Allerdings gehe es ihm nicht darum, die herkömmlichen Indizes zu ersetzen – sondern sie zu ergänzen. Deshalb hofft Russell, dass die Entwickler des WGI und EIU das Heidelberger Modell mit in ihre Berechnungen einbeziehen.

Ob es dazu kommen wird, ist aber genauso unklar wie die Frage, "was wir da überhaupt messen", sagt Russell. Er könne nur spekulieren. "Irgendwie scheinen wir eine Art globales Bewusstsein zu messen. Eine Reflektion dessen, was die Menschen bewegt, die bei Wikipedia lesen und schreiben."

Immerhin hat Russell eine Idee, was sich dahinter verbirgt: "Ich könnte mir vorstellen, dass wenn Menschen zum Beispiel wütend über Genozid sind, dann drückt sich diese Wut in der Reflektion der Geschichte aus. Und vielleicht dem Wunsch, die Geschichte umzuschreiben." Diese Reflektion von Geschichte finde auf Wikipedia statt.

Aber es sind nicht nur geschichtliche Themen, die Diskussionen auslösen: "Kein Mensch würde einen Text über Biochemie diskutieren – aber beim Thema Islam und Sex sieht das ganz anders aus", sagt Russell.

Noch kann der Disputeindex nur die Vergangenheit abbilden. "Aber falls das wirklich eine Art Bewusstsein ist, was wir da messen, dann wäre es natürlich spannend, auch Vorhersagen zu entwickeln", sagt Russell. Er glaubt, dass man eines Tages dazu in der Lage sein wird.

Einen Schritt näher an der Zukunft ist Google: Bereits jetzt werden mithilfe der weltweit eingegebenen Suchanfragen beispielsweise Grippewellen   oder das Wirtschaftsgeschehen vorhergesagt.