Smart TV ist eines der Topthemen auf der Ifa 2011. © Sean Gallup/Getty Image

So wie aus Mobiltelefonen in den vergangenen Jahren multifunktionale Smartphones geworden sind, sollen in naher Zukunft Fernseher zu Medienzentren werden. Das jedenfalls planen die Großen und einige Kleine der Branche, wie auf der Ifa in Berlin deutlich wird. Die Vermarktungsphrase dazu lautet Smart TV. Im Gegensatz zu den Telefonen werden die Fernseher aber nur einen Teil der dafür notwendigen Technik beinhalten.

Besonders heftig propagiert Samsung seine Lösungen für Smart TV : In Zukunft werden mit Ausnahme der TV-Einsteigerserie alle Samsung-Fernseher eine Steuerungsoberfläche enthalten, die aussieht wie ein mit Apps gespicktes Smartphone-Display. Samsung nennt die Oberfläche, die künftig auf dem Fernsehschirm erscheint, Smart Hub. Über sie können alle im Heimnetzwerk angeschlossenen Geräte angesteuert und ihre Inhalte genutzt werden: Fotos, Musik- oder Videodateien von der Festplatte des Computers, Websites über den Samsung-eigenen Internet-Browser des Fernsehers sowie die Samsung Apps . Sogar eine Suchmaschine ist dabei. 

Diese Apps sind, dem ersten Eindruck nach, das Beste am Smart TV. Exklusiv für Samsung werden etwa der Fußballverein Real Madrid und die Berliner Philharmoniker einen Zugang zu Videos und anderem Inhalt bieten, den es sonst nirgends zu sehen und zu hören gibt. Bisher existieren laut Samsung knapp 100 Apps für den deutschen Markt.

Fernbedienung aus dem App Store

Gesteuert wird das Ganze mit der dazugehörigen App, die aus dem Samsung-Smartphone Galaxy S II eine Fernbedienung macht. Die App ist im Android Market unter dem Namen Smart View zu finden. Ähnliche, nicht ganz so umfangreiche Samsung-Apps namens Remote und TV Remote gibt es auch für andere Android-Geräte sowie für iOS-Geräte.

Dieses Modell bieten auch andere Hersteller an: Philipps, LG, Toshiba und Loewe nutzen den Fernsehschirm ebenfalls als zentralen Bildschirm des Haushalts, der alle Inhalte aus dem lokalen Netzwerk abspielen kann. Erweitert wird er auch bei ihnen durch die Apps genannten kleinen Programme vom Hersteller selbst oder von Drittanbietern, die jeweils eine spezielle Funktion zur Verfügung stellen. Loewe etwa bietet eine App, mit der sich Internet-Videos finden und auf dem Fernseher abspielen lassen. Und wie bei der Konkurrenz dienen Handy oder Tablet-Computer dank einer weiteren App als Fernbedienung für das TV-Gerät.

Im Fall von Samsung ist das Smartphone vor allem für den Browser des Fernsehers und für die neuen Social-TV-Anwendungen wichtig. Facebook, Twitter und Google Talk sollen ganz selbstverständlich zum Fernsehen dazugehören – weil sich die parallele Nutzung von Fernsehen und Internet ausbreitet. Die ARD/ZDF-Online-Studie 2011 zitiert aus einer Umfrage der internationalen Marketing-Agentur Digital Clarity. Demnach nutzen 80 Prozent der unter 25­-Jährigen "während des Fernsehens Twitter, Facebook und andere soziale Dienste, um sich mit anderen über das Gesehene auszutauschen".