WhistleblowerUndichter Himmel verhindert Start von OpenLeaks

Die Hacker auf dem Sommercamp des Chaos Computer Clubs sollten OpenLeaks, die "Babyklappe für Dokumente", testen. Doch nicht Hacker stoppten sie, sondern der Regen. von Anna Sauerbrey

Es sollte ein Start mit Sternchen werden. Beim Sommercamp des Chaos Computer Clubs (CCC) in Finowfurt bei Eberswalde kündigte Daniel Domscheit-Berg an, endlich werde es losgehen mit OpenLeaks , dem neuen Enthüllungsprojekt, das alles besser machen will als sein Konkurrent Wikileaks.

Und das Projekt sollte nicht nur einfach losgehen. Domscheit-Berg und sein Team planten, den ersten Zugang am Mittwochnachmittag freizuschalten – und riefen die 3500 Hacker, die zum Sommertreff des CCC aus aller Welt angereist waren, dazu auf, die Plattform anzugreifen. Fünf Tage sollte dieser Stresstest dauern. Und wenn das System standhielte, würde man es freischalten.

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Doch der Start verstolperte. Bislang ist die Testversion noch nicht online. Regen und Sturm zwangen die OpenLeaks-Entwickler, mit ihrer Technik an einen trockeneren Ort umzuziehen, was ihnen einige Probleme bereitete.

Was ist WikiLeaks?

"We open governments", ist das Motto von WikiLeaks: "Wir machen Regierungen transparent". Die Organisation bietet eine eine Internetseite, über die sogenannte Whistleblower, Informanten also, geheime Akten und Daten an die Öffentlichkeit bringen können. WikiLeaks verspricht ihnen dabei dank verschlüsselter Kommunikation und nicht abhörbarer Server Anonymität. Gleichzeitig veröffentlicht WikiLeaks das Material auf seiner Seite und macht es damit für jeden zugänglich. Derzeit sind allerdings keine neuen Eingaben möglich.

Die Organisation hat dabei zum Grundsatz, Dokumente nur zu veröffentlichen, wenn sie zuvor auf Plausibilität und Wahrheitsgehalt geprüft wurden.

Cablegate

Eine besonders spektakuläre Veröffentlichung auf WikiLeaks ist unter dem Namen Cablegate bekannt geworden: Im November 2010 hat WikiLeaks mit der Veröffentlichung von etwa 250.000 Berichten US-amerikanischer Diplomaten begonnen.

Neben Depeschen, die US-Botschafter über internationale Politiker angefertigt hatten, kamen dabei auch weitere Informationen zu den von Amerika geführten Kriegen ans Licht, aber auch Einschätzungen zur Situation Nordkoreas, den Staaten Südamerikas und dem iranischen Atomprogramm

Am 7. Dezember 2010 wurde der Gründer der Seite, Julian Assange, in England verhaftet, weil gegen ihn ein Haftbefehl aus Schweden vorliegt. Dort wird ihm Vergewaltigung vorgeworfen. Assange bestreitet den Vorwurf. Die schwedische Justiz sagt, dass der Haftbefehl in keinem Zusammenhang mit den Veröffentlichungen durch Assanges Projekt steht. Er selbst behauptet, es handele sich nur um einen Vorwand, um WikiLeaks von der Veröffentlichung weiterer Dokumente abzuhalten.

Die Debatte um WikiLeaks

Fest steht, dass die Cablegate-Veröffentlichungen weltweit Interesse erregten. Vor allem in den USA riefen sie heftige Proteste der Regierung hervor und konservative Politiker forderten, Assange dafür einzusperren. In vielen Ländern führten sie zu einer Diskussion über den Nutzen von WikiLeaks und über die Zukunft der Diplomatie: Was geschieht mit den internationalen Beziehungen, wenn im Zweifel jedes geheime Dokument an die Öffentlichkeit gelangen könnte?

Dabei werden von einigen Kritikern auch die Absichten von Julian Assange und seiner Organisation in Zweifel gezogen. Sie sind der Meinung, dass Transparenz kein Selbstzweck sein dürfe, WikiLeaks also nicht ausnahmslos alle ihm zugespielten Dokumente ohne Rücksicht auf die Folgen veröffentlichen dürfe.

Wobei WikiLeaks selbst immer wieder betont hatte, dass genau das nicht geschieht und dass aus den Dokumenten beispielsweise Namen herausgefiltert würden, um Menschen nicht zu gefährden. Assange bezeichnet sich deshalb inzwischen auch als Chefredakteur, als jemand mit journalistischem Selbstverständnis, wozu gehört, nicht jede Information auch zu veröffentlichen. Mit der nun erfolgten Veröffentlichung aller unbearbeiteten US-Botschaftsdepeschen ist WikiLeaks aber zum ersten Mal von den eigenen Grundsätzen abgewichen.

