Barrierefreiheit Wenn das Netz stumm bleibt
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Online-Petition für Barrierefreiheit

Im Internet müssten Untertitel einfacher umzusetzen sein, sollte man meinen. Weit gefehlt. Einen verpassten Tatort immerhin kann man sich inzwischen später in der Mediathek der ARD ansehen – allerdings ohne die Untertitel, die er im Fernsehen noch hatte.

Kürzlich fragte Probst bei Regierungssprecher Steffen Seibert via Twitter, warum der Video-Podcast der Kanzlerin nicht untertitelt sei. "Danke für den Hinweis", antwortete Seibert. "Darüber werde ich mit meinen Kollegen noch einmal nachdenken."

Gleichzeitig soll eine kleine Erleichterung, die Behinderten bislang gewährt wurde, abgeschafft werden. Ab 2013 sollen sie laut des 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrags ein Drittel der Rundfunkgebühren zahlen, also rund sechs Euro. Als Begründung heißt es: "Ziel ist, das barrierefreie Angebot der in der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) zusammengeschlossenen Landesrundfunkanstalten, des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) und des Deutschlandradios zu verbessern."

"Wenn Gehörlose Fernsehen und die Internetangebote der Sender so wahrnehmen können wie Hörende auch, also mit Untertiteln und Einblendung von Gebärdendolmetschern, dann zahlen wir natürlich auch", sagt Mira-Esther Weischet, die Sprecherin des deutschen Gehörlosen-Bunds. Bislang seien die Kosten für Untertitel immer als Argument genannt worden, warum es keine gebe, sagt Weischet. Ein Argument, dass der Gehörlosen-Bund nicht akzeptieren könne: "In anderen Ländern geht es ja auch."

Zur Beseitigung solcher und anderer Barrieren hat Arbeits- und Sozialministerin Ursula von der Leyen Mitte Juni den "Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonventionen" vorgestellt. Obwohl die Behindertenverbände bei der Entwicklung des Plans maßgeblich beteiligt waren, sind sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Probleme würden darin zwar erkannt und die Bundesregierung habe auch Visionen formuliert, kritisieren sie. Es seien aber keine konkreten und verbindlichen Maßnahmen festgesetzt worden. Änderungsvorschläge der Verbände seien ignoriert worden.

Den Vorwurf der Behindertenverbände weist die Bundesregierung zurück. Der Aktionsplan könne kein "Alleslöser" oder Wunschkatalog sein, er müsse sich auf umsetzbare Maßnahmen auf Bundesebene beschränken, heißt es im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Im Übrigen richte sich die UN-Behindertenrechtskonvention an alle staatlichen Stellen und verpflichte sie zur Umsetzung.

"Der Aktionsplan ist ein Sammelsurium von Maßnahmen, die es auch ohne ihn geben würde", sagt Weischet vom Gehörlosen-Bund. Mit ihm werde nichts verändert, "und der soll auch nichts kosten". Und aus der UN-Behindertenrechtskonvention könne man leider kaum juristische Maßnahmen ableiten und dementsprechend niemanden zur Umsetzung zwingen. Mehr als Anträge stellen könne der Gehörlosen-Bund nicht.

Julia Probst geht das alles nicht weit genug. Der Plan erfülle weder die UN-Konvention, noch sei er das Papier wert, auf dem er gedruckt wurde, findet sie. Im August möchte sie daher eine Online-Petition starten, die den "NAP" endgültig festzurrt. 50.000 Unterschriften will sie sammeln. Das wäre viel, doch Probst verweist auf die erfolgreiche Online-Petition gegen Netzsperren und deren Initiatorin und schreibt mit einem Smiley: "Ich versuche, die nächste Franziska Heine zu werden!"

 
Leser-Kommentare
  1. zB. http://www.nch.com.au/scr...

    Es wäre besser Probst gründet einen Verein, sammelt Spendengelder und fördert entsprechende Software an Unis oder Firmen direkt. Wenn die Politik sich darum kümmern soll, werden wir alle darunter leiden müssen...

