Vom Verein zum Berater der Politik
Müller-Maguhn war Ende der achtziger Jahre einer der Jüngsten im Club. Als der Streit zwischen den Gründungsmitgliedern eskalierte, wurde er innerhalb von Stunden zum Kassenwart, zum Sprecher, zum Vorstandsmitglied und zum Zuständigen für die Mitgliederverwaltung. "Die alten Herren", sagt er, seien von den ganzen Ermittlungen "ein bisschen zersetzt" gewesen. Sie wollten nicht mehr.
Als Müller-Maguhn dann Ende der Achtziger vor dem Wehrdienst floh, nahm er den Club praktisch mit. In Berlin gründete sich der Chaos Computer Club Berlin (CCCB). Gleichzeitig entstanden in vielen Städten sogenannte Erfahrungsaustausch-Kreise, unabhängige lokale Ableger, die sich dem Club zugehörig fühlen. Sprecher und öffentliches Gesicht des Vereins aber war Müller-Maguhn. Kein anderer wollte es tun, die meisten Mitglieder pflegten lieber das Image des verschwiegenen Hackers.
Das erklärt, warum der Club zwar einen ordentlichen Vorstand besitzt, dieser aber intern nichts zu sagen hat und bis vor Kurzem kaum öffentlich in Erscheinung trat. Bis heute sind die Sprecher die eigentliche Leitungsebene, sie bestimmen nicht nur das Bild nach außen, sondern auch viele Entscheidungen im Inneren. Derzeit sind es vor allem Frank Rieger und Constanze Kurz, die für den Club sprechen und für den CCC stehen. Sie geben Interviews im Minutentakt, treten vor dem Bundesverfassungsgericht als Gutachter auf oder schreiben Bücher.
Dabei sind sie nicht gewählt oder vom Vorstand ernannt. Sie sind Sprecher, weil sie den Job machen wollen und bereit sind, ihre Freizeit dafür zu opfern. Denn eines der wichtigsten Prinzipien des Vereins lautet bis heute: "Wir machen nur, worauf wir Lust haben. Wenn niemand Lust dazu hat, passiert auch nichts." Das sagt Rieger zumindest. Das Chaos ist nicht nur Name, es ist Programm.
Wobei, ein wenig hat sich das gewandelt. Denn Dinge wie Datensicherheit und Netzüberwachung, für die sich der Club schon immer interessierte, sind nun auch Fragen, die große Teile der Gesellschaft bewegen. "Es wird erwartet, dass wir uns zu bestimmten Themen äußern", sagt Rieger. Viele Mitglieder haben dazu jedoch keine Lust, sie wollen basteln und überlassen die Kommunikation mit dem Rest der Welt gern den Sprechern. Auch wenn Rieger und Kurz am häufigsten auftreten, eigentlich sind es inzwischen fünf, die das Sprecherteam bilden. Zu tun gibt es genug. Die Sprecher sitzen im Bundestag als Experten oder erklären der bundesdeutschen Bevölkerung technische Zusammenhänge.
So gibt es denn auch mindestens zwei Clubs: die Fraktion der Bastler, die lieber Löten oder Server aufbeißen, und die Fraktion der Politiker, die mit Information und Lobbyarbeit die Gesellschaft ändern wollen. Gemeinsam haben sie viel erreicht. Sogar Innenminister finden nun manchmal vorsichtig lobende Worte für die Arbeit des CCC und dessen Ideen.
Das wachsende Interesse der Gesellschaft hat aber auch dazu geführt, dass Öffentlichkeitsarbeit wichtiger geworden ist und der Einfluss der Sprecher noch wuchs. "Politbüro" werden sie intern manchmal abschätzig genannt. Frank Rieger sagt dazu: "Die politische Lobbyarbeit in Berlin ist teilweise ziemlich langweilig und eine Sache, die viele Leute nicht interessiert – oder bei der sie nur an den Erfolgen interessiert sind, nicht an den dreckigen Details." Das klingt so, als würden sie alle lieber nur basteln und programmieren, dass irgendwer die Erkenntnisse aber nun einmal vermitteln müsse, wenn sich etwas ändern soll.
Trotzdem gibt es immer mal wieder Streit um diese Rollenverteilung. Müller-Maguhn beispielsweise war in den letzten Jahren seiner dreizehnjährigen Amtszeit als öffentliche Stimme des Vereins ziemlich umstritten. Er hat sich zurückgezogen und gibt heute selbst zu, dass er damals vielleicht ein wenig zu dominant gewesen ist.
Und gerade hat der Vorstand den Ex-WikiLeaks-Mitarbeiter und OpenLeaks-Betreiber Daniel Domscheit-Berg aus dem Verein geschmissen – gegen den lautstark geäußerten Rat der Sprecher. Weshalb beide Seiten nun darum rangeln, wer eigentlich das Sagen hat.
Zerbrechen aber wird der Club daran nicht mehr. Zu groß ist er heute, zu wichtig seine Themen, zu vielfältig seine Mitglieder. Er ist die größte und wichtigste Vereinigung von Bastlern, Hackern und "Datenreisenden" in Europa. "Der CCC ist inzwischen so unglaublich viele Dinge, dass ich selbst nicht alle kenne", sagt Frank Rieger.