Frühere Leaks

Gegründet wurde die Plattform von Assange im Jahr 2006. Im Jahr darauf erlangte sie weltweite Bekanntheit, als sie die Richtlinien des US-Militärs veröffentlichte, aufgrund derer im Gefangenenlager Guantánamo Bay die Insassen behandelt und gefoltert wurden.

Im Juli 2010 veröffentlichte die Organisation zuerst geheime Militärdokumente aus dem Afghanistan-Krieg (die Afghan War Diaries) und im Oktober Dokumente aus dem Irakkrieg (Iraq War Logs).

Berichte über WikiLeaks und die Debatte um die Veröffentlichungen haben wir nach Themen sortiert auf einer Übersichtsseite für unser Projekt ZEIT für die Schule zusammengestellt. Die gesamten veröffentlichten Artikel zu WikiLeaks finden Sie auch auf der Schlagwortseite.

Gleichzeitig sorgte die Idee, sich die Plattform kostenlos von den Hackern testen zu lassen und so eine Art Sicherheits-Siegel zu bekommen, unter den Hackern selbst für einigen Unmut. Ohne genannt werden zu wollen äußerten einige, dass sie sich für eine Werbeaktion missbraucht sähen.

Interessant war Domscheit-Bergs Auftritt dennoch, erläuterte er doch erstmals im Detail, wie OpenLeaks funktionieren soll. Daniel Domscheit-Berg war Sprecher von Wikileaks, bis er die Enthüllungsplattform 2010 im Streit mit dessen Gründer Julian Assange verließ. In einem Buch kritisierte er Wikileaks anschließend als intransparent und Julian Assange als narzisstisch. Anfang des Jahres kündigte er an, ein eigenes Portal zu gründen.

Die tragende Idee von OpenLeaks ist es, das "Einsammeln" von Dokumenten und deren Publikation zu trennen. Anders als Wikileaks soll OpenLeaks keine zentrale Plattform sein, auf der Whistleblower – also Insider, die Missstände aufdecken wollen – Dokumente hochladen können. OpenLeaks stellt die Technik zur Verfügung, die dann jeder der Partner auf eigenen Internetseiten einbetten kann.

Leserkommentare
  1. Dabei ist doch schon lange rausgefunden worden, dass hinter OpenLeaks und Domscheit-Berg der amerikanische Software-Konzern Microsoft Corporation steht. Domscheit-Bergs Frau bekam den Job als Frühstücksdirektorin in Deutschland und erzählte im Job den ganzen Tag nur wie irre super es sei als Frau bei Microsoft zu sein und dort Karriere zu machen. Eine naive Annahme, dass die Amerikaner einfach amerikanische Firmen Leaker unterstützen lassen, während Wikileaks Julian Assange als Staatsfeind gejagt wird und der - oh Wunder, Wunder - von Daniel Domscheid-Berg mit schmutziger Wäsche diskreditiert wird. In Amerika greift man da nämlich ganz anders durch als im zahmen Deutschland wenn es um Beihilfe zum Geheimnisverrat geht. In Deutschland wird die Rote Hilfe vom Verfassungsschutz überwacht, warum also nicht die Beihelfer zum Verrat von Staatsgeheimnissen, insbesondere wenn eine Verwicklung (wissend oder unwissend) fremder Nachrichtendienste auf deutschem Boden nicht ausgeschlossen werden kann. Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. Das gilt auch für den Schutz von Geheimnissen in einem freiheitlich-demokratischen Rechtstaat, über den sich Domscheit-Berg und Assange meinen wegsetzen zu dürfen, die vitalen Interessen unseres Landes an Geheimhaltung kaputt machen.

    3 Leserempfehlungen
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    • chamsi
    • 12. August 2011 9:57 Uhr

    von Daniel Ellsberg gehört ?
    Er setzt sich im übrigen für Assange und Manning ein.
    Ihr Vertrauen in die staatliche Obrigkeit ist ja phänomenal,
    ein wenig Beschäftigung mit dem Mißbrauch von staatlicher Macht
    könnte zu einem realistischeren Weltbild verhelfen.

    Dazu müsste erst einmal klar definiert werden was bezüglich Demokratie ein "Geheimnis" ist und was warum geschützt werden muss.

    Es sind in der Vergangenheit zu viele Dinge vor dem "Volk" verborgen worden und das Wort "verbergen" wird allzuoft mit "geheim" gleichgesetzt. Und deshalb muss es weiterhin Wege geben "Verborgenes" aufzudecken. Das dabei vielleicht auch "Geheimes" aufgedeckt wird müssen wir inkauf nehmen.

