Klar, seine Mitglieder machen irgendetwas mit Computern, verstehen das Internet und führen gelegentlich Innenminister vor, wenn die dem Volk mal wieder ein angeblich sicheres System verkaufen wollen . Doch was ist eigentlich dieser Chaos Computer Club, von dem dauernd die Rede ist? Was ist dieser Verein, der inzwischen höchste Gerichte und Bundestagsabgeordnete berät und der gerade Geburtstag feiert?

Ein Ballbecken, so wie die in den Kinderecken von Kaufhäusern, nur dass dieses auf einem alten Flugplatz steht, überdacht von einem weißen Zelt: In dem Becken keine Kinder, dafür ein älterer Herr. Neugierig liegt er ein wenig zwischen den Plastikkugeln herum, steigt dann wieder heraus, richtet sich auf. Die Haare sind grau, doch die Augen wach. Es ist Tom Twiddlebit. Eigentlich heißt er Klaus Schleisiek. Doch das Pseudonym passt viel besser. Schleisiek ist so etwas wie der Initiator des Chaos Computer Clubs.

Der 2001 verstorbene Wau Holland war der Gründer des Hacker-Vereins und so etwas wie der Übervater. Twiddlebit hatte ihn darin bestärkt, sie waren Gleichgesinnte und hatten gemeinsam am 12. September 1981 den Aufruf in der taz unterschrieben , der "Komputerfrieks" zum Mitmachen suchte. Der Aufruf gilt als Gründungsdokument des CCC.

Schleisiek sieht sich bis heute als Bastler. Jahrelang hatte er sich aus der aktiven Arbeit im Club zurückgezogen, doch zum Chaos Communication Camp in Finowfurt kam er dann doch.

Das Camp ist ein riesiges Zeltlager mit 3.500 Bewohnern, ein Festival für Europas Hacker . Alle vier Jahre findet es statt, organisiert von der Veranstaltungs-GmbH des CCC. Doch der Campingplatz-Eindruck ist nur das halbe Bild – das Camp ist eine multiethnische und technisch hochgerüstete Kleinstadt mit kilometerlangen Glasfaserkabeln, kostenlosem WLAN für alle, einem eigenen GSM-Mobilfunknetz und Strom bis in das kleinste Zelt. Den braucht es auch, denn in den Zelten sitzen Hunderte Menschen und arbeiten an ihren Computern an der Welt von morgen und daran, dass es eine bessere wird.

Chaos Computer Club - Tom Twiddlebit über den Chaos Computer Club

Dazwischen Tom Twiddlebit, der plaudert, grüßt, Kaffee trinkt und sichtlich stolz darauf ist, was aus der Idee erwuchs.

Heute vor dreißig Jahren trafen sich in der Redaktion der taz zwei Dutzend Menschen, um über "Komputer" zu reden. Denn sie glaubten, dass mit den Geräten Sinnvolleres angestellt werden könnte, als die Innere Sicherheit zu verbessern oder Unternehmensgewinne zu steigern. Dass aus dieser spontanen Runde so etwas wie die System-Administratoren der Bundesrepublik werden sollten, war damals nicht abzusehen. Umso erfreuter ist Schleisiek. Es sei genau das aus dem Verein geworden, "was ich mir damals gewünscht habe", sagt er: Eine Organisation von Profis, die zu Fragen der Technik "kompetent Stellung nehmen können".