    Obwohl... talentiertes Personal haben wir:

    Ministerium für Untertitel: Dr. Guttenberg, Dr. Koch-Mehrin, etc...

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Mir ist aufgefallen, dass bei Reden von Politikern in Australien, immer ein Gebärdendolmetscher daneben steht, oder eingeblendet ist. Das war sehr oft zu sehen als, wegen der Katastrophen, oft Fernsehbilder in den deutschen Nachrichten übernommen wurden.
    Die sind da wohl schon weiter.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. In diesem Artikel wird explizit ausgewiesen, daß Gehörlose, die Probleme mit der deutschen Schriftsprache haben im Internet an ihrer Emanzipation gehindert werden.
    Ich mag mich Irren, aber selbiges Problem haben auch Hörende mit jedem textgebundenen Medium. Ein Analphabet wird es also auch nicht mit zum akustisch untermalten Video schaffen weil er vorher zumindest den Link lesen muss.
    Das ganze Argument erschließt sich mir also nicht.

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    in der deutschen SCHRIFTsprache ist immer noch ein Hörender. Ihm ist es möglich, ein Video im Text zu hören, auch wenn er ihn nicht lesen könnte. - Im übrigen wäre es ein Akt der Gerechtigkeit (jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit) und der Achtung, Gehörlosen zu den Nachrichten, Vorträgen, Aufrufen etc. simultan die Gebärdensprache zu bieten, als SELBSTVERSTÄNDNIS. - Es bleibt ein trauriges Armutszeugnis für das Ministerium, sich auf eine UN-Behindertenrechtskonvention zu beziehen, einen zusammengewürfelten Aktionsplan zu erstellen und nicht endlich für die Umsetzung in der Praxis zu sorgen. Für solche Luftblasen aber werden die Kräfte in der Verwaltung mißbraucht, die auch bezahlt werden müssen: Seifenblasen-Aktionismus, und nicht das erste Mal. - Ich wünsche Julia Probst besten Erfolg und werde mich ihrer Petition anschließen. -

    in der deutschen SCHRIFTsprache ist immer noch ein Hörender. Ihm ist es möglich, ein Video im Text zu hören, auch wenn er ihn nicht lesen könnte. - Im übrigen wäre es ein Akt der Gerechtigkeit (jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit) und der Achtung, Gehörlosen zu den Nachrichten, Vorträgen, Aufrufen etc. simultan die Gebärdensprache zu bieten, als SELBSTVERSTÄNDNIS. - Es bleibt ein trauriges Armutszeugnis für das Ministerium, sich auf eine UN-Behindertenrechtskonvention zu beziehen, einen zusammengewürfelten Aktionsplan zu erstellen und nicht endlich für die Umsetzung in der Praxis zu sorgen. Für solche Luftblasen aber werden die Kräfte in der Verwaltung mißbraucht, die auch bezahlt werden müssen: Seifenblasen-Aktionismus, und nicht das erste Mal. - Ich wünsche Julia Probst besten Erfolg und werde mich ihrer Petition anschließen. -

  4. in der deutschen SCHRIFTsprache ist immer noch ein Hörender. Ihm ist es möglich, ein Video im Text zu hören, auch wenn er ihn nicht lesen könnte. - Im übrigen wäre es ein Akt der Gerechtigkeit (jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit) und der Achtung, Gehörlosen zu den Nachrichten, Vorträgen, Aufrufen etc. simultan die Gebärdensprache zu bieten, als SELBSTVERSTÄNDNIS. - Es bleibt ein trauriges Armutszeugnis für das Ministerium, sich auf eine UN-Behindertenrechtskonvention zu beziehen, einen zusammengewürfelten Aktionsplan zu erstellen und nicht endlich für die Umsetzung in der Praxis zu sorgen. Für solche Luftblasen aber werden die Kräfte in der Verwaltung mißbraucht, die auch bezahlt werden müssen: Seifenblasen-Aktionismus, und nicht das erste Mal. - Ich wünsche Julia Probst besten Erfolg und werde mich ihrer Petition anschließen. -

  5. Ich habe erhebliche Zweifel, ob die Gebärdenvideos für alle daran umsetzt wird.
    Fast keine einzige Webseite, die von Gehörlosen betrieben wird, hat Gebärdenvideos.