    • thedaT
    • 12. August 2011 10:15 Uhr

    Moin,

    der Argumentation Kommentar 1 folgend wäre ja die Briefpost auch der Beihilfe zu bezichtigen. Damit kann man ja gefährliches Wissen zu Zeitungen schicken. Ganz zu Schweigen von "Tönen", bitte das Reden einstellen.

    greetz

    • thekork
    • 12. August 2011 10:42 Uhr

    Also das, was Medien nun schon völlig selbstverständlich, zurecht und wichtigerweise seit Jahrzehnten tun und noch viel mehr tun müssten ist also plötzlich "Geheimnisverrat".
    In weniger autoritären Kreisen nennt man so etwas einfach nur "investigativen Journalismus.
    Aber Nixons Bänder waren damals wohl in gewissen Dunstkreisen auch nur Geheimnisverrat und die Mafia geht auch zurecht gegen Aussteiger und Kronzeugen vor...

    • chamsi
    • 12. August 2011 9:53 Uhr

    meine Mitgliedschaft bei Foodwatch gekündigt, einem der
    "Partner" von Openleaks.
    Ich halte DB für unseriös und möchte nicht, dass auch nur ein Cent an Spendengeldern OL zugute kommt.
    Ohne mastercard,paypal und amazon habe ich inzwischen auch
    zu "leben" :) gelernt.
    Wie geht es eigentlich Assaange ?
    Und Bradley Manning ?

    2 Leserempfehlungen
    • chamsi
    • 12. August 2011 9:57 Uhr

    von Daniel Ellsberg gehört ?
    Er setzt sich im übrigen für Assange und Manning ein.
    Ihr Vertrauen in die staatliche Obrigkeit ist ja phänomenal,
    ein wenig Beschäftigung mit dem Mißbrauch von staatlicher Macht
    könnte zu einem realistischeren Weltbild verhelfen.

    2 Leserempfehlungen
  2. Dazu müsste erst einmal klar definiert werden was bezüglich Demokratie ein "Geheimnis" ist und was warum geschützt werden muss.

    Es sind in der Vergangenheit zu viele Dinge vor dem "Volk" verborgen worden und das Wort "verbergen" wird allzuoft mit "geheim" gleichgesetzt. Und deshalb muss es weiterhin Wege geben "Verborgenes" aufzudecken. Das dabei vielleicht auch "Geheimes" aufgedeckt wird müssen wir inkauf nehmen.

    Eine Leserempfehlung
    • thedaT
    • 12. August 2011 10:15 Uhr

    Moin,

    der Argumentation Kommentar 1 folgend wäre ja die Briefpost auch der Beihilfe zu bezichtigen. Damit kann man ja gefährliches Wissen zu Zeitungen schicken. Ganz zu Schweigen von "Tönen", bitte das Reden einstellen.

    greetz

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    • thekork
    • 12. August 2011 10:42 Uhr

    Also das, was Medien nun schon völlig selbstverständlich, zurecht und wichtigerweise seit Jahrzehnten tun und noch viel mehr tun müssten ist also plötzlich "Geheimnisverrat".
    In weniger autoritären Kreisen nennt man so etwas einfach nur "investigativen Journalismus.
    Aber Nixons Bänder waren damals wohl in gewissen Dunstkreisen auch nur Geheimnisverrat und die Mafia geht auch zurecht gegen Aussteiger und Kronzeugen vor...

    3 Leserempfehlungen
    • negve
    • 12. August 2011 10:44 Uhr

    Dem würde ich nicht mal einen toten Vogel anvertrauen. Wie vertrauenswürdig er ist, hat er ja eindrucksvoll gezeigt.

    3 Leserempfehlungen
  3. haben sogenannte Enthüllungsplattformen, Plagiatjäger und Epidemien den gleichen Effekt.

    Man hört irgendwann nicht mehr hin.

    Wir haben schon das tödliche Waldsterben, die tote Nordsee, das Ozonloch, die Klimakatastrophe, Hühner-Schweine-Vogelgrippen überlebt, vom Ehec spricht nun endlich auch keiner mehr...

    und was macht eigentlich Julian Assange?

    Nun wurde der Exfreund zum wahren Whistleblower - gegen Bares natürlich?

    Nix als Rauschen im Blätterwald.

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    • negve
    • 13. August 2011 22:57 Uhr

    Genau, und weil das so ein Blätterrauschen ist, wurde in Kenia die gekaufte Wahl noch umgedreht und demokratisch gewählt. Oder wir wissen nun zum Teil, wer uns alles belügt und betrügt. Vom grössten Partner der Deutschen, den Amis, weiss man jetzt, dass sie unseren Aussenminister als überfordert betitelt und ihm nicht vertrauen.

    Ist schon ein Stück, die Nordsee mit Wikileaks zu vergleichen...

    Wenn Sie solche Dinge nicht wissen möchten, bitteschön. Aber es zeugt von einer grossen Ignoranz, wie Sie versuchen, diese Entwicklung wegzubügeln. Viel Spass mit den Tomaten.

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