor 30 Jahren die Idee vom transactive memory vor, von einem kollektiven sozialen Gedächtnis.