Unbekannte Angreifer sind nach Informationen der PC-Sicherheitsfirma McAfee in die Datenbanken von insgesamt 72 Regierungen, Firmen und Organisationen eingedrungen. Sie haben sich dort Zugang zu großen Mengen vertraulicher Dokumente verschafft. Auch ein deutsches Wirtschaftsprüfer-Unternehmen zählt laut McAfee zu den Betroffenen. Die ersten Zugriffe lassen sich bis Mitte 2006 zurückverfolgen. Der längste Angriff habe mit Unterbrechungen 28 Monate gedauert, es habe aber auch kürzere von einem Monat gegeben. Insgesamt handle es sich um den "größten Vermögenstransfer in Form von geistigem Eigentum in der Geschichte". Alle 72 Opfer der Angriffe seien informiert worden, die Behörden ermittelten.

49 der 72 Angriffsziele befinden sich in den USA, betroffen waren unter anderem Regierungsbehörden und Rüstungsunternehmen. Zu den Opfern zählten auch die Regierungen Indiens, Kanadas, Vietnams, Südkoreas und Taiwans. Ebenfalls ausgespäht wurden die Vereinten Nationen in Genf und das Internationale Olympische Komitee (IOC).

Die Angriffe wurden im März 2011 bei der Untersuchung eines zentralen Steuerungsservers entdeckt. McAfee-Mitarbeiter fanden darauf Protokolle der Attacken. "Sogar wir waren überrascht von der ungeheuren Vielfalt der Opfer und entsetzt über die Dreistigkeit der Angreifer", teilte McAfee-Experte Dmitri Alperovitch mit. Es sei unklar, was mit den Daten geschehen sei. "Sollte allerdings nur ein Bruchteil davon genutzt werden, um bessere Konkurrenzprodukte zu bauen oder einen Wettbewerber bei Verhandlungen zu schlagen, dann bedeutet der Verlust eine massive wirtschaftliche Bedrohung", so Alperovitch.

China hinter den Attacken vermutet

Die Angriffe sind laut McAfee auf eine einzige Quelle zurückzuführen, vermutlich handle es sich dabei um einen Staat. Konkreter äußerte sich McAfee aber nicht. Der Washington Post zufolge spekulieren Sicherheitsexperten, es könne sich um China handeln. Denn zum einen sei das Land in der Internet-Spionage sehr aktiv, zum anderen hätten zahlreiche der betroffenen Organisationen Verbindungen zu Taiwan und zum IOC in den Monaten vor Beginn der Olympischen Spiele 2008 in Peking gehabt.

In Deutschland will nun das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik den Bericht prüfen. Der Branchenverband Bitkom forderte, die Kooperation zwischen staatlichen Stellen und der Wirtschaft zu verstärken. Das kürzlich eröffnete Cyber-Abwehrzentrum müsse außerdem schnell ausgebaut werden, damit in solchen Fällen künftig Gegenmaßnahmen ergriffen werden könnten.