Robin Meyer-Lucht, aufgenommen bei der re:publica 2010

Kennt man einen Menschen, wenn man fast ausschließlich über das Internet mit ihm kommuniziert? Das Internet, mahnte 2007 der Medientheoretiker Michael Giesecke in seiner Studie Die Entdeckung der kommunikativen Welt , besitzt eine entscheidende Schwachstelle: Es fehlt ihm die persönliche Dimension. Während wir in der realen Welt den Subtext eines Dialogs am Verhalten unseres Gesprächspartners ablesen können, ist uns das im Internet verwehrt.

Ich könnte also nicht sagen: Ich habe Robin Meyer-Lucht gut gekannt. Und dennoch hat mich sein früher Tod sehr getroffen.

Robin Meyer-Lucht war eine unabhängige Größe im Netz, denn er gehörte keiner Fraktion an und keinem Zirkel. Er hatte bei einem Feuerkopf der öffentlichen Debatte promoviert: dem (ebenfalls zu früh verstorbenen) Medienwissenschaftler, Publizisten und politischen Vordenker Peter Glotz.

Unsentimental und engagiert wie dieser untersuchte Meyer-Lucht, welche Folgen das Internet für die künftige Öffentlichkeit haben würde; wie grundstürzend es die Rollen von Journalisten, Lesern und Verlegern verändert.

Und so wurde aus dem Medienökonomen und Strategieberater Meyer-Lucht kein hemdsärmeliger Erbsenzähler, sondern ein politischer Kopf – mit allen Zweifeln und Selbstzweifeln, die einen produktiven (und nicht nur reproduktiven) Intellektuellen auszeichnen.

Als theoretischen Praktiker (oder praktischen Theoretiker) reizte ihn genau diese Doppelrolle: aktiver Teil des Medienwandels zu sein und gleichzeitig den Struktur- und Bedeutungswandel der Öffentlichkeit zu erforschen.

Als wir uns im Herbst 2008 in der Gründungsphase des Mehrautoren-Blogs Carta am Telefon kennenlernten, imponierte mir vor allem seine Macher-Qualität. Er hatte große Pläne und ich Mühe, seiner schnellen, immer etwas zerstreuten Sprechweise zu folgen. Doch mich überzeugte sein unternehmerisches Urvertrauen: Erst mal anfangen, dann weitersehen.