Rechtsextreme haben ihre Präsenz im Internet verstärkt, hat die Initiative jugendschutz.net beobachtet. Die Jugendschutzeinrichtung der Bundesländer im Internet stellte ihre neuesten Ergebnisse vor.

Während die Zahl von Websites mit rechtsextremen Inhalten im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen ist (2009: 1.872 Seiten, 2010: 1.708 Seiten), haben sich die Aktivitäten der Neonazis vor allem in Soziale Netzwerke verlagert. 2010 hat jugenschutz.net etwa 6.000 rechtsextreme Beiträge aus dem im Bericht als "Web-2.0"-betitelten Bereich dokumentiert. Im Vorjahr waren es nur ein Drittel so viele.

Soziale Themen als Lockmittel

"Neonazis werben in Sozialen Netzwerken, auf Videoportalen und Blogs um Jugendliche", sagt Stefan Glaser , Leiter des Bereichs Rechtsextremismus von jugendschutz.net. Ihre Inhalte finden sich auf allen großen Plattformen: NPD und Kameradschaften waren auf Facebook und YouTube aktiv, Neonazibands und Versandhändler verbreiten ihre Musik auf Myspace. Auf Twitter fand jugendschutz.net 2010 insgesamt 73 rechtsextreme Accounts, 2009 waren es nur 41.

190 rechtsextreme YouTube-Videos hat sich die Initiative einmal genauer angeschaut. Einzelne von ihnen erreichten bis zu 170.000 Zugriffe. "Sie erfüllen offenbar hauptsächlich den Zweck, zu Events zu mobilisieren und für rechtsextreme Kampagnen und Gruppen zu werben", heißt es in dem Bericht. Ein Großteil der Clips sei durch schnelle Schnittfolgen und Musik offensichtlich speziell für junge Nutzer erstellt worden. Die Videos würden gezielt Themen wie sexuellen Missbrauch, Finanzkrise oder Arbeitslosigkeit instrumentalisieren, um "emotionalisierte Zukunftsdebatten anzufachen und fremdenfeindliche, antisemitische und antidemokratische Einstellungen zu schüren."

Stefan Glaser fordert die Betreiber von Seiten wie YouTube oder Facebook dazu auf, mehr gegen die Ausbreitung zu unternehmen. Erfahrungsgemäß werden solche Inhalte viel zu langsam aus dem Netz entfernt. Aber auch die Nutzer seien gefordert, anstößige Inhalte in ihren Online-Medien nicht länger zu dulden.