Nachtrag: Der vierte Absatz von unten wurde ergänzt um ein Zitat, das bei der Redigatur verloren gegangen ist. Entschuldigung. Kai Biermann
- Datum 12.09.2011 - 13:39 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Vor 30 Jahren war sich noch keiner zu Schade dafür, Fremdwörter hinsichtlich der Schreibweise entsprechend der Phonetik anzupassen. Leider wird die Sprachgestaltung von Wichtigtuern und Dampfplauderern maßgeblich beeinflusst.
So kommt es, dass wir heute noch Niveau anstatt beispielsweise Niewo schreiben. Wörter wie Portemonnaie, die die meisten wahrscheinlich nicht ohne nachzuschlagen fehlerfrei schreiben können, werden nur deswegen zu Portmonee angepasst, weil sie eben kaum jemand sonst fehlerfrei schreiben könnte. Traurig, dass das der einzige Grund sein soll.
Der einfache Grund ist, dass man (zumindest in meinem sozialen Umfeld) Niveau eben nicht als Niewo ausspricht, sondern auch relativ nahe an der französischen Aussprache ist.
Recht's'schraubung war doch immer schon ein Mittel Menschen auszugrenzen.
.
Keiner schreibt mehr fenestra, al-kimiya oder ιδιώτης, sprich: idiótes.
.
Lang lebe die Rechtsschreibreform :-)) solange es lesbar und verständlich ist.
Der einfache Grund ist, dass man (zumindest in meinem sozialen Umfeld) Niveau eben nicht als Niewo ausspricht, sondern auch relativ nahe an der französischen Aussprache ist.
Recht's'schraubung war doch immer schon ein Mittel Menschen auszugrenzen.
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Keiner schreibt mehr fenestra, al-kimiya oder ιδιώτης, sprich: idiótes.
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Lang lebe die Rechtsschreibreform :-)) solange es lesbar und verständlich ist.
Der einfache Grund ist, dass man (zumindest in meinem sozialen Umfeld) Niveau eben nicht als Niewo ausspricht, sondern auch relativ nahe an der französischen Aussprache ist.
Der einfache Grund ist, dass man (zumindest in meinem sozialen Umfeld) Niveau eben nicht als Niewo ausspricht, sondern auch relativ nahe an der französischen Aussprache ist.
Keine Ahnung, Frankreich ist 600 km weit entfernt und hier spricht jeder unabhängig von Bildungsgrad und sozialem Status Niewo wie Niewo aus.
In Schweden ist man da übrigens ähnlich skrupellos und schreibt einfach nivå, was wie Niewo ausgesprochen wird, und da fühlt man sich deswegen auch nicht minderbemittelt.
Der einfache Grund ist, dass man (zumindest in meinem sozialen Umfeld) Niveau eben nicht als Niewo ausspricht, sondern auch relativ nahe an der französischen Aussprache ist.
Keine Ahnung, Frankreich ist 600 km weit entfernt und hier spricht jeder unabhängig von Bildungsgrad und sozialem Status Niewo wie Niewo aus.
In Schweden ist man da übrigens ähnlich skrupellos und schreibt einfach nivå, was wie Niewo ausgesprochen wird, und da fühlt man sich deswegen auch nicht minderbemittelt.
Recht's'schraubung war doch immer schon ein Mittel Menschen auszugrenzen.
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Keiner schreibt mehr fenestra, al-kimiya oder ιδιώτης, sprich: idiótes.
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Lang lebe die Rechtsschreibreform :-)) solange es lesbar und verständlich ist.
Macht euch nicht kaputt. Macht was ihr machen wollt. Macht mal Pause. Macht mal Funkstille.
Der einfache Grund ist, dass man (zumindest in meinem sozialen Umfeld) Niveau eben nicht als Niewo ausspricht, sondern auch relativ nahe an der französischen Aussprache ist.
Keine Ahnung, Frankreich ist 600 km weit entfernt und hier spricht jeder unabhängig von Bildungsgrad und sozialem Status Niewo wie Niewo aus.
In Schweden ist man da übrigens ähnlich skrupellos und schreibt einfach nivå, was wie Niewo ausgesprochen wird, und da fühlt man sich deswegen auch nicht minderbemittelt.
..oder wie ist es sonst zu erklären, dass deutsche Politiker nach elektronischen Ausweisen lechzen? Egal was die Politiken der Welt mit neuer Technik anfangen, sie beschneiden nur noch die Freiheit. Vorratsdatenspeicherung, biometrischer Pass, Internetzensur... Der Gläserne Bürger, immer gern gesehen in der machtorientierten Politik!
hat sich vor fünf Jahren der "politische Arm" der "Netzgemeinde" gegründet und unermüdlich selbst an der Politik beteiligt (vor allem bei Wahlen) - und das ist deutlich mehr Arbeitsaufwand als alle 4..5 Jahre Kreuzlein zu machen...
Ein erster Lohn der Mühe waren die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. Darüber soll man nicht die weit über 100 gewählten "Kommunalpiraten" vergessen, die von NRW über Hessen, Hamburg, Bremen, Niedersachsen bis MeckPomm in Stadträten und Kreistagen sitzen. Übrigens auch in Tschechien (3), Spanien (2), Schweiz (1).
Berlin war nur ein Etappen"sieg". Es bleibt mühsam, bzw. wird noch mühsamer. Aber es gibt immer wieder Hoffnung, dass wir Bürger an der Politik besser mitarbeiten können (wie ja auch der CCC), als nur in Umfragen und Wahlen.
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