    Mehr Gebärdenvideos einzusetzen (hab ich jedenfalls mal gelesen), damit die Gehörlosen mehr verstehen können. Aber ja? Was wird aus mit jahrelangen Forderungen zum Ausbau der Untertitelung von Fernsehsendungen?

    Schriftsprache und Gebärdenvideos? Das sind zwei Welten!

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    Dem kann ich nur zustimmen, Gebärdensprache und Untertitel das sind zwei verschiedene Welten.

    Ich habe sechs Jahre in den USA gelebt und es genossen einfach wieder fast normal Fernzusehen. In den USA werden alle Filme, Serien, Nachrichten, Talk Shows, sogar Werbungen untertitelt! Es hat mich immer verwundert warum es dort anscheinend problemlos funktioniert und in Deutschland nicht.

    Da ich die Gebärdensprache nicht beherrsche, wäre Fersehen erst einmal wieder tabu für mich, blieben wieder nur DVDs, die, sogar deutsche, fast alle Untertitel haben!

    Dem kann ich nur zustimmen, Gebärdensprache und Untertitel das sind zwei verschiedene Welten.

    Ich habe sechs Jahre in den USA gelebt und es genossen einfach wieder fast normal Fernzusehen. In den USA werden alle Filme, Serien, Nachrichten, Talk Shows, sogar Werbungen untertitelt! Es hat mich immer verwundert warum es dort anscheinend problemlos funktioniert und in Deutschland nicht.

    Da ich die Gebärdensprache nicht beherrsche, wäre Fersehen erst einmal wieder tabu für mich, blieben wieder nur DVDs, die, sogar deutsche, fast alle Untertitel haben!

  6. Dass Gebärdensprache insbesondere bei Fernsehsendungen dabei sein sollte, insbesondere bei Nachrichten und politischen Diskussionen, da stimme ich zu.

    Ich bin mir aber nicht sicher, ob Untertitel/Gebärdendolmtscher im Internet wirklich so gewinnbringend ist.

    Ich bin Hörende. Mein PC hat aber keine Lautsprecher. Also Ton habe ich nicht. (Als ich Lautsprecher hatte, hatte ich diese bewußt ausgeschaltet, weil der Ton nur genervt hat).

    Ich vermisse nichts. Fernseher habe ich übrigens auch nicht.

    Praktischer Tipp: bei wichtigen Interviews sollte man Videos der ausländische Sender suchen. Dort gibt es dann oft Untertitel, da Übersetzung - zwar in der Sprache des Senders, aber immerhin.

  7. Und nicht behinderte Menschen sollen ab 2013 volle Gebühr zahlen, auch wenn sie keine Fernsehen haben. Wer diese Gebühr nicht zahlen kann, muss demnach am Essen sparen.

    Also, ich denke, da muss man erstmal überlegen, was man genau will.

    Ich fürchte, bei GEZ-Gebühr gibt es grundsätzlichere Probleme als die die Frage Befreiung-oder-Begünstigung für Gehörlose.

  8. Dem kann ich nur zustimmen, Gebärdensprache und Untertitel das sind zwei verschiedene Welten.

    Ich habe sechs Jahre in den USA gelebt und es genossen einfach wieder fast normal Fernzusehen. In den USA werden alle Filme, Serien, Nachrichten, Talk Shows, sogar Werbungen untertitelt! Es hat mich immer verwundert warum es dort anscheinend problemlos funktioniert und in Deutschland nicht.

    Da ich die Gebärdensprache nicht beherrsche, wäre Fersehen erst einmal wieder tabu für mich, blieben wieder nur DVDs, die, sogar deutsche, fast alle Untertitel haben